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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 21:07 Uhr

Landesheimatprogramm : Heimat neu entdecken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Minister Brodkorb will den Begriff entstauben und arbeitet dabei mit jungen Leuten und Touristikern zusammen

svz.de von
erstellt am 13.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Fritz Reuters „Läuschen un Rimels“ als Hörbücher, Plattdeutsch lernen auf Youtube, aufgepeppte mecklenburgische Trachten als Alltagskleidung: Geht es nach Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD), wird das alles schon bald Realität. Gestern hat er im Kabinett den Entwurf für ein Landesheimatprogramm vorgestellt, das ein weltoffenes, modernes Heimatgefühl befördern soll. „Denn Heimatpflege ist kein Kulturarchiv für Dinge, die schon hunderte Jahre alt sind“, meint der Minister. „Heimatpflege muss entstaubt werden.“

Es gebe im Land unheimlich viele Menschen, die dieses Thema bewegt, so Brodkorb. Der Landesjungendring zum Beispiel hat Heimatkultur einem Wahlprüfstein gemacht. Der Landestourimusverband will 2017 das Thema Brauchtum in den Vordergrund stellen. „Denn neue Urlauber lockt man nicht nur mit Natur, sondern mit einer unverwechselbaren Kultur zu uns ins Land“, ist sich Brodkorb mit den Touristikern einig.

Beide Verbände, so Brodkorb, hätten sich, ebenso wie der Niederdeutschbeirat, auch in die Erarbeitung des Programmentwurfs eingebracht. Am 23. April soll um 13.30 Uhr in der Aula der Universität Rostock öffentlich darüber diskutiert werden. „Ich gehe davon aus, dass wir bereits im Mai mit der Umsetzung beginnen können“, so Brodkorb.

Das Programm ist, wie er betont, „für die Ewigkeit ausgelegt“, vorerst aber bis 2020 mit sechs Millionen Euro ausgestattet. Sie sollen in Kindertagesstätten, Grund- und weiterführende Schulen, Universitäten und Kultureinrichtungen fließen.

In Kitas sollen niederdeutsche Sprachförderung und Heimatpflege verbindlich in den Bildungskonzeptionen verankert werden. Zur Umsetzung wird jede Einrichtung mit einer Heimatkiste ausgestattet. „Sie soll fünf bis zehn Kinderbücher über die Geschichte unseres Landes enthalten, CDs mit Volksliedern, Anleitungen für historische Spiele und das dazu benötigte Material“, zählt der Minister auf.

An Grundschulen sollen mehr Themen mit Bezug zur Regional- und Landesgeschichte und dem Brauchtum der Region in die Rahmenpläne aufgenommen werden. Außerdem werden regionale und internationale Tänze in den Sportunterricht integriert. „Das macht Spaß“, weiß Brodkorb aus eigener Erfahrung.

An weiterführenden Schulen soll Niederdeutsch ab der 7. Klasse an Stelle einer zweiten Fremdsprache angeboten werden. An vier – noch nicht feststehenden – Gymnasien oder Gesamtschulen im Land bekommen Schüler die Möglichkeit, ein niederdeutsches Abitur abzulegen.

Um Lehrer auf die damit verbundenen Aufgaben vorzubereiten, wird an der Universität Greifswald ein „Kompetenzzentrum für die Didaktik des Niederdeutschen“ aufgebaut. An der Rostocker Universität soll geprüft werden, ob ein Beifach Niederdeutsch im Lehramtsstudium eingerichtet werden kann.

Zudem wird das Landeskulturportal im Internet modernisiert, die dafür zur Verfügung stehenden Mittel – bisher 30 000 Euro – vervierfacht. Besonders am Herzen liegt dem Minister außerdem, pfiffige Ideen zur Modernisierung der Heimatpflege zu finanzieren. Dazu könnten auch eBooks und Podcasts mit Werken niederdeutscher Autoren, aber auch mit traditioneller und moderner Musik aus Mecklenburg-Vorpommern gehören.

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