Polizeihunde : Heidis Welt sind die Spuren

Jetzt wartet der Polizeialltag auf Schäferhündin Heidi und ihren Kollegen Stefan Krüger. Hinter den beiden liegen vier Monate harte Arbeit in der Polizeihundeschule in Klinken.
Foto:
1 von 2
Jetzt wartet der Polizeialltag auf Schäferhündin Heidi und ihren Kollegen Stefan Krüger. Hinter den beiden liegen vier Monate harte Arbeit in der Polizeihundeschule in Klinken.

Die Grundausbildung zum Polizeihund dauert 12 Wochen. Im Ernstfall muss sich der Beamte auf sein Tier verlassen können

Ein malerischer See am Rande der Lewitz. Kein Mensch weit und breit, dafür reichlich Hundegebell. Versteckt zwischen den Bäumen liegt die Diensthundeschule Mecklenburg-Vorpommerns in Klinken. Angehende Hundeführer und deren Einsatzhunde erhalten hier ihre 12-wöchige Grundlagenausbildung.

Diesen Lehrgang durchläuft auch Stefan Krüger. Er trainiert mit seiner Hündin Heidi gerade auf dem Hundesportplatz. Obwohl der Beruf viele Einschränkungen im Alltag mit sich bringt, ist er gern Mitglied der Diensthundestaffel. „Die Arbeit ist abwechslungsreich und interessant“, erklärt der Beamte und führt Heidi über den Parcours.

Seiner künftigen Partnerin, einer schwarzen Schäferhündin, begegnete der Stralsunder erst vor vier Wochen. „Als wir uns kennenlernten, war Heidi ungefähr 12 Monate alt“, sagt er und fügt hinzu, dass in diesem Alter Talent und Leistungsfähigkeit des Hundes am besten sichtbar seien.

Heidi erfüllte die Kriterien. Das tägliche Training auf dem Hundesportplatz ist dennoch für den Hundeführer und sie hart. „Wir fingen quasi beide bei Null an.“ Auf dem Stundenplan: Kommandos wie „Fuß“, „Steh“, „Platz“ oder „Hier“. Hinzukommt ein Parcours, der täglich geübt wird. „Es bedarf einer täglichen Routine, bis die Hunde einsatzbereit sind“, sagt Krüger, während er Heidi über ein Hindernis führt. Sie weicht ihm bis zur nächsten Anweisung nicht von der Seite. „Sie ist wie mein Schatten, wo ich hingehe, geht der Hund auch hin“, so der Beamte. Nach jedem bestandenen Kommando bekommt die Schäferhündin ein Leckerli oder ihr Lieblingsspielzeug. „Wir arbeiten mit positiver Bestärkung“, erklärt Krüger und fügt hinzu: „Das bedeutet, dass wir Lob und positive Anreize als Erziehungsprinzip einsetzen.“

Auf dem Lehrplan der Spürnase vom Dienst stehen außerdem Gehorsam, Konzentration und Nervenstärke, denn Angst darf ein Polizeihund nicht haben. „Im Ernstfall muss ich meinem Hund hundertprozentig vertrauen können“, so Krüger.

Ortswechsel. Polizeihauptrevier Güstrow. Hier wird aus Theorie Praxis: Olaf Winter ist zuständig für die Fort-und Weiterbildung von acht Hunden. „Alles, was Tier und Halter in Klinken lernen, wird bei uns in den regulären Schicht-dienst integriert“, erklärt der 52-Jährige. Doch viele würden den Beruf unterschätzen, denn Bereitschaftsdienste und die tägliche Pflege des Tieres benötigen besonderen Einsatz der Hundeführer“, sagt der Polizeihauptmeister. Ein Alltag, der schnell zur Herausforderung für die ganze Familie werden kann. Die müsse mit dem vierbeinigen Partner einverstanden sein, „denn schließlich kommt er auch nach der Arbeit mit nach Hause“. Winter erklärt, dass sich deshalb nur wenige Kollegen entscheiden würden, Mitglied der Diensthundestaffel zu werden.

Damit soll jetzt Schluss sein. Silvio Bamberg ist seit Dezember letzten Jahres Leiter der Diensthundeschule. Der Polizeihauptkommisar setzt sich dafür ein, die Ausbildungsbedingungen noch attraktiver zu gestalten. „Der Bedarf an ausgebildeten Hundeführern ist hoch“, so der 40-Jährige. Besonders oft würden Fährtenhunde eingesetzt. „Erst kürzlich im Fall der vermissten Rentnerin aus Wuppertal konnten wir die Gesuchte mit Hund schneller auffinden“, sagt Bamberg. Leider war sie da bereits tot. Der Faktor Zeit spiele bei der Suche fast immer eine Rolle. „Eine Spur hält maximal 36 bis 48 Stunden, dann ist der Geruch weg.“

Neben der Spezialisierung zum Fährtenhund können die Tiere nach der Grundausbildung außerdem als Rauschgift- oder Sprengstoffspürhund ausgebildet werden. Hierbei werden in der Ausbildungsphase Rauschgifte oder Sprengstoffe so verpackt, dass der Hund gefahrlos damit spielt. „Über das Spiel gewöhnt sich der Vierbeiner an den Geruch des verpackten Gegenstandes.“

Polizeihunde haben nach etwa zehn Jahren das Ende ihrer Dienstzeit erreicht. „Die älteste Polizeihündin des Landes ist sogar elf Jahre alt“, sagt Bamberg und erklärt, dass auch sie bald in den verdienten Ruhestand geht. Die meisten Polizeihunde würden auch ihren Lebensabend bei ihren Hundeführern verbringen. So wahrscheinlich auch Heidi, denn nach den 12 Wochen in Klinken steht fest: Krüger und Hund absolvieren erfolgreich ihre Grundausbildung.

Ihre Verbindung ist jetzt noch enger. „Ich vertraue meinem Hund hundertprozentig“, sagt der Beamte, der mittlerweile seit vier Wochen in der Polizeiinspektion Stralsund im regulären Streifendienst im Einsatz ist. „Im Arbeitsalltag gibt mir der Hund Sicherheit“, sagt er und verweist auf bedrohliche Situationen, die sich bereits durch die Präsenz eines vierbeinigen Partners entschärfen ließen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen