HCE jubelt, Post mit Tor-Schwindsucht

Fotos: Josefine Rosse, Georg Scharnweber und Dietmar Albrecht
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Fotos: Josefine Rosse, Georg Scharnweber und Dietmar Albrecht

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20. Mai 2012, 07:40 Uhr

Rostock | Handball-Rostock im Überschwang der Gefühle: "Oh wie ist das schön", schallte es durch die mit 3100 Zuschauern gut besuchte Stadthalle. Währenddessen herrschte bereits einige Minuten vor Abpfiff im Fanblock von Post Schwerin Aufbruchstimmung.

Treffend zur Seelenlage in beiden Lagern bei diesem 79. Mecklenburg-Derby im Handball, das am Ende mit dem HC Empor einen verdienten 27:20 (12:10)-Sieger sah. Nach Abpfiff war die Erleichterung bei den Gastgebern über die geradezu überlebenswichtigen zwei Pluspunkte im Kampf um den Klassenerhalt riesengroß. Es war Rostocks Erfolg Nr. 50 im Derby - und geriet zur Nebensache. Denn da Kontrahent 1. VfL Potsdam beim Aufstiegskandidaten TV Neuhausen mit 25:40 unterging, hat es die Sieben von HCE-Trainer Norbert Henke mit einem Zähler Vorsprung nun wieder selbst in der Hand.

Auf die Frage, wie viele Steine runtergeplumpst seien, meinte Rostocks Rechtsaußen René Gruszka: "Soooo viele, die kann ich gar nicht zählen!" Demgegenüber kommentierte Schwerins linker Flügelmann Martin Murawski, dessen neuer Vertrag beim SV Post übrigens immer noch nicht in Sack und Tüten ist: "Rostock hat gekämpft. Das hat uns hier heute gefehlt - wie auch die letzte Konzentration, Spritzigkeit. Wir waren zu Anfang stark, Empor am Ende. Besser wäre es umgekehrt gewesen." Worte und Taten waren bei den Postlern aber eben zweierlei…

Dabei begann Schwerin effektiv, nutzte die unübersehbare Nervosität und haarsträubenden technischen Fehler beim HC Empor gnadenlos aus. Die logische Folge: 8:4 für die Gäste. Rostocks Trainer Norbert Henke nahm eine Auszeit und brachte für die bis dahin enttäuschenden Routiniers Michal Bruna und Kreso Ivankovic unter anderem Florian Zemlin auf die Spielmacherposition. "Bis zum 4:8 war das Handball zum Weglaufen, wie wir die Bälle weggeschmissen haben", so Henke, der Zemlin nach Abpfiff "ein Sonderlob" spendete: "Er hat unser Spiel geordnet."

Doch die Landeshauptstädter ließen sich vom 8:8-Ausgleich (22.) nach einem tollen Zemlin-Anspiel auf Kreisläufer Benjamin Meschke nicht beirren, legten weiter vor. Doch dann brachten sich die Gäste in der Schlussphase der ersten Halbzeit selbst um den Lohn: Murawski per Konter mit Heber an die Latte, der auf rechts gebrachte eigentliche Linksaußen Alexander Rauch beim nächsten Tempogegenstoß schneller als der Ball, "Muris" Konter Nr. 2 wieder an die Latte. Und das alles innerhalb von zwei Minuten - unfassbar! "Normal hätten wir mit drei führen müssen", meinte Posts Co-Trainer Joerg Bär in der Pause. So aber lag der HCE mit 12:10 in Front.

Nach dem Seitenwechsel ruckten die Schweriner nochmals an. Kapitän Stephan Riediger netzte zur 15:14-Führung ein. Doch danach stellten die Postler für sagenhafte 14 Minuten das Torewerfen ein. Und Empor zog vorentscheidend bis auf 22:15 (53.) davon. Die Halle tobte - und der Hals von Post-Trainer Christian Prokop wurde immer dicker.

Ja, Prokop verstand - als Einziger - die Welt nicht mehr: "Ich bin maßlos enttäuscht. Wir haben uns abschlachten lassen. Rostocks Torwart Oliver Schröder hat eine starke Partie geboten, aber wir sind geradezu schlampig mit den Chancen umgegangen." Und auch eine Nacht drüber schlafen konnte Prokop nicht beruhigen: "Was wurde von den Spielern im Vorfeld nicht alles gesagt: ,Für solche Spiele trainiert man, ,Herzstück und ,über die Schmerzgrenze gehen - das war kein Derby, wir haben ein Freundschaftsspiel abgeliefert, die zweite Halbzeit war Schaulaufen!"

Den Rostockern war es egal - Trainer, Spieler und Fans feierten, als ob man eben deutscher Meister geworden wäre. Henke: "Jeder hat gesehen, dass wir in der Abwehr unbedingt wollten. Schwerin bei 20 Toren zu halten, das schafften in der Saison nur wenige Mannschaften. Es war angenehm, die letzten zwei Minuten mal ruhig auf der Bank zu sitzen und nicht immer zittern zu müssen." Doch dazu braucht es immer zwei. Und Schwerins Spieler waren am Samstagabend ab der 40. Minute nicht wirklich anwesend. Diesem 79. Derby fehlte so einfach die Würze…

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