Hausverkauf bringt IHK Millionen ein

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02. November 2010, 08:02 Uhr

Schwerin | Geldsegen bei der Industrie- und Handelskammer Schwerin: Die durch den 14 Millionen Euro teuren Kammerneubau unter Druck geratene IHK hat zwei ihrer Stadtimmobilien verkauft. Für 1,7 Millionen Euro habe der Arbeitgeberverband Nordmetall das Bürohaus in der Graf-Schack-Allee gekauft, erklärte Verbandssprecher Peter Haas gestern. Das Gebäude solle jetzt modernisiert, bessere Tagungsmöglichkeiten geschaffen werden und als Haus für die Wirtschaft dienen. Der Eigentümerwechsel sei bereits erfolgt, sagte IHK-Präsident Hans Thon. "Das Geld ist schon auf dem Konto."

Höhere Einnahmen verspricht der Verkauf des einstigen Kammersitzes in der Schweriner Schloßstraße. Anfang Dezember soll das Geschäft perfekt gemacht werden. Dann stehe die Entscheidung an, sagte Thon ohne Einzelheiten zu nennen. Die Kammer hatte das Stadthaus Anfang der 90er-Jahre gekauft und für umgerechnet 3,2 Millionen Euro saniert. Verhandlungspreis: zwischen 2,7 und 3,5 Millionen Euro. Ursprünglich hatte das Präsidium für beide Kammerimmobilien einen Verhandlungskorridor zwischen 4,5 und 5,3 Millionen Euro vorgegeben. Die Einnahmen sollten auf jeden Fall zum Abbau der Schuldenlast verwandt werden, sagte Thon.

Kammer legt Regierungsprogramm 2020 vor

Neben der internen Neuordnung richtet die IHK auch die Kammerarbeit neu aus. Nach monatelanger Basisdiskussion legte die Selbstverwaltung der Wirtschaft jetzt ein Strategiepapier 2020 vor - ein Regierungsprogramm des Parlamentes der regionalen Wirtschaft, erklärte Thon. In dem Papier fordert die Kammer beispielsweise sich auf Zentren zu konzentrieren. Das schließe allerdings nicht aus, dass auch Existenzgründer im ländlichen Raum weiter unterstützt würden, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Unger.

Die Unternehmer sehen einer Umfrage zufolge vor allem in der Ernährungswirtschaft einen wichtigen Wachstumspool, aber auch in der Tourismus- und Gesundheitswirtschaft. Die Werften spielten in der Region hingegen eine geringere Rolle, so Unger. Für das eine Unternehmen sei schon zweimal viel Steuergeld geflossen. Nun sitze man wieder da und hoffe, dass sich die Auftragshoffnungen erfüllten. Man müsse sich auf Branchen konzentrieren, die noch in den nächsten 20 Jahren für Jobs in der Region sorgen.

Die Kammer plädierte indes auch für eine Konzentration der Wirtschaftsförderung. "Wir dürfen uns nicht verzetteln und müssen da wirksam fördern, wo es Wachstumspotenzial gibt" , erklärte Unger. Dauersubventionen dürfe es nicht geben. Beihilfen dürften nur zur Anschubfinanzierung gewährt werden, sagte Thon. Die knapper werdenden Haushaltsgelder müssten vielmehr auf die Bildung konzentriert werden. Für Forschung und Entwicklung in den Unternehmen sollten steuerliche Anreize geschaffen werden, verlangte Thon. Auf Forderungen des DGB-Landeschefs Ingo Schlüter, angesichts des drohenden Fachkräftemangels Jobs mit Billiglöhnen von der Wirtschaftsförderung auszuschließen, stieß bei der Kammer auf Zurückhaltung. Nur so viel: "Wir müssen weg vom Image des Billiglohnlandes", sagte Thon.

In dem Acht-Punkte-Strategiepapier fordert die IHK zudem vom Land eine Qualitätsoffensive in der Bildung. Nach wie vor verlasse jeder zehnte Abgänger die Schule ohne Abschluss, kritisierte der Kammerpräsident. Damit auch diese jungen Leute am Leben teilhaben könnten, sollte auch die zweijährige Berufsausbildung für Fachwerker ausgebaut werden.

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