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Serie: Hier produziert, hier gekauft : Hausgemachter Fleischgenuss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei Rudolf Tauscher gibt es Wurst nach eigenen Rezepten

Der Duft von Geräuchertem hängt in der Luft. Diese Wurst kommt nicht aus dem Supermarkt – das riecht man in der Landschlachterei Boddin in der Nähe von Wittenburg sofort. Meister Rudolf Tauscher schlachtet Rinder, Schweine und Schafe aus der Umgebung, die privat gehalten werden, direkt auf seinem Hof und verarbeitet sie auch hier. Mehr als 30 Sorten Wurst und verschiedene Fleischgerichte stellt er her. Jeden Donnerstag kommen seine Kunden direkt in den Hofladen. Freitags steht der Verkaufswagen an einem Baumarkt in Schwerin, jeden zweiten Donnerstag in Gadebusch. Außerdem bieten die Agrargenossenschaft Crivitz, Fischfeinkost Wittenburg und kleinere Läden in Schwerin und im Landkreis Ludwigslust-Parchim Tauschers Spezialitäten an.

Der Schlachtermeister kam aus Stolberg im Erzgebirge und siedelte wegen seiner Frau, die aus Nieklitz stammte, in den Norden über. Sein ursprünglicher Beruf hatte mit Wurst und Fleisch überhaupt nichts zu tun: Er ist Gartenbauingenieur. Jahrelang arbeitete er als Agronom im Volkseigenen Gut Obstbau, später im Agrochemischen Zentrum. Doch nach der Wende änderte sich – wie bei so vielen Ostdeutschen – alles. Durch Bekannte entstand die Idee, von Pflanzen auf Tiere umzuschwenken. Innerhalb von zwei Jahren schulte Tauscher zum Fleischer um, schloss gleich danach den Meisterlehrgang ab.

Neue Serie: Lieblingsprodukte gesucht

Fisch von Rügen, Würstchen von „Die Rostocker“, Fischspezialitäten aus Schwaan, Gemüse aus der Wittenburger Region, Sanddorn-Produkte aus Ludwigslust, Pommernwurst aus Pasewalk, Käse aus Dargun oder Büromöbel aus Schönberg: Unternehmen aus MV haben sich mit einer Reihe von Produkten einen Namen gemacht. Vor allem im eigenen Land werden Regionalprodukte nachgefragt.

In einer Serie stellen wir die Hersteller vor – mit Ihrer Hilfe, liebe Leser. Wenn Sie schon immer einmal über Zutaten, Bestandteile und die Macher ihrer Lieblingsprodukte aus der Region etwas wissen und lesen wollten, dann schreiben Sie uns – wir recherchieren für Sie.

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„Denn ich wollte zügig anfangen, sonst wäre der Markt ja aufgeteilt, ehe ich fertig wäre“, erinnert sich der 65-Jährige. „Wenn ich etwas mache, dann ordentlich. Sonst wären es verschwendete Lebenszeit und rausgeschmissenes Geld.“

1993 startete er mit seiner Hausschlachterei, bot zunächst fünf Sorten Wurst an – und stieß bei der Kundschaft auf ein geteiltes Echo. „Ich hatte die Wurst nach erzgebirgischer Art gewürzt, das mochten manche nicht“, erzählt er. „Doch andere drängten mich, weiterzumachen. Ein Bekannter wollte unbedingt, dass ich sein Schwein schlachte und verarbeite – auf meine Art. Hab ich gemacht, auf seine Verantwortung! Aber nach einer Weile kamen immer mehr Leute, deren Tiere ich verarbeiten sollte.“

Manchmal waren es 40 Schweine pro Woche. „Das war Schinderei“, sagt Tauscher. „Aber es ist lange her. Heutzutage schlachte ich nicht mehr jede Woche, das schaffen wir nicht.“ Denn seit vor vier Jahren seine Frau starb, arbeitet Tauscher mit nur einer Angestellten.

Nach dem Schlachten friert er einen Teil des Fleisches ein und verarbeitet es nach und nach. Seine Wurstsorten sind sämtlich nach eigenen Rezepten hergestellt. Dazu kommen komplette Mittagsgerichte im Glas: Gulasch, Rouladen, Schweinebraten, Sauerfleisch, Soljanka, Kasslerbraten. „Da ist kein Fett drin, das ist alles zerkleinertes Schnitzelfleisch. Dazu braucht man nur Weißbrot und Bier“, lacht der Meister.

Ohnehin legt er nicht nur Wert auf gesunde Tiere aus heimischen Ställen, sondern auch auf gute Zutaten. Er verwendet sehr wenig Salz, dafür verschiedene Gewürze: Pfeffer, Paprika und Kümmel, Majoran, Knoblauch oder Ingwer. Chemische Zusätze braucht und benutzt er nicht. Früher hat Tauscher sogar spezielle Wurstsorten für Allergiker produziert. Das schafft er heute nicht mehr. Er würde gern etwas kürzertreten, sich auch seinen Hobbys widmen. Aber andererseits macht er seine Arbeit so gern, dass das Aufhören schwerfällt. Und die Abnehmer warten auf seine Produkte, denn die Kunden kaufen viel – sie wollen nicht auf die besonderen Wurstsorten verzichten.

>> Die Hausschlachterei im Internet
 

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erstellt am 22.Apr.2017 | 16:00 Uhr

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