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Uwe Johnson Schulbuch : Hausgemachte Weltliteratur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erstes Buch aus neuer Schul-Literaturreihe zu Uwe Johnson gestern vorstellt

Schüler in Mecklenburg-Vorpommern können sich künftig mit einem Stück in Weltliteratur verpackter Heimat auf das Abitur vorbereiten. Bildungsminister Mathias Brodkorb hat 12 000 Exemplare eines „Literarischen Lesebuchs“ mit Texten des Schriftstellers Uwe Johnson an die Schulen verteilen lassen. Es ist der erste Band einer Reihe, mit der, so die Hoffnung des SPD-Politikers, erst die Schüler und dann auch die Öffentlichkeit insgesamt wieder vertrauter werden mit den literarischen Schätzen des Landes.

„Johnson ist ein begnadeter Geschichtenerzähler“, sagte gestern der Literaturwissenschaftler Professor Holger Helbig, der an der Universität Rostock Uwe Johnsons Leben und Werk erforscht. Er hat das Johnson-Lesebuch konzipiert. Es sei einzigartig, wie Johnson Sprache nutzt, so Helbig. „Wer die Texte laut liest, hört, woher Johnsons Figuren kommen, welche Landschaften er lebendig werden lässt.“ Johnson schrieb vor allem über Mecklenburger und über Mecklenburg. „Mutmaßungen über Jakob“, „Ingrid Babendererde“ und selbst die vierbändigen „Jahrestage. Aus dem Leben der Gesine Cress-pahl“ sind in 30 Sprachen übersetzt worden. Sie sind in Güstrow, Rostock, Boltenhagen oder im Klützer Winkel in der Vor- und Nachkriegszeit verortet.

Johnson wurde 1934 in Pommern geboren, machte in Güstrow Abitur, studierte in Rostock und Leipzig. Er ging 1959, als seine Auseinandersetzungen mit dem SED-Staat eskalierten, nach West-Berlin. Später lebte er in den USA. Er starb 1984 in England.

Helbigs Lieblingsstelle aus Johnsons Werk steht in den „Jahrestagen“: „Es ist eine Täuschung, und fühlt sich an wie Heimat.“ Der Satz fokussiert, worum sich Johnsons Texte immer wieder drehen: Was ist und was bedeutet Heimat? Damit trifft Johnson in den Augen von Minister Brodkorb den Nerv auch vieler junger Menschen, die nach „Heimat“ suchen beziehungsweise sich danach sehnen.

Helbig hat die Texte des Lesebuchs mit Schülern ausprobiert. An der John-Brinkman-Schule in Güstrow, wo Johnson Abitur machte, bekam er von den Schülern wichtige Anregungen. Unter anderem machten sie ihm klar, dass sie nicht nur Johnsons Bücher lesen würden, sondern auch etwas aus seinem Leben erfahren wollten. Mit Referendaren und Lehrern hat Helbig Aufgaben erarbeitet, mit denen Lehrer im Unterricht weiterarbeiten können. Das Bildungsministerium hat insgesamt 100 000 Euro für den ersten Band der Lesebuch-Reihe ausgegeben.

Brodkorb sieht das Lesebuch als Anregung und nicht als Pflichtlektüre. Denn die neu eingeführte Pflicht, ihre Schülerinnen und Schüler vor dem Abitur mit Weltliteratur aus Mecklenburg-Vorpommern vertraut zu machen, können die Schulen auch mit Werken von Gerhart Hauptmann, Wolfgang Koeppen, Brigitte Reimann, Hans Fallada oder Walter Kempowski nachkommen.

Katrin Möller-Funck, Leiterin des Kempowski-Archivs in Rostock, arbeitet bereits an dem nächsten Lesebuch. Es soll, natürlich mit Auszügen aus „Tadellöser und Wolff“, im nächsten Frühjahr an die Schulen kommen.  

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erstellt am 24.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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