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Mord in Warnemünde aufgeklärt : Hauptverdächtigter sitzt in Haft

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Nach mehr als einjährigen Ermittlungen konnte die Polizei die Tötung eines 70-jährigen Mannes in Warnemünde aufklären. Doch noch immer sind viele Fragen offen.

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 11:50 Uhr

Der 70-jährige Mann, der vor gut einem Jahr in der Villa von Ex-Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf in Warnemünde erstochen wurde, hat den Täter vermutlich selbst ins Haus geholt. Wie die Ermittlungsbehörden heute in Rostock mitteilten, wurde ein 40-jähriger Mann aus Polen gefasst, der vom Opfer kurz vor der Tat als Haushaltshilfe engagiert worden war und nun als dringend tatverdächtig gilt. Es werde zunächst wegen Totschlags ermittelt, ein Raubmord könne nicht ausgeschlossen werden. Allerdings müssten noch sehr viele Details zu den Hintergründen der Bluttat aufgeklärt.

Der Mann sitze in Polen in Haft und schweige zu den Tatvorwürfen.

Ihm würden von den dortigen Behörden weitere Straftaten zur Last gelegt, darunter noch ein anderes Tötungsverbrechen. Das Ermittlungsverfahren zu dem Warnemünder Verbrechen werde ebenfalls in Polen geführt, vermutlich werde auch die juristische Aufklärung dort geschehen, hieß es. „Wir hätten ihn sehr gerne persönlich vernommen“, sagte der Chef der Mordkommission, Peter Ernst.

Nach Worten von Ernst war der 70-jährige Mann Spätaussiedler, der Anfang der 1960-er Jahre in die DDR übergesiedelt war. Den bisherigen Ermittlungen zufolge war er Anfang November 2012 in seine Heimat gefahren und am 23. November zurückgekehrt - mit dem 40-Jährigen.

Zeugen hätten bestätigt, dass sich ein unbekannter Mann in der Wohnung aufgehalten habe. Die Tat sei vermutlich am 24. oder 25. November verübt worden.

Die Polizei hatte am 7. Dezember die Tür geöffnet, nachdem Nachbarn einen beißenden Geruch festgestellt hatten. Zudem hätten Verwandte des Opfers aus Hamburg vergeblich versucht, den Mann zu erreichen. Der Körper des Mannes, der den Erkenntnissen zufolge homosexuell gewesen sein soll, hatte mehrere Stichwunden aufgewiesen.

Ob seine sexuelle Veranlagung bei dem Tatmotiv eine Rolle spielte, könne nicht gesagt werden, betonte Ernst. Der 70-Jährige habe in der Vergangenheit Kontakte zu polnischen Männern gesucht, die dann als Haushaltshilfen bei ihm in Rostock arbeiteten. Die Tat hatte auch für Aufsehen gesorgt, weil das Mehrfamilienhaus dem ehemaligen Hansa-Rostock-Trainer Frank Pagelsdorf gehören soll.

Der mutmaßliche Täter sei zunächst über DNA-Spuren ermittelt worden, die mit seiner, in polnischen Behörden aufbewahrten DNA übereinstimmten. Nach Worten des Chefs der Kriminalpolizeiinspektion Rostock, Peter Mainka, konnte er auch über die Auswertung polnischer Mobilfunkdaten aus dem Jahr 2012 überführt werden. „Das wäre bei uns nicht möglich gewesen“, sagte Mainka unter Hinweis auf die sowohl strenge als auch umstrittene Gesetzesregelung bei der Vorratsdatenspeicherung. „Für uns als Ermittler ist es natürlich eine schwierige Sache, wenn wir nicht auf bestimmte Daten zurückgreifen können.“ 

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