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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 15:28 Uhr

Sommerpause : Hat sich MVgida totgelaufen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Keine Demonstrationen in Mecklenburg-Vorpommern im Mai – stattdessen wird von „Sommerpause“ geredet

von
erstellt am 19.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Sind die Spaziergänger von „Mecklenburg-Vorpommern gegen die Islamisierung des Abendlandes “ (Mvgida) fußmüde geworden? Der Mai wird wohl der erste Monat sein, in dem Mvgida nicht auf die Straße geht. Von Januar bis April marschierte die islamfeindliche Bewegung fast jeden Montag durch Schwerin, Stralsund, Rostock oder Güstrow – wenn auch mit stetig sinkenden Teilnehmerzahlen.

Seit dem letzten Spaziergang in Schwerin am 27. April ist es allerdings ruhig geworden um die Patrioten. Demonstrationen finden nicht mehr statt. Bereits vor dem letzten Marsch im April hatten die Organisatoren auf ihrer Facebook-Seite ein reduziertes Protestangebot angekündigt: „Es wird dann nicht mehr im Wochentakt demonstriert, sondern nur noch einmal im Monat.“ Doch selbst davon ist man offenbar abgerückt. Auch für den Montag kommender Woche, dem letzten im laufenden Monat, ist auf den Mvgida-Seiten wieder keine Demonstration angezeigt. Die Luft scheint raus zu sein.

Bei anderen Plänen blieb es bislang ebenfalls nur bei Ankündigungen. „Stattdessen kündigen wir eine Städtetour durch Mecklenburg-Vorpommern an. Damit erreichen wir auch kleinere Städte und können dort die Bürger wachrütteln“, heißt es weiter in einer Erklärung vom April auf Mvgida-Facebook. Von den Info-Ständen und Flugblatt-Aktionen, von denen ein Organisator in diesem Zusammenhang in einer Video-Botschaft spricht, war bislang jedenfalls noch nichts zu sehen.

Müdigkeit macht sich wohl stattdessen breit. In dem zweiteiligen Video denken zwei Mvgida-Organisatoren laut über „eine Sommerpause nach, die uns allen gut tut“. Von den beiden offensichtlich vom eigenen Team interviewten Personen will der Mann nicht erkannt werden und ist nur von hinten zu sehen. Die Frau erklärt, dass die Organisation der insgesamt 15 Märsche „unwahrscheinlich an die Substanz“ ging und man sich deshalb in der nächsten Zeit wieder mehr um die eigene Familie und Arbeit kümmern müsse.

Der Mann räumt ein, dass die Puste ausgehen und der Schwung nachlassen kann, wenn innenpolitische Erfolge ausbleiben.

Tatsächlich hatte der Ableger der Dresdner Pegida -Bewegung in Mecklenburg-Vorpommern seine höchsten Teilnehmerzahlen im Januar bei den ersten Demonstrationen in Schwerin und Stralsund mit 500 Anhängern. Bei den letzten beiden Demos in Güstrow und Schwerin im April waren es weniger als 200 Teilnehmer. Von Kundgebung zu Kundgebung gingen die Zahlen und auch die Bedeutung zurück. Die immer wieder eingebrachten Forderungen wurden kaum wahrgenommen. In einem Sechs-Punkte-Papier an die Schweriner Landtagsabgeordneten ging es in fünf Punkten um Entscheidungen auf Bundesebene und nur der sechste Punkt – Stärkung der Polizei – betraf die Landespolitik. Die Landtagsabgeordneten waren schlicht die falschen Adressaten.

Nicht nur die Landespolitiker hatten mit der Mvgida-Bewegung vor allem ein Problem wegen der zunehmenden Vereinnahmung durch Rechtsextreme. NPD-Funktionäre wie Udo Pastörs und Stefan Köster marschierten von Anfang an mit. Damit nicht genug. Im April stellte die rechtsextreme Szene sogar Redner, Logistik und Anmelder. Über „eine frühe Dominanz der Bewegung durch die NPD und rechte Kameradschaften“ beschwerte sich schon im März der Stralsunder Organisator Enrico Naumann und zog sich als Anmelder zurück.

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