Hartmut Kolb, 70, will noch nicht aufhören

Foto: Angela Hoffmann
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04. Mai 2012, 09:41 Uhr

"Bald hast du’s geschafft." Der nett gemeinte Satz einiger Kollegen hat bei Hartmut Kolb eher Traurigkeit als Freude ausgelöst. Als er 2005 mit 64 Jahren aus dem Dienst als Sportlehrer und Ausbilder für Referendare ausschied, fiel ihm das äußerst schwer. "Ich bin mein Leben lang mit Freude und Herzblut Sportlehrer gewesen und ich arbeite gern", sagt der drahtige 70-Jährige aus Gadebusch.

Stillsitzen - das konnte er noch nie und das kann er auch jetzt noch nicht. Als glücklichen Zufall empfand er deshalb die Öffnung der Skihalle in Wittenburg 2006. Erst Ende der 90er-Jahre hatte sich Kolb gemeinsam mit seiner Frau - ebenfalls Sportpädagogin - im alpinen Skisport fortgebildet und die entsprechende Berechtigung für die Schule erworben. "Das war noch mal eine Herausforderung in dem Alter", erzählt er lachend. Als er dann von einem ehemaligen Kollegen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht wurde, in der Wittenburger Skihalle Kurse geben zu können, griff er sofort zu. Seither reicht er dort regelmäßig sein Wissen weiter. Vor allem in den Wintermonaten, wenn der Andrang besonders groß ist. Dann unterstützt er das feste Team fast täglich.

"Hartmut macht eine sehr gute Arbeit und ist absolut zuverlässig", lobt Michael Förster, Skischulleiter im Alpincenter Hamburg-Wittenburg. Als einer von drei älteren Skilehrern werde Kolb besonders gern von der "Generation 50 plus" gebucht. Aber auch bei Kindern und Jugendlichen sei er beliebt - gelernt ist gelernt. "Ich denke, dass sie sehr schnell merken, ob man selbst mit Leib und Seele bei der Sache ist oder nicht", weiß Hartmut Kolb aus seinen Schulzeiten.

Und seine Leidenschaft ist echt. Man nimmt ihm sofort ab, dass er sich ein Leben ohne Sport kaum vorstellen kann. Schon als kleines Kind war er ständig in Bewegung, wie er erzählt. Auch später, während seiner ersten Ausbildung zum Schiffbauer und Schweißer auf der Wismarer Werft, nutzte er jede freie Minute für sein Leichtathletik-Training. Das zahlte sich aus: Zu DDR-Zeiten mischte Kolb ganz vorne mit, bis hin zu den Deutschen Meisterschaften. Nach dem Sportdiplom in Leipzig arbeitete er jahrelang als Lehrer in Gadebusch, bevor er dann nach der Wende die Aus- und Weiterbildung von Referendaren im Nordosten übernahm.

"Ich bin glücklich, wenn ich etwas machen kann", sagt er. In den Tag hineinleben - das sei nicht seine Welt. Wenn er morgens aufstehe, brauche er einen Plan. Manchen sei seine Einstellung vielleicht zu zielorientiert, vermutet Kolb. Doch er könne nicht anders. Ob es sich nun um die Renovierung seines Hauses handelt, die er in einem Schwung durchzieht, oder um seine Tätigkeit als Skilehrer. "Der Spaß steht natürlich im Vordergrund, aber ich möchte auch, dass die Leute, die für den Kurs bezahlt haben, wirklich etwas lernen", sagt er. Gemütlich auf dem Laufband die Piste hochfahren? Nicht mit Hartmut Kolb. Er lehrt seine Schüler zunächst einmal, wie man auf Skiern ein Stückchen den Abhang hochkraxelt. Später dürfen sie dann auch den Sessellift benutzen. Positive Anstrengung, das Gefühl, sich ausgepowert zu haben - das ist für den Gadebuscher Sport. "Wenn’s nicht mehr geht, geht’s noch zweimal", lautet der passende Spruch dazu.

Einmal hat Kolb jedoch erlebt, wie es sich anfühlt, wenn es nicht mehr geht. Ein Krankenhausaufenthalt zwang ihn zu einer Ruhepause. Der Arzt wusste jedoch sofort, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein würde. "Das war mein Sportlehrer", sagte er zu den Schwestern. "Den kann man nicht ruhigstellen." Und tatsächlich konnte sich Kolb wieder schnell berappeln und zu alter Form auflaufen.

Unvernünftig ist er jedoch nicht, wie er betont. Er horcht in seinen Körper hinein, schätzt ab, was er sich noch zumuten kann und was nicht. Fußballspielen, Kanu-Camps im Sommer, Skikurse im Winter - solange es seine Knochen noch mitmachen, will er aktiv bleiben und sein Können weitergeben.

Der schönste Dank dafür seien die positiven Rückmeldungen, erzählt der 70-Jährige. Zum Beispiel dann, wenn sich ein ehemaliger Schüler nach einem Winter urlaub melde, bei dem er das Skifahren genießen konnte. "Mit der Bewegung in der Natur kann ich manchen Leuten eine neue Welt erschließen", freut sich Kolb. Vor allem Paaren, von denen vorher nur einer Skifahren konnte und die jetzt eine neue Gemeinsamkeit gefunden haben.

Herzblut ist keine Frage des Alters. Das trifft auf Hartmut Kolb ebenso zu wie auf seine Schüler. Zu seinen jüngsten Ski-Eleven zählte bislang seine dreijährige Enkelin. Der älteste Kursteilnehmer war ein 85-jähriger Unternehmer aus Hamburg, der sich für den Winter urlaub mit seiner gesamten Familie fit machen wollte. Das wünscht sich auch Kolb: im hohen Alter noch die Piste runterfahren und seine Leidenschaft mit anderen teilen.

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