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Verdi will keine Einschnitte zulassen : Harte Tarifrunde: Streiks im Handel

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Geschlossene Ladentüren in Mecklenburg-Vorpommern: Im Einzelhandel drohen ab kommender Woche Streiks und Beeinträchtigungen im Geschäftsverkehr. Dem Einzelhandel in MV droht in diesem Jahr eine der härtesten Tarifrunden.

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erstellt am 07.Aug.2013 | 07:14 Uhr

Schwerin | Geschlossene Ladentüren in Mecklenburg-Vorpommern: Im Einzelhandel drohen ab kommender Woche Streiks und Beeinträchtigungen im Geschäftsverkehr. Mit regionalen und unternehmensbezogenen Aktionen solle der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden, in der diesjährigen Tarifrunde wieder ins Gespräch zu kommen, kündigte Conny Toepfer, Tarifexpertin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, gestern im Vorfeld der für heute in Rostock angesetzten Sondierungsgespräche an. Bislang gebe es kein Angebot. Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Geld für die etwa 30 000 Beschäftigten in MV.

Keine Annäherung: Dem Einzelhandel in MV droht in diesem Jahr eine der härtesten Tarifrunden. Die Arbeitgeber planen Verdi zufolge deutliche Einschnitte für die Beschäftigten. Danach wollen die Unternehmen die vierprozentigen Zuschläge für Kassiererinnen streichen, in einzelnen Beschäftigtengruppen die Einkommen kürzen und die Arbeitszeitregelungen noch weiter flexibilisieren. "Ein Angriff auf ganzer Linie", meinte Toepfer. Die Beschäftigten, die bisher oft per Werkvertrag in den Geschäften die Regale einräumten, sollen nach den Plänen der Arbeitgeber wieder verstärkt zurück in den Handel geholt werden. Um die Kosten noch weiter zu senken, planten die Arbeitgeber aber, für jene Mitarbeiter eine Niedriglohngruppe einzuführen sowie die Zuschläge für Nachtarbeit und den Spätöffnungszuschlag zu streichen, erklärte Toepfer: "Das schafft eine Drei-Klassen-Belegschaft in den Unternehmen. Die Rosinenpickerei ist mit uns nicht zu machen." Darüber hinaus seien die Unternehmen zu Gesprächen über höhere Tarife nur bereit, wenn die Arbeitszeiten noch flexibler gestaltet würden. Dabei habe MV bereits die weitestgehende Arbeitszeitregelung, die Jahresarbeitszeitkonten zulasse. Toepfer: "Noch flexibler geht es nicht."

Verdi verteidigte gestern erneut die Tarifforderung von 6,5 Prozent. Der Einzelhandel zähle zu den Branchen mit den meisten Aufstockern, meinte Toepfer: "Da werden keine Reichtümer verdient." Im siebenten Berufsjahr erhalte eine Verkäuferin im Einzelhandel 2180 Euro brutto. Da viele Beschäftigte nur Teilzeit beschäftigt seien, bleibe nicht viel übrig, sagte Toepfer. Es werde dort gespart, wo ohnehin schon wenig verdient wird. Es könne nicht sein, dass "auf Kosten der Steuerzahler die Arbeit noch billiger gemacht wird."

Die Arbeitgeber sehen indes kaum Spielräume: 6,5 Prozent mehr Geld - angesichts des zu erwarteten realen Umsatzrückgangs in diesem Jahr sei die Forderung deutlich überhöht, erklärte Dierk Böckenholt, Chef des Einzelhandelsverbandes Nord, gestern: "Das passt nicht in die Welt." Neben der Lohnforderung müsse vor allem über eine Reform des Tarifwerkes verhandelt werden. So hätten sich beispielsweise die Voraussetzungen für die Zuschläge für Kassiererinnen angesichts der modernen Kassentechnik deutlich geändert. Kasserinnen verdienten mehr als Fachverkäuferinnen. "Da gibt es eine Unwucht", meinte Böckenholt. Er habe aber seine Zweifel, ob die Gewerkschaft zu Reformen bereit seien. Die heutigen Sondierungsgespräche würden zeigen, ob die Arbeitgeber überhaupt in Gespräche eintreten würden.

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