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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 06:13 Uhr

Harte Fronten im Tarifkampf

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2012 | 07:53 Uhr

Warnstreiks im Öffentlichen Dienst, erste Ausstände bei IG Metall - die Tarifrunde 2012 könnte besonders hart werden. Die Gewerkschaften stellen hohe Lohnforderungen, Arbeitgeber gehen auf Konfrontationskurs. Hintergründe zu den bevorstehenden Tarifauseinandersetzungen von Christoph Slangen.

Welche Branchen verhandeln im Jahr 2012 über höhere Löhne?

Der Öffentliche Dienst von Bund und Kommunen macht derzeit den Auftakt. Es geht um die Löhne für zwei Millionen Beschäftigte bei den Städten und Gemeinden und weitere 500 000 beim Bund. Deutschlands größte Gewerkschaft, die IG Metall will für 3,6 Millionen Arbeitnehmer ebenfalls kräftige Lohnerhöhungen durchsetzen. Insgesamt werden in diesem Jahr Tarifverhandlungen für 9,1 Millionen Beschäftigte geführt. Auch die Verhandlungen im Hotel- und Gaststättengewerbe zählen zu den großen Tarifrunden. Zudem werden Hausverträge von Konzernen neu verhandelt, etwa bei Volkswagen.

Wie hoch sind die Tarifforderungen?

Auf vergleichsweise hohem Niveau: Öffentlicher Dienst und IG Metall haben mit 6,5 Prozent vorgelegt. Für die Chemische Industrie empfiehlt die Gewerkschaft sechs Prozent. Bei Nahrung, Genuss und Gaststätten wird ein Abschluss zwischen fünf und sechs Prozent angepeilt. VW sieht sich mit einer Forderung von 6,5 Prozent Erhöhung konfrontiert. Die Gewerkschaften wollen nach zwei Aufschwungjahren mit Wirtschaftswachstum von drei Prozent oder mehr ihre Beschäftigten über höhere Löhne am Aufschwung beteiligen.

Wie reagieren Arbeitgeber?

Das Tarifritual ist in vollem Gange: Die Forderungen werden als überhöht abgelehnt, teilweise Gegenforderungen aufgemacht. So brachte Gesamtmetall-Präsident Kannegießer jetzt eine Ausweitung der 40-Stunden-Woche ins Gespräch. Die öffentlichen Arbeitgeber malen die Zukunft derzeit in den düstersten Farben: Je höher der Abschluss, desto mehr müssten sich die Bürger auf Verlust an Lebensqualität einstellen: Weitere Schließungen öffentlicher Einrichtungen drohten, Gebührenerhöhungen und Privatisierungen.

Welche Abschlüsse sind verantwortbar?

Im vergangenen Jahr sind die Tariflöhne der Vollzeitbeschäftigten um 3,3 Prozent gestiegen. Bei einer Inflationsrate von 2,3 Prozent blieb ein realer Zuwachs von einem Prozent. Forscher wie Gert G. Wagner, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Schnitt eine dreiprozentige Lohnerhöhung verkraften könnte. Als Faustformel für den Verteilungsspielraum gilt der Produktivitätsfortschritt plus der erwarteten Inflationsrate. Wird dieser Wert deutlich überschritten, gefährdet das Arbeitsplätze.

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