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Beziehungen : Harry und Sally 25 Jahre später

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Studie zeigt: Männer und Frauen können sehr wohl nur Freunde sein

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erstellt am 07.Jun.2014 | 16:00 Uhr

„Harry und Sally“* feiern Silberhochzeit: Als die gleichnamige Liebeskomödie vor 25 Jahren die Kinos stürmte, faszinierte sie nicht nur das Publikum, sondern auch Soziologen und Psychologen. Die zentrale Frage lautete: Ist eine reine Freundschaft zwischen Mann und Frau möglich? „Harry“ gab darauf schon im Film eine eindeutige Antwort: „Männer und Frauen können nie Freunde sein! Der Sex kommt ihnen immer dazwischen.“ Und heute? Ein viertel Jahrhundert später scheint Harrys Theorie immer noch topaktuell zu sein. Nach einer aktuellen Studie im Auftrag des Bremer Kaffeeherstellers Jacobs halten nur 29 Prozent der Deutschen eine Freundschaft zwischen Mann und Frau für möglich. Mehr als die Hälfte gibt dem Hollywood-Drehbuch recht. Die Begründung: Früher oder später will mindestens einer von beiden mehr. Davon sind laut Jacobs Studie Frauen und Männer gleichermaßen überzeugt. Der Hamburger Diplom-Psychologe Michael Thiel kommentiert: „Das Interessante an den Ergebnissen: Knapp 60 Prozent derjenigen, die Zweifel an einer reinen Freundschaft zwischen den Geschlechtern haben, können kaum auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Denn die meisten von ihnen hatten noch nie einen andersgeschlechtlichen Freund. Hier scheint die Fantasie etwas durchzugehen. Augenscheinlich sind die ‚Zweifler‘ nach wie vor in dem alten gesellschaftlichen Klischee verhaftet, nach dem eine platonische Beziehung zwischen Mann und Frau nicht laufen kann.“
 
Erfahrung macht zuversichtlich

Anders dagegen äußern sich all jene, die schon selbst eine Mann-Frau-Freundschaft erlebt haben – was bei jedem dritten Deutschen der Fall ist. 46 Prozent von ihnen halten eine dauerhafte freundschaftliche Beziehung für möglich. Aus gutem Grund, wie Michael Thiel erklärt: „Ein ‚Freundschafts-Pärchen‘ muss sich eigentlich keine großen Sorgen über eine plötzlich entfachende Leidenschaft machen, denn dazu gehört eine gewisse Distanz, ein gewisses prickelndes Geheimnis, das den anderen so anziehend macht. Genau das ist bei wirklichen Freunden, die sich mitunter schon seit Jahrzehnten in und auswendig kennen, nicht vorhanden. Hier spielen ehrliche Offenheit und aufrichtige Nähe in einem Maße eine Rolle, die jegliches Prickeln im Keim ersticken lassen. So mancher Freund kennt seine Freundin besser als ihr eigener Ehemann. Bei so viel Wissen flaut die Erotik eher ab.“
 
Dolmetscher für das andere Geschlecht

Echte Freundschaften zwischen Mann und Frau funktionieren also doch. Und nicht nur das – sie können sogar bereichern, wie der Experte betont: „Es gibt Frauen, die bevorzugt Männer als beste Freunde haben, weil ihnen deren gradlinige, unverblümte Art gut gefällt. Und es gibt Männer, die mehr Frauen als Freundinnen haben, weil ihnen Fußball, Sport und Autos als Gesprächsthemen einfach nicht genügen. Hier können Frauen ihren männlichen Freunden so manchen Beziehungstipp geben und erklären, wie die Partnerin des Freundes tickt. Männer können wiederum ihren besten Freundinnen klar machen, warum es ihrem Liebsten zum Beispiel peinlich ist, mit ihr in der Öffentlichkeit Händchen zu halten. Auf diese Weise dienen Freunde als Dolmetscher für das andere Geschlecht.“ Das hat übrigens auch schon der Hollywood-Klassiker gezeigt – in der legendären Szene, in der Sally mitten im Restaurant sämtliche Männerträume in puncto „Latin Lover“ lautstark zunichtemacht...
 
* „Harry & Sally“ ist als Blu-ray und DVD erhältlich (FOX).
 

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