zur Navigation springen

Prozess : Hansa-Hooligan muss nicht in den Knast

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rostocker Gericht verurteilt gewalttätigen Fan aus Gadebusch zu acht Monaten Haft, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 21:15 Uhr

Ein halbes Jahr nach dem von Ausschreitungen begleiteten Drittliga-Spiel des FC Hansa gegen den Halleschen FC ist ein 23-jähriger Anhänger der Ostseestädter verurteilt worden. Das Amtsgericht Rostock verhängte gegen den Mann aus Gadebusch wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Vermummungsverbot eine achtmonatige Haftstrafe, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem soll er 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, teilten die Polizei und der Drittligist gestern mit. Das Urteil wurde am 29. April gesprochen und ist bereits rechtskräftig, sagte eine Gerichtssprecherin. Gegen 20 weitere Randalierer liegen laut Staatsanwaltschaft Anklagen vor. Zudem sei der Erlass von elf Strafbefehlen mit zum Teil erheblichen Geldstrafen beim Amtsgericht beantragt worden. Durch Videoanalysen seien bislang 107 Personen identifiziert worden, denen konkrete Straftaten zugeordnet würden. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Bei dem Spiel Ende Oktober 2013 (2:1 für Hansa) hatten 150 Hansa-Fans versucht, am Stadion Gäste-Fans zu verprügeln. Der Polizei war es gelungen, dies zu verhindern. Dabei seien aber Einsatzkräfte mit Steinen und Pyrotechnik beworfen worden. Zudem gingen Busscheiben zu Bruch.

Wegen fortwährender Fan-Randale steht Hansa seit Langem in der Kritik. Bei sieben Spielen der laufenden Saison hatte es Vorkommnisse gegeben. Erst am Samstag griffen zudem aggressive Hansa-Fans auf dem Bahnhof in Schwerin durchreisende Anhänger von Hertha BSC an. Dafür hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem Verein umgehend eine Geldstrafe von 20 000 Euro auferlegt. Außerdem zog Hansa die Berufung gegen ein am 17. April gefälltes Sportgerichts-Urteil zurück. Rostock war dort wegen zwölf Fällen unsportlichen Verhaltens seiner Fans ebenfalls zu 20 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

Zudem will der Traditionsverein mit einem sieben Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog mithelfen, Krawalle künftig zu verhindern. Beim letzten Saison-Heimspiel am Samstag gegen den SV Wehen Wiesbaden bleibt die Fan-Südtribüne geschlossen.

Polizei und Staatsanwaltschaft machten deutlich, dass sie Gewalttäter in und an Stadien konsequent verfolgen werden. „Aus diesem Grund wurde bei der Staatsanwaltschaft Rostock ein Sonderdezernat für diese Straftaten eingerichtet, wodurch eine zügige Aufklärung und rasche Anklageerhebung bei hinreichendem Tatverdacht gewährleistet wird“, erklärte Behördensprecher Holger Schütt.

Hansa-Vorstand Rainer Friedrich kündigte an, „sehr eng“ mit den Behörden zusammenarbeiten zu wollen. „Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit den Konsequenzen leben – wir werden auch in Zukunft mithilfe unserer Sicherheitspartner rigoros gegen Straftäter vorgehen und diese aus den Fußballstadien verbannen“, betonte er.

Bislang seien 21 Stadionverbote ausgesprochen worden.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen