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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 19:39 Uhr

Prozess : Hansa-Fan nach Gewalt verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Amtsgericht Rostock verhängt Bewährungsstrafe / Geldbuße in Höhe eines Monatslohns

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 07:52 Uhr

„Ich will Menschen nicht verletzen“, sagt der Hansa-Fan. Eigentlich sei er überhaupt gegen Gewalt. Trotzdem sitzt der inzwischen 25-Jährige nun im Rostocker Amtsgericht auf der Anklagebank. Denn nach dem Heimspiel im Ost-Derby gegen den Halleschen FC Ende Oktober 2013 sah das irgendwie anders aus: Schwarze Kapuze, Hansa-Schal über Mund und Nase, einen Pflasterstein in der Hand – und das an vorderster Front einer Menge von rund 200 Randalierern. So zeigt ihn ein Video der Polizei. Bauschutt, Steine, Flaschen, Pyrotechnik – aus der Masse flog in Richtung Polizei, was gerade zur Hand war. Das Großaufgebot an Beamten hatte kurz zuvor verhindert, dass die Hansa-Anhänger Gäste-Fans verprügeln. Nun wurde die Polizei selbst zur Zielscheibe der Angreifer.

„Ich habe nicht geworfen und ich wollte auch nicht werfen“, versichert der Angeklagte. Den Stein, den habe ihm irgendjemand zugesteckt. Warum er ihn in der Hand behielt, könne er nicht erklären. Es sagt etwas von „Gruppendynamik“, „Reiz“ und „aus dem Affekt heraus“. Der Strafrichter sieht den Angeklagten an: „Auf mich wirken Sie sehr entspannt. Wissen Sie, dass auf Landfriedensbruch Freiheitsstrafe steht?“ Der Angeklagte nickt. „Wissen Sie auch, dass schon Vermummen nicht erlaubt ist?“ Er nickt erneut. Er nickt auch auf die Frage, ob er sich denn vorstellen könne, was es bedeutet, einen Menschen mit so einem Wurfgeschoss zu verletzen. Schließlich seien einige Polizisten wenn auch nicht verletzt, so doch getroffen worden.

„Natürlich war das keine schöne Sache“, sagt der Angeklagte. „Eine Scheiß-Aktion.“ Wie jetzt wieder gegen RB Leipzig, das gehe gar nicht, erinnert er an jüngste Ausschreitungen Ende April. „Ich gehe da nicht mehr hin“, fügt der gebürtige Demminer hinzu. Der Richter schaut skeptisch.

Der Verteidiger zählt auf, was für seinen Mandanten spricht: Realschulabschluss, fester Job und vor allem – er ist nicht vorbestraft. Eine Freiheitsstrafe fände der Anwalt zu hart. Würden doch in solchen Fällen meist Geldstrafen verhängt, wie er sagt.

Doch für Justiz und Polizei ist nun offenbar Schluss mit lustig. Der Richter in diesem Prozess spricht von „verheerenden Auswirkungen“ der fortwährenden Fanrandale für Hansa, für Rostock und darüber hinaus. Bei sieben Spielen des Drittligisten hat es allein in der laufenden Saison Vorkommnisse mit aggressiven Anhängern gegeben. Die Staatsanwaltschaft hat extra ein Sonderdezernat in der Hansestadt eingerichtet, um die Gewalttaten im und um das Stadion zügig aufzuklären.

Insgesamt haben die Ermittler bei den Ausschreitungen vom Oktober mehr als 100 Randalierer identifiziert und 21-mal Anklage erhoben. Vorerst, denn noch sind die Untersuchungen nicht abgeschlossen. Ein Prozess fand bereits statt. Ende April ist ein 23-Jähriger aus Gadebusch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Der Traditionsverein selbst, immer wieder vom Sportgericht mit empfindlichen Geldstrafen belangt, kündigte an, nun eng mit Staatsanwaltschaft und Polizei zusammenarbeiten zu wollen. Bislang seien 21 Stadionverbote ausgesprochen worden, sagte kürzlich ein Vorstandsmitglied.

Der 25-jährige Hansa-Anhänger, der gestern vor Gericht stand, hat keines. Auf sein Urteil braucht er nicht lange zu warten.

Nach knapp einstündiger Verhandlung verurteilt ihn der Richter zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten – auf Bewährung. Und zu einer Geldbuße von 900 Euro, ein Monatslohn für ihn.

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