zur Navigation springen

Fahndungserfolg in Schwerin : Handy führte zum Täter

vom
Aus der Onlineredaktion

Bei Funkzellenabfrage wertete Polizei 20 000 Daten aus. Mutmaßlicher Vergewaltiger in Untersuchungshaft.

von
erstellt am 25.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Sein eigenes Mobiltelefon brachte den mutmaßlichen Vergewaltiger eines elfjährigen Jungen ins Visier der Ermittler. Wie hunderte andere Schweriner bekam auch er Ende vergangenen Jahres Post von der Kriminalpolizei. Im Zusammenhang mit Ermittlungen zu einem Kindesmissbrauch am 15. Dezember 2015 in Schwerin sollten sich die Angeschriebenen bei der Polizei melden, so steht es im Brief.

Weiter wurde mitgeteilt, dass das Amtsgericht der Landeshauptstadt eine Abfrage von Funkzellendaten vom Tattag bei den Kommunikationsunternehmen genehmigt hat. In dem Schreiben, das auch der 41-jährige Schweriner bekam, heißt es wörtlich: „Die Auswertung der Daten hat ergeben, dass sich das von Ihnen angemeldete Handy mit der Rufnummer ... zur Tatzeit in einer Funkzelle des Tatortbereichs befand.“

Bei einer Funkzellenauswertung werden auch die Daten erfasst, die das Handy im Standby-Modus an die Funkzelle des Telefonanbieters sendet. Allein das eingeschaltete Mobiltelefon verrät schon den Standort. Durch die Funkzellenauswertung saß der Mann in der Falle.

Eine heiße Spur hatte die zehnköpfige Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin bis dahin nicht. Ein Phantombild, das unmittelbar nach der Tat für die Fahndung herausgegeben wurde, brachte so viele falsche Hinweise, das es wieder zurückgenommen werden musste.

Täter und Opfer kannten sich nicht, hatten sich vielleicht am 15. Dezember 2015 zum ersten Mal gesehen. Daher fanden sich kaum Ermittlungsansätze, berichteten Ermittler. Es gab zudem wenig verwertbare Zeugenaussagen. Staatsanwaltschaft und Polizei ließen dennoch nichts unversucht. Die Staatsanwaltschaft lobte eine Belohnung für Hinweise in Höhe von 3000 Euro aus. Eine Darstellung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ im August 2016 hatte mehr als 50 neue Hinweise erbracht. Der entscheidende war allerdings nicht dabei.

Nachdem der Mann den Brief von der Kriminalpolizei Ende vergangenen Jahres bekommen hatte, meldete er sich tatsächlich. „Er gab auch freiwillig mit einer Speichelprobe seinen genetischen Fingerabdruck“, sagte Claudia Lange, Sprecherin der Schweriner Staatsanwaltschaft. Ein Vergleich mit der DNA des Täters, die damals beim Opfer gefunden wurde, brachte den entscheidenden Treffer.

„Der Beschuldigte hat sich noch nicht zu der Tat geäußert“, berichtete Claudia Lange. Die Ermittler sind sich dennoch sicher, nach 13 Monaten den Richtigen zu haben. Das Schweriner Amtsgericht erließ gestern Haftbefehl.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) dankte für den Fahndungserfolg. Die Überführung des Verdächtigen dank einer DNA-Spur zeige die Wirksamkeit des Instrumentes, sagte er. Seit Bestehen der DNA-Analyse-Datei 1998 wurden Caffier zufolge in Mecklenburg-Vorpommern 2816 Treffer registriert. Im vergangenen Jahr seien es 240 Treffer gewesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert