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Top Azubi 2017 : Handwerkskunst statt Uni-Stress

vom
Aus der Onlineredaktion

Viktória Fábián lernt den Beruf der Zahntechnikerin und bewirbt sich heute um den Titel „Top-Azubi 2017“

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erstellt am 17.Okt.2017 | 12:00 Uhr

„Ich fahre jeden Tag gern zur Arbeit“, sagt Viktória Fábián. „Und abends fahre ich glücklich wieder nach Hause. Denn jeden Tag weiß ich, dass es Patienten gibt, die sich freuen, weil sie wieder lächeln können.“ Die 24-Jährige lässt sich im Labor der Crident-Zahntechnik GmbH in Crivitz zur Zahntechnikerin ausbilden. Ende September hat sie sich beim Wettbewerb „Top-Azubi 2017“ in Mecklenburg-Vorpommern beworben – und landete prompt unter den sechs Finalisten aus dem Bereich der Handwerkskammer Schwerin. Heute will sie im Finale der zwölf besten Auszubildenden des Berufswettbewerbs der Handwerkskammern des Landes die Jury überzeugen, dass sie der Top-Azubi Mecklenburg-Vorpommerns 2017 ist.

Kronen, Brücken, Spangen und Prothesen sind seit zwei Jahren Viktórias Metier. Mit viel Fingerspitzengefühl fertigt sie an, was Andere als Hilfe zum Zubeißen brauchen. Jeder Kiefer ist einzigartig und keine Zahnlücke gleicht der anderen. Mit Keramik, Kunststoff, Draht oder gar mit Gold versuchen Zahntechniker wie Viktória individuelle Lösungen für Probleme mit dem Kauwerkzeug zu finden. Zwar haben inzwischen auch in den Laboren der Zahntechniker computergesteuerte Fertigungsverfahren Einzug gehalten. Aber viele Arbeitsschritte bleiben Handwerk.

In der Regel arbeitet Viktória zwei Wochen im Labor in Crivitz, dann geht es wieder für eine Woche in die Berufsschule in Rostock. Dort lernt sie unter anderem die medizinischen Fachbegriffe und die medizinischen Zusammenhänge kennen. Ein kaputter Zahn oder eine falsch sitzende Prothese kann weitreichende Folgen für andere Körperteile haben. Dann schmerzt zum Beispiel das Kiefergelenk oder der Nacken verspannt. Von den dreieinhalb Ausbildungsjahren hat Viktória bereits zwei absolviert. Sie hofft, die Lehre um ein halbes Jahr verkürzen zu können.

Ihr leichter Akzent verrät, dass Viktória keine Mecklenburgerin ist. Sie stammt aus Budapest, wo sie ein zweisprachiges Gymnasium besucht hat. Erst vor drei Jahren kam sie nach Deutschland und absolvierte in Siggelkow bei Parchim ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst in einem Kindergarten. Eigentlich wollte sie danach an der Universität in Kiel ein Studium anfangen, um Deutsch- und Sportlehrerin zu werden. Bevor sie jedoch eine Studienplatz-Zusage erhielt, zündete ihr „Plan B“, den sie für den Fall einer Absage parat hatte. Sie hatte sich bei der Crident-Zahntechnik GmbH für eine Ausbildung zur Zahntechnikerin beworben. „Ich wollte eine Arbeit haben, bei der man die Ergebnisse sieht und mit der ich etwas für andere Menschen tue.“ Außerdem sollte es ein Beruf sein, in dem sie sich weiterentwickeln kann.

Crident-Inhaber Joachim Hebert, der derzeit 28 Mitarbeiter an drei Standorten beschäftigt, lud sie wenige Tage, nachdem er die Bewerbung erhalten hatte, zum Gespräch ein. Kurz darauf unterschrieben die beiden den Lehrvertrag. „Viktória hat eine sehr gute Auffassungsgabe, sie hat eigene Ideen und sie ist ehrgeizig“, sagt der Chef über seine Auszubildende. Er hat sie ermuntert, beim Wettbewerb „Top-Azubi 2017“ mitzumachen, denn sie bringe nicht nur das handwerkliche Geschick mit. „Sie brennt für ihren Beruf“, so Hebert, „er ist mehr als nur ein Job für sie.“

Viktória fühlt sich offenbar wohl in ihrem Ausbildungsbetrieb. Die Belegschaft ist überschaubar, fast familiär. „Ich bin dort super aufgenommen worden“, berichtet sie. Und die Wertschätzung, die sie dort bekomme, sei ihr durchaus wichtig. Über sich selbst sagt sie, sie sei fleißig, gewissenhaft und problembewusst. Auch nehme sie Kritik an, denn daraus könne sie etwas lernen. Keineswegs stellt die selbstbewusste junge Frau ihr Licht unter den Scheffel. Beim „Top-Azubi 2017“-Wettbewerb trat sie nicht an, um nur dabei gewesen zu sein.

Zwei oder dreimal pro Jahr fährt Viktória für eine Woche nach Hause zu ihren Eltern nach Budapest. Ansonsten fühlt sie sich offenbar pudelwohl in MV. Sie wohnt in Schwerin und ist Fan der Volleyball-Damen des SSC. Sie spielt selbst in der Regionalliga-Mannschaft des MSV Pampow Volleyball. Im Sommer finden ihre Freunde sie zudem häufiger am Strand in Schwerin-Zippendorf beim Beach-Volleyball.

Kontakt zu ihren „Kunden“ hat Viktória unterdessen selten. Einmal allerdings hat sie kurzfristig an einem Freitagnachmittag eine defekte Brücke reparieren müssen. „Danach kam der Patient und brachte mir Blumen.“
 

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