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Sattler Maik Kartaschewski : Handwerklich fest im Sattel

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Der Name lässt anderes vermuten: Sattel stehen beim Sattler nicht mehr im Mittelpunkt. Eher Polsterarbeiten, Neuanfertigungen und Reparaturen von Lederwaren sowie maßgeschneiderte Planen aller Art und Zelte.

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erstellt am 20.Mär.2012 | 10:24 Uhr

Redefin | Auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Sattel stehen beim Sattler längst nicht mehr im Mittelpunkt. Eher schon Polsterarbeiten, Neuanfertigungen und Reparaturen von Lederwaren sowie maßgeschneiderte Planen aller Art und Zelte.

Von 1983 bis 1985 habe er das Sattlerhandwerk gelernt, erzählt Maik Kartaschewski, während er mit einem pechschwarzen Faden Lederriemen an einem Sattel zusammennäht. Jedes einzelne Loch muss der 44-Jährige vorstechen. "Von der klassischen Sattlerei alleine kann man nicht mehr leben", bedauert der Sattlermeister. Längst ist seine Werkstatt zu einem Raumausstatterbetrieb geworden, der von Möbelpolsterungen über Sicht- und Sonnenschutz bis hin zu Reißverschlüssen alles anbietet. Allerdings ähneln viele Arbeitstechniken denen des Sattlers, so dass der gebürtige Kühlungsborner, der seit 1989 in Redefin lebt, ohne Mühe zu den Wurzeln seines Handwerks zurückkehren kann. Seine geschickten Hände sind heute vor allem für Reparaturen gefragt. "Ich habe aber auch schon viele Sattel und Zaumzeuge restauriert", erzählt Kartaschewski, der den Umgang mit Nadel, Faden und Leder anderthalb Jahre lang gelernt hat.

Sattler-Handwerk gehört zu aussterbenden Berufen

Ein weiterer Vorteil handgemachter Halfter und Sattel sei ihre Haltbarkeit: "Die Nähte sind viel stabiler", weiß der Wahl-Redefiner. Außerdem werde das Leder an manchen Stellen zweifach oder dreifach übereinander genäht. Dem entsprechend knifflig ist das Nähen: Damit die Lederstreifen beim Durchstechen nicht verrutschen, werden sie mit kleinen Nägeln festgesteckt. Zusätzlich sind sie im so genannten Nähkloben oder im Nähross wie in einer Schraubzwinge eingeklemmt.

Seit es Menschen gibt, stellen sie Werkzeuge und Gegenstände des täglichen Bedarfs mit ihren Händen her. Diese Handwerker haben durch die Jahrhunderte ihr Wissen verfeinert und an die nächste Generation weitergegeben. Dass das Sattler-Handwerk mittlerweile zu den aussterbenden Berufen zählt, macht Maik Kartaschewski schon ein wenig traurig. "Mein Großvater hat auch schon als Sattler gearbeitet. Ich wollte etwas machen, wo man anständiges Geld verdient, im Trockenen sitzt und die Arbeit gebracht bekommt. Zu DDR-Zeiten war dieser Beruf wie die Lizenz zum Gelddrucken. Heute ist der Markt mächtig ausgedünnt. Billig-Importe überschwemmen das Land. Die Kunden sehen nicht die Handarbeit, sondern nur den Preis." Und gerade beim Ausbessern steht erst einmal das Kaputtmachen an erster Stelle. "Die Nähte müssen geöffnet werden. Denn hinterher soll es ja so aussehen, als sei nie etwas gewesen."

Passender Sattel ist die Grundlage für gutes Reiten

Damit ein Sattel beispielsweise auch richtig sitzt, fährt Maik Kartaschewski auch in die Ställe, zum Anpassen an das Pferd. "Ein passender Sattel ist die Grundlage für gutes Reiten. Dabei muss der Sattel nicht nur zum Pferd sondern auch zum Reiter passen. Passt der Sattel nicht zum Pferd, entstehen Druckstellen, Verspannungen in der Muskulatur und Rückenprobleme." Passe der Sattel nicht zum Reiter, könne dieser nicht richtig sitzen. "So blockiert der Reiter die Bewegungen des Pferdes im Rücken und kann keine korrekten Hilfen geben", erklärt der Sattlermeister, der in der Feldstraße 23 seine Werkstatt betreibt.


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