Landesweite Umfrage : Handwerk braucht dringend junge Chefs

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Mehr als ein Fünftel der Handwerksbetriebe in MV braucht in den kommenden zehn Jahren aus Altersgründen einen neuen Chef. Rund 20 000 Unternehmen im Handwerk erwirtschaften derzeit über acht Milliarden Euro Umsatz.

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05. November 2010, 07:36 Uhr

Parchim | Mehr als ein Fünftel der Handwerksbetriebe in MV braucht in den kommenden zehn Jahren aus Altersgründen einen neuen Chef. Das hat eine landesweite Umfrage ergeben. Derzeit zählen rund 20 000 Unternehmen mit etwa 93 000 Mitarbeitern und 9000 Auszubildenden zum Handwerk. Sie erwirtschaften über acht Milliarden Euro Umsatz.

Noch akuter erscheint die Chef-Nachfolge im Landkreis Parchim. Hier sind gegenwärtig 1469 Firmen in der Handwerksrolle oder im Verzeichnis handwerksähn licher Betriebe eingetragen. Mehr als die Hälfte der Inhaber ist nach Angaben der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg-Süd älter als 50 Jahre, ein Drittel älter als 55 und beinahe ein Fünftel sogar jenseits der 60.

Unproblematisch vollzieht sich die Übergabe meist, wenn sie längerfristig geplant innerhalb der Familie erfolgt, wie

etwa bei der Tischlerei Gerds in Parchim. Gut ein Jahrzehnt gemeinsam mit dem Vater und seit etwa einem Jahr allein führt Thomas Gerds (38) das Unternehmen - nunmehr in vierter Generation. Andere Handwerksmeister würden die Geschicke ihrer Firma gern in die Hände eines geeigneten, willigen Mitarbeiters legen. Doch die komplizierte Ermittlung des Kaufpreises, geringes Eigenkapital des potenziellen Nachfolgers oder bürokratische Hindernisse machen mitunter einen Strich durch die Rechnung. Die Suche außerhalb des Betriebes verspricht in der Regel noch weniger

Erfolg. Nach Erfahrung der Handwerkskammer ist allerdings die Neigung, sich durch Übernahme - oder Neugründung - selbstständig zu machen, in Zeiten guter Beschäftigungsmöglichkeiten geringer ausgeprägt als bei hoher Arbeits losigkeit.

Der demografische Faktor spitzt die Situation weiter zu. Mit 44,2 Jahren hatte MV bereits 2007 das höchste Durchschnittsalter aller Bundesländer. Und Prog nosen zufolge werden 2020 von den nur noch 1,566 Millionen Menschen im Land gut 45 Prozent älter als 55 Jahre sein. Das bedeutet fürs Handwerk, dass die Zahl derer, die ihr Unternehmen aus Altersgründen abgeben wollen, weiter steigt, die der potenziellen Nachfolger aber zugleich sinkt.

Eine Meisterprämie, Ende August als Bestandteil des so genannten Handwerkerpaketes von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel verkündet, soll Handwerks- und Industriemeistern den Weg in die Selbstständigkeit schmackhaft machen. Die Einmalzahlung von 7500 Euro kann beantragen, wer erstmalig eine

bestehende Firma übernimmt und sich damit eine Vollexistenz aufbaut. Sie soll schon im Vorfeld ein Anreiz für qualifizierte Facharbeiter sein, die anspruchsvolle Meisterausbildung mit dem Ziel einer späteren Betriebsübernahme zu

absolvieren. Die Handwerkskammer bietet kostenfreie

Beratung an. Gut die Hälfte der Firmeninhaber nutzt diese für ihre Betriebsnachfolge, von den Existenzgründern sogar 70 Prozent. Zudem steht eine landesweite Koordinierungsstelle für die Unternehmensnachfolge zur Verfügung.

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