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Europa-Wahl 2014 : Handwerk braucht Auslands-Azubis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Handwerkskammern kritisieren Bundesregierung nach Stopp von EU-Programm / Andrang größer als erwartet

Angesichts des Fachkräftemangels in MV hat das Handwerk gestern die Bundesregierung scharf kritisiert. Nachdem das Arbeitsministerium Anfang April das Sonderprogramm „MobiPro-EU“ abrupt gestoppt hat, weil die Nachfrage nicht mehr gedeckt werden konnte, fürchten die Handwerker um Nachwuchs aus dem Ausland. Im Handwerk in MV sind derzeit aber 600 Lehrstellen nicht besetzt. „Betroffen sind alle Branchen, alle Regionen“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Hans-Peter Siegmeier, gestern in Schwerin. Er forderte von der Politik „verlässliche Entscheidungen“. Die Handwerksbetriebe würden gerne ausländische Jugendliche ausbilden, denn die Zahl einheimischer Schulabgänger habe sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert.

Im Nordosten begann das Programm mit wenigen Dutzend Südeuropäern, die hier eine Lehrstelle bekamen, gerade zu greifen. Im Lebensmittelhandwerk, Gastbewerbe, in Sicherheitsfirmen sowie im Bauhandwerk wurden Jugendliche aus dem Ausland zur Ausbildung eingestellt. Nach Informationen unserer Zeitung mussten sogar erste Wirte ihre Azubis wieder nach Hause schicken.

MobiPro fördert seit Januar 2013 Sprachkurse, Praktika und leistet Unterstützung zum Lebensunterhalt. Bis Ende März beantragten 6300 Ausbildungsbewerber und 2600 Fachkräfte Fördermittel für Deutschkurse und den Umzug nach Deutschland – deutlich mehr als erwartet und im Etat vorgesehen. Die für 2014 im MobiPro-EU-Programm bereitgestellten 48 Millionen Euro waren Anfang April ausgeschöpft.

Der Andrang aus anderen EU-Ländern ist für den Präsidenten der Handwerkskammer Schwerin, Peter Günther, bestes Beispiel für die internationale Anerkennung der deutschen Ausbildung im dualen System von Unternehmen und Berufsschule. Er mahnte mit Blick auf die Europawahl, in Deutschland an der dualen Ausbildung und am Meisterbrief festzuhalten.

Günther sagte, manche Politiker meinten, dieses System würde Handwerkern aus anderen Ländern den Marktzutritt in Deutschland verwehren. „Der Meister ist ein Garant für Qualität“, sagte er. Die duale Ausbildung garantierte, dass es in 150 Gewerken Fachleute gebe. Die EU dürfe nicht dazu führen, dass in Deutschland Standards nach unten nivelliert würden, nur weil die Nachbarn andere Auffassungen hätten.

 

 

 

 

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erstellt am 23.Apr.2014 | 08:00 Uhr

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