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Heiligendamm : Halloren-Aktionär kauft Grand Hotel

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Als Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum gestern im Grand Hotel Heiligendamm vor die Presse tritt, wirkt er entspannt wie lange nicht mehr. Zuvor hatte er der Belegschaft den neuen Investor Paul Morzynski vorgestellt.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 06:51 Uhr

Heiligendamm | Als Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum gestern im Grand Hotel Heiligendamm vor die Presse tritt, wirkt er entspannt wie lange nicht mehr. Zuvor hatte er der Belegschaft den neuen Investor, den hannoverschen Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski, vorgestellt. Die Mitarbeiter müssen sehr positiv auf ihren neuen Chef reagiert haben. "Es war sicherlich heute die befreiendste und offenste Versammlung, die wir hatten", sagt Zumbaum.

Dabei dürfte das Gefühl, von einer seit der Insolvenz Anfang 2012 dauernden Last befreit zu sein, nur ein Teil der Wahrheit sein. Denn die Sorgen um die Zukunft des Luxushotels an der Ostseeküste werden durch juristische Probleme ersetzt. Der Streit mit der Berliner Investorengruppe, deren Kaufvertrag nach Ablauf der Zahlungsfrist in der Nacht zum Dienstag aufgelöst wurde, dürfte ihn noch lange Zeit beschäftigen.

Zumbaum sieht sich wegen der abgelaufenen Frist und eines notariellen Vertrags, der laut Staatsanwaltschaft mit einer falschen Finanzierungsbestätigung unterlegt ist, im Recht. Doch die Berliner scheinen nicht zum Einlenken bereit. Der Notar sage, dass die Vertragsauflösung nicht rechtens war, betont Sprecher Ernst Bär. "Ich will jetzt nur noch Gerechtigkeit und werde dazu alles unternehmen."

Die Auseinandersetzung dürfte Morzynski nicht egal sein, sind Schlagzeilen aus Gerichtssälen nicht die besten zur Gästewerbung. Aber der Vertrag zwischen ihm und Zumbaum scheint so gestaltet, dass Konsequenzen im Falle eines juristischen Sieges der Berliner nicht sein Problem sind. Zumbaum sagt dazu: "Das aber ist dann mein Bier."

So kann Morzynski Pläne schmieden. Er wolle in saisonverlängernde Maßnahmen oder einen Wellnessbereich investieren. Erfahrungen mit Sanierungsfällen hat er. Nach dem Mauerfall rettete er die DDR-Firma Halloren in Halle an der Saale, berühmt für ihre Schokokugeln, vor der Liquidation und machte sie zu einer profitablen Firma.

Der heutige Hotelmanager Tim Hansen sieht nun das Hotel und seine 240 Mitarbeiter im Aufbruch. Zeitnah würden Renovierungen beginnen, kündigt er an. Das ist dringend nötig: In den vergangenen Jahren wurde wenig in den Erhalt des Ensembles investiert.

Morzynski löste gleich ein Dauerproblem. Die Frage, ob ein Weg vom Bahnhof zum Strand durch das Hotelgelände gelegt wird, ist beantwortet. "Der Stichweg ist Teil des Vertrags", sagt er, zur Freude von Bad Doberans parteilosem Bürgermeister Thorsten Semrau, der damit eine Sorge weniger hat. "Es wird Zeit, dass konstruktive Ruhe einkehrt", betont auch der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Bernd Fischer.

Das Grand Hotel ist das Flaggschiff der Branche in MV und Morzynski machte deutlich, dass er es weiter an der Spitze im Land sehen will. "Es ist erstaunlich, wie ein so rationaler Typ, der nur mit Zahlen und Bilanzen umgeht, sein Ansinnen mit so viel Emotionen rüberbringt", wundert sich Fischer.

Unklar ist die Rolle von Arno August Jagdfeld, der mit der Investorengruppe Fundus 1996 einen Großteil der zu Heiligendamm gehörenden Immobilien erwarb: Die meisten waren in schlechtem Zustand. Seither wurden rund 220 Millionen Euro investiert. Das Grand Hotel nahm 2003 den Betrieb auf, kam aber wegen geringer Gästezahlen nie auf einen grünen Zweig. Rund 1900 Anleger hatten in den geschlossenen Immobilienfonds "Fundus 34" 127 Millionen Euro eingebracht, 2011 erfolgte ein Kapitalschnitt von 90 Prozent. Das Geld sei nun definitiv verloren, sagte Jagdfeld im März. Mit seinen Immobilien hätte Jagdfeld die Möglichkeit, Morzynskis Tatendrang zu bremsen. Morzynski und Jagdfelds Sprecher reichten sich am Donnerstag verbal die Hände, um sich gegenseitige Unterstützung zuzusagen. Nach Ansicht von Beobachtern hätte es Heiligendamm verdient, dass es nach Jahren der Stagnation weitergeht.

Ohne den Hotelbetrieb wäre das teilweise denkmalgeschützte Ensemble kaum überlebensfähig. Die Zahl der künftigen Gäste ist dabei entscheidend.

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