Neues Mutter-Kind-Zentrum : Hallo Baby: Familien-Station eröffnet

Rundum Wohlfühlen: Die werdende Mutter Jaqueline Schmoll schaute sich mit Frauenklinik-Chefarzt Dr. Stephan Henschen das neue Mutter-Kind-Zentrum in den Helios-Kliniken an. Auch Nadine Koch und ihre Tochter Nele waren begeistert. Foto: Rainer Cordes
Rundum Wohlfühlen: Die werdende Mutter Jaqueline Schmoll schaute sich mit Frauenklinik-Chefarzt Dr. Stephan Henschen das neue Mutter-Kind-Zentrum in den Helios-Kliniken an. Auch Nadine Koch und ihre Tochter Nele waren begeistert. Foto: Rainer Cordes

Willkommen Wonneproppen! Bis es soweit ist müssen sich Schwangere in den Helios-Kliniken nicht mehr wie in einem Krankenhaus fühlen. Eltern sollen sie sich in den letzten Momenten vor der Geburt entspannen.

svz.de von
08. Juni 2012, 08:18 Uhr

Lewenberg | Willkommen Wonneproppen! Bis es soweit ist müssen sich Wöchnerinnen und Schwangere in den Helios-Kliniken nicht mehr wie in einem Krankenhaus fühlen. Weil die Geburt für viele Eltern schon aufregend genug ist, sollen sie sich in den letzten Momenten vor der Geburt entspannen und richtig wohlfühlen. Das neue Mutter-Kind-Zentrum im Haus 6 der Helios-Kliniken macht es möglich. Kostenpunkt: 3,25 Millionen Euro aus Fördermitteln des Landes.

Mit einem Schritt durch die Glastür in der Ebene 1 verlassen werdende Mütter und Väter die klinische Krankenhausatmosphäre und betreten einen familiär wirkenden Bereich. Statt Desinfektionsmittel- hängt noch Renovierungsgeruch nach Farbe und neuen Baustoffen in den Fluren. Gemütliche Sessel laden zum darin Versinken ein, Lounge-Möbel verbreiten modernes Ambiente und eine Büfettbar bestimmt das Zentrum der Station.

In den links und rechts von den Fluren abgehenden Räumen stehen ein bis drei Betten - insgesamt 29 Schlafgelegenheiten. Die Zimmer wirken großzügig und anheimelnd. In drei Familienzimmern steht auch den werdenden Vätern jeweils ein Bett zur Verfügung. Das neue Mutter-Kind-Zentrum in den Helios-Kliniken müsse eigentlich Eltern-Kind-Zentrum heißen, wie Klinik-Geschäftsführer Franzel Simon bei der gestrigen Einweihung anmerkte. "Die Bedeutung der Geburt hat sich in den vergangenen Jahren geändert", sagt Dr. Stephan Henschen, Chefarzt der Frauenklinik. So rücke die Familie als Ganzes mehr in den Mittelpunkt. Nicht nur die Mutter-Kind-Bindung auch die Nähe zum Vater werde wichtiger.

Natürlich gibt es auch weiterhin Kreiß- und Operationssaal in direkter Nähe des neues Zentrums. Sie befinden sich im Gegensatz zu früher sogar auf einer Ebene und garantieren sehr kurze Wege. Auch das Personal aller Bereiche rückt enger zusammen, soll rotieren und so den werdenden Eltern die Aufregung nehmen und mehr Sicherheit vermitteln. Auf lange Sicht ist das neue Zentrum auch ein weiterer Schritt in Richtung eines "Baby Friendly Hospital" (BFH) nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diesen Titel strebt Henschen an. BFH-zertifizierte Kliniken sind verpflichtet, zu jedem Mutter-Kind-Paar eine Statistik zu führen. Das soll einen klinikspezifischen Überblick geben und einen übergreifenden Vergleich erlauben.

Auch wenn dieser in Schwerin bislang noch nicht möglich ist, machte Henschen in seinen 17 Jahren in der Geburtshilfe dennoch eine für ihn alarmierende Beobachtung. "Deutschlandweit haben die Kaiserschnitte zugenommen", sagt er. Mitte der 90er-Jahre lag deren Anteil noch bei etwa 13 Prozent, mittlerweile kommt fast jedes dritte Kind durch einen Kaiserschnitt zur Welt. "Und der Trend der so genannten Defensivmedizin verstärkt sich", so Henschen weiter. Ein Kaiserschnitt sei grundsätzlich nicht schädlich, aber auch nicht ungefährlich. Durch einen Schnitt auf die Welt geholte Kinder haben eine größere Anfälligkeit für Diabetes. Und für die Mutter bestehe spätestens nach dem dritten Kaiserschnitt die Gefahr, dass die Gebärmutter reiße. Doch neben diesem für ihn bedenklichen Trend, sieht es der Chefarzt gern, dass die Bindung zu Mutter und Vater an Bedeutung gewinnt. In den Helios-Kliniken helfen Schwestern, Hebammen und Ärzte im Jahr mehr als tausend Kindern auf die Welt. Im vergangenen Jahr waren es 1087 Neugeborene. 364 von ihnen wurden mit Hilfe von Kaiserschnitten oder einer Saugglocke auf die Welt geholt. "Wir hoffen, dass wir weiterhin so vielen Kindern ins Leben helfen", sagt Henschen. "Wir können Frauen nur animieren, schwanger zu werden und ihnen mit unserer Station Mut machen." Das sei dringend notwendig, denn in den kommenden 15 Jahren sollen sich die Geburtenzahlen halbieren. "Eine gruselige Vorstellung", sagt der Chefarzt der Frauenklinik.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen