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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 07:37 Uhr

Überblick : Halbzeit für die Zehnerjahre

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was dieses Jahrzehnt in den ersten fünf Jahren gesellschaftlich vom vorherigen unterscheidet / Ein Überblick

Gefühlt haben die sogenannten Zehnerjahre für viele gerade erst begonnen, doch die Dekade ist schon wieder halb vorüber. Nach den ersten fünf Jahren (2010, ’11, ’12, ’13, 14): eine gesellschaftliche Halbjahrzehntbilanz. Zehnmal Zehnerjahre.

TAG DES JAHRZEHNTS

Wenn der 11. September 2001 mit den Terroranschlägen in den USA der prägende Tag der Nullerjahre ist, dann ist es in den Zehnerjahren wohl bislang der 11. März 2011, als in Japan ein gewaltiges Erdbeben einen Tsunami auslöst, Tausende in den Tod reißt und es schließlich im Atomkraftwerk Fukushima zu einer Katastrophe kommt. In der Folge beschließt Deutschland einen schnelleren Atomausstieg.

GELD

Für viele ist das prägende Ereignis der Nullerjahre die Finanzkrise rund um die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008. In den Folgejahren prägt die Euro-Schuldenkrise die Politik in der EU. Die Zehnerjahre starten als ein Jahrzehnt der großen Verunsicherung in Gelddingen.

PHÄNOMEN KOPF UNTEN

Wir sind alle Screenager, vom Handy-Hals ist die Rede, von der iVolution, dem Tablet-Rücken, der Generation Kopf unten. Täglich wird stundenlang aufs Smartphone gestarrt. Selfies sind ein Massenphänomen. Gute Entwicklung vielleicht: Dank besserer Internetverbindungen sind in Zügen oder Bussen seltener nervige Telefonate zu hören als noch in den Nullern. Tele(fonier)phobie macht sich breit. Es wird mehr getippt statt gequatscht – selbst dann, wenn kurz anrufen und reden schneller wäre.

NEUER BEGRIFF VON FREUNDSCHAFT

Mit dem Massenphänomen Facebook hat sich ein neuer Begriff von Freundschaft entwickelt. Nutzer des sozialen Netzwerks sind dort mit sogenannten Freunden, aber eben auch Selbstvermarktern und Angebern konfrontiert. Mit einem Klick kann man sich aber auch rasch „entfrienden“ (entfreunden). Fast jeder stimmt wohl zu, dass die Mehrheit der Facebook-„Freunde“ keine echten Freunde für schlechte Zeiten sind, sondern schlicht Online-Publikum.

SZENE-PHÄNOMENE BART, BURGER, BERLIN

Die drei B der Zehnerjahre sind – glaubt man Szene-Experten – der Vollbart, der Rinderklops und Deutschlands Hauptstadt. Die Feuilletons befassen sich mit dem Typus Hipster und der großen Lust vieler Großstadtmänner, mit einem Bart besonders unweiblich zu erscheinen. Der Burger und Bio-Fleisch sind Kultobjekte in Trendlokalen und privaten Küchen. Auch der Hype um Berlin als „cool capital of Europe“ mit dem Vorzeigeclub Berghain wird immer heftiger – trotz des Hauptstadt-Flughafendebakels.

TRENDS VEGETARISMUS UND VEGANISMUS

Wie der Burger-Boom zum gleichzeitigen Trend der fleischlosen Ernährung passt, bleibt ein Geheimnis der widersprüchlichen Zehnerjahre. Logisch: Es sind andere Leute als die Fleisch-Fans, die sich Gedanken machen und Autoren wie Karen Duve („Anständig essen: Ein Selbstversuch“), Jonathan Safran Foer („Tiere essen“) oder Attila Hildmann („Vegan For Fun“) und dem Starkoch Yotam Ottolenghi („Genussvoll vegetarisch“) nacheifern.

SOMMERMÄRCHEN

Als „Sommermärchen“ ging die Fußball-WM 2006 in Deutschland in die Geschichte ein, dokumentiert auch in einem Film dieses Namens von Sönke Wortmann. Doch damals reichte es für die deutsche Nationalmannschaft „nur“ für den dritten Platz, hinter Italien und Frankreich. Umso größer ist 2014 die Euphorie, als das Märchen zwei Weltmeisterschaften später zum Happy End geführt wird: Deutschland wird in Brasilien (den Gastgeber kickt die Elf mit einem sensationellen 7:1 aus dem Turnier) im Endspiel gegen Argentinien Weltmeister. Die Reihe der deutschen WM-Siege lautet nun also ’54, ’74, ’90, ’14.

KINO

Während die Nullerjahre beispielsweise von den „Harry Potter“-Filmen geprägt wurden und Deutschland mit „Das Leben der Anderen“ einen Oscar holte, stehen die Zehnerjahre etwa für den Erfolg der  Reihe „Die Tribute von Panem“. Gleich zwei Oscars gewinnt der gebürtige Wiener Christoph Waltz, auch der Österreicher Michael Haneke („Liebe“) holt einen Oscar. Erfolgreich sind ebenso Sozial- und Klischeekomödien wie „Ziemlich beste Freunde“, „Monsieur Claude und seine Töchter“ oder „Fack ju Göhte“.

POP

An Popsängerinnen lassen sich Epochen ablesen. Madonna? 80er! Mariah Carey? 90er! Nicht zu vergessen Kylie Minogue oder Céline Dion. Die Nullerjahre waren die Ära der früh gestorbenen Amy Winehouse. In diesem Jahrzehnt feiern Sängerinnen wie etwa Lena (2010), Adele (2011), Lana del Rey (2012), Miley Cyrus (2013) oder Taylor Swift und Helene Fischer (2014) große Erfolge. Für Beyoncé und Lady Gaga geht es auch in den Zehnerjahren erfolgreich weiter.

FERNSEHEN

Die Nullerjahre waren das Jahrzehnt von „Big Brother“, Doku- und Castingshows. Während sich in den Zehnerjahren die Quoten von Castingshows auf Normalmaß einpendeln, läuft Event-TV wie das „Dschungelcamp“ nach wie vor bestens. Als Sieger des laufenden Jahrzehnts gilt auch ein alter Bekannter: der „Tatort“, der in ungeahnte Quotenhöhen steigt. Daneben boomen US-Serien, die als das neue Erzählmedium schlechthin gelten. Streaming-Dienste wie Netflix werden wichtiger. Liveshows ziehen dagegen kaum noch. Das ZDF stellt den Klassiker „Wetten, dass..?“ ein.  

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