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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 03:14 Uhr

Greifswald : Halbnackt vor der Uni

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erotikkalender soll klammer Hochschule helfen

Mit Aktfotos vor dem Hintergrund baufälliger Universitätsgebäude wollen Greifswalder Studenten die Aufmerksamkeit auf die Finanzmisere ihrer Hochschule lenken. Sie begannen gestern mit der Produktion eines Erotikkalenders, den das Studentenparlament im Oktober auf den Markt bringen will. Den Verkaufserlös wollen die Studenten der Uni überweisen.

Nackt bis auf die Shorts steht Marc Benedict vor einer Wand, von der der Putz großflächig abfällt. Das Gebäude gehört zur juristischen Fakultät und beherbergt Büros von Professoren. Aber es sieht aus, als sei es schon fast reif für den Abriss. Marc ist Finanzreferent des Allgemeinen Studentenausschusses und eines von zwölf männlichen und zwölf weiblichen Models. „Nacktheit bringt Interesse!“, sagt Anna Lou Beckmann vom Allgemeinen Studentenausschuss. Sie muss immer wieder die Frage beantworten: Warum Erotik, wenn es doch eigentlich um die Finanzsituation der Hochschule geht? „Mit Aufrufen zu Demonstrationen und Bildungsstreiks haben wir in den letzten Jahren kaum noch Studierende erreichen können. Aber jetzt reden alle über den Erotikkalender und das Defizit im Haushalt der Universität.“ 2014 fehlten der Uni 23 Millionen Euro. Daher drohe der Abbau von mehr als 70 Stellen im Lehrkörper. Und notwendige Reparaturen an Gebäuden könnten nicht stattfinden.

Eigentlich sei der Kalender eine Wahlkampfidee der Satirepartei Die Partei bei der Wahl zum Studentenparlament gewesen, sagt Beckmann. Aber nach einer kontroversen Debatte habe sich das Parlament die Idee zu eigen gemacht. Der Kalender werde doppelseitig bedruckt, so dass man sich wahlweise die künstlerischen Schwarz-Weiß-Bilder von Studentinnen und Studenten an die Wand hängen kann. Genügend baufällige Universitätsgebäude  gibt es allemal. Seit Jahren ist das Historische Institut baupolizeilich gesperrt. Seit Juni 2014 dürfen wegen Einsturzgefahr auch die historischen Gewächshäuser des botanischen Gartens nicht mehr betreten werden.

 

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