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Gärreste von Biogasanlagen als Grundlage : Hagenower entwickeln Bio-Pellets

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Hagenower Kraftwerksbetreiber lassen einen günstigen biogenen Brennstoff von der Universität Freiberg entwickeln, der einen Beitrag zur Energiewende in der Region leisten und Arbeitsplätze schaffen soll.

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erstellt am 02.Aug.2012 | 07:37 Uhr

Hagenow | Hagenower Kraftwerksbetreiber planen Innovatives: Sie lassen einen günstigen biogenen Brennstoff von der Universität Freiberg entwickeln, der schon ab Mitte nächsten Jahres einen Beitrag zur Energiewende in der Region leisten und Arbeitsplätze schaffen soll. Grundlage ihrer neuen Biomasse-Pellets werden Gärreste von Biogasanlagen sein, von denen es in Deutschland mittlerweile Tausende gibt. Und deren Abfälle "entwickeln sich langsam zum Problem", begründet Ute Uffmann, Geschäftsführerin von Biotherm Services, das Vorhaben, in das sie mehr als fünf Millionen Euro investieren möchte. "Felder werden überdüngt und mit Phosphor belastet." Über kurz oder lang könnte deshalb das Ausbringen auf die Böden bald auch in Mecklenburg-Vorpommern verboten werden, schätzt die Geschäftsfrau. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen etwa sei das bereits der Fall.

Zusammen mit ihrem Mann Dieter lenkt sie an mehreren Standorten die Geschicke ihres umweltorientierten Unternehmens: in Hagenow als Hauptsitz, in Demmin, Salzgitter und künftig auch in Neubrandenburg. 2010 hat das Ehepaar das Biomasse-Heizkraftwerk in Hagenow gekauft, das 1997 als erstes in Mecklenburg-Vorpommern in Betrieb genommen wurde. Grundlage ist Altholz, das in Kraft-Wärme-Kopplung klimafreundlich Strom und Prozessdampf produziert. Mit der gewonnenen elektrischen Leistung von fünf Megawatt kann das Werk 9000 Haushalte versorgen, mit dem Prozessdampf zwei Industriekunden - Trolli und das Mecklenburger Kartoffelveredelungswerk MKV.

Bald sollen auf dem Gelände des ehemaligen Braunkohle-Heizwerkes biogene Pellets auf rein pflanzlicher Basis produziert werden. Der Heizwert sei dann ähnlich wie bei Holzpellets, erklärt Dieter Uffmann, der vorher beim Energieversorger RWE gearbeitet hat. Schon beim Kauf des Werkes vor zwei Jahren steht die innovative Idee: "Warum nicht die gewonnene Wärme des Kraftwerkes für die eigenen Zwecke nutzen", so die Uffmanns. 60 000 Tonnen Gärreste pro Standort sollen damit jedes Jahr in 40 000 Tonnen Biomasse-Pellets verwandelt werden - ein kompliziertes Verfahren mit Band trockner und Pelletieranlage. Dafür müssen in Hagenow und Demmin die bestehenden Kraftwerke modifiziert werden, um in Verbindung mit den neuen Maschinen optimale Wärme-Leistung zu bringen. In Hagenow soll sich das auf 15 000 weiteren Quadratmetern hinterm Werk abspielen. In Demmin sind die Verträge für einen Grundstückskauf so gut wie unterschrieben. Der Bandtrockner sei an beiden Standorten gekapselt, erklärt Dieter Uffmann. Lärm sei also nicht zu befürchten. Und auch kein Geruch, versprechen die Geschäftsführer. Denn die Pellets sind rein pflanzlich.

Für deren Lagerung werden große Hallen gebaut. Wenn möglich, schon in diesem Jahr. Die Vorplanung ist abgeschlossen, das Genehmigungsverfahren beginnt. Vorgespräche mit den Städten und dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) gab es bereits. Mit dem Wirtschaftsminister Harry Glawe steht ein Termin am 22. August. "Die Idee kommt an", sagt Ute Uffmann, die überzeugt ist vom Erfolg ihres Konzeptes, von dem auch die Biogasanlagen-Betreiber profitieren sollen. Mehrere aus Mecklenburg-Vorpommern und den Nachbarländern haben bereits ihre Mitarbeit zugesichert. Skeptisch ist dagegen der Kreisbauernverband Ludwigslust. "Man müsste über den Umfang reden", sagt Geschäftsführer Harald Elgeti auf Nachfrage. Landwirte bräuchten die Gärreste, um ihre Felder zu Düngen. Den Böden müssten organische Substanzen zugefügt werden, um ertragsreich zu sein.

Die Uffmanns wollen deshalb auch mit den Landwirten nochmal in Kontakt treten und Skeptiker von den Vorteilen ihres Konzepts überzeugen. Dann als Geschäftsführer der eigens gegründeten Firma Thermopell, für die sie in Hagenow und Demmin elf Mitarbeiter suchen. Möglichst bald schon einen Projektingenieur, später einen Vertriebsleiter, Anlagen-Mechatroniker und kaufmännische Angestellte. Vorerst. "Wir wollen richtig was schaffen", sagt Dieter Uffmann mit Blick in die Zukunft. "Und wer weiß, was noch kommt. Wir haben viele Ideen."

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