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Video: Urteil in Rostock : Haftstrafe für Marias Peiniger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Frau mehrere Tage lang eingesperrt und misshandelt

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Sie hatte sich zu einem Date mit einem neuen Bekannten verabredet. Doch dann verschwand eine junge Rostockerin Anfang Januar auf mysteriöse Weise für fünf Tage. Als sie schwerverletzt wieder auftauchte, konnte sie sich kaum erinnern, was mit ihr geschehen war. Die Polizei fasste dennoch ihren Peiniger, der sie in seiner Wohnung eingesperrt hatte. Das Amtsgericht Rostock verurteilte den 31-Jährigen wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

„Ich finde, das ist einfach zu wenig“, sagte die enttäuschte 22-jährige Frau zu dem Schuldspruch. Auch der Amtsrichter machte klar, dass es ein mildes Urteil war, vor allem weil der Angeklagte geständig war. Hätte die Staatsanwaltschaft die Tat bei der nächsthöheren Instanz angeklagt, hätte diese auch eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags prüfen müssen. Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe gefordert. Das aber wäre, so der Amtsrichter, der Öffentlichkeit „überhaupt nicht zu vermitteln gewesen“.

Die Rostockerin hatte den gelernten Kaufmann kurz vor Weihnachten kennengelernt. Am 2. Januar trafen sie sich in der Rostocker Innenstadt, spazierten umher und tranken etwas. Er lud sie in seine Wohnung ein. Als sie Pizza aßen und sich einen Film ansahen, schlug er ihr wie aus dem Nichts mit der Faust ins Gesicht. Sie verlor das Bewusstsein. Er könne sich diesen Schlag bis heute nicht erklären, behauptete der Angeklagte. Es müsse bei ihm einen „Knacks“ gegeben haben, vielleicht habe eine Bemerkung der jungen Frau ihn ausgelöst. Für die Geschlagene ist es wie ein weiterer Schlag in die Magengrube, weiter so im Ungewissen gelassen zu werden.

Der Angeklagte legte sie ins kalte Badewasser, um sie aus der Bewusstlosigkeit zu holen. Als sie aufwachte, schrie sie. Er drückte ihren Kopf unter Wasser und fesselte ihre Hände mit Kabelbindern. Mehrmals schlug er ihr ins verletzte Gesicht. Der erste Schlag hatte ihr die linke Augenhöhle zertrümmert.

Möglicherweise merkte er, dass die Lage auch für ihn immer auswegloser wurde. Er half ihr mit Kühlbeuteln gegen die Schwellungen und mit Schmerztabletten. Am fünften Tag gab er ihr 20 Euro für ein Taxi und ließ sie gehen.

Er bereue, was er getan habe, entschuldige sich bei der 22-Jährigen und sei bereit, 3000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen, so der Angeklagte vor Gericht. Die Geschädigte hat das fatale Treffen bis heute nicht verarbeitet. Sie möge nicht allein auf die Straße gehen, habe Albträume und sei allen Leuten gegenüber misstrauisch, beschrieb sie ihren seelischen Zustand.

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