Drogenprozess gegen Rockerboss : Haftstrafe für Ex-Anführer der "Schwarzen Schar"

Philip S. wurde wegen Drogenhandels verurteilt.
Philip S. wurde wegen Drogenhandels verurteilt.

Die Rockergruppe „Schwarze Schar“ aus Wismar ist seit Januar verboten. Nun distanziert sich ihr ehemaliger Anführer vor Gericht von seiner Vergangenheit. Ins Gefängnis muss er trotzdem - wegen Drogengeschäften.

svz.de von
17. Dezember 2014, 16:33 Uhr

Der ehemalige Anführer des verbotenen Rockerclubs „Schwarze Schar MC Wismar“ ist am Mittwoch wegen Drogenhandels zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Schwerin kam nach zweitägiger Verhandlung zu der Überzeugung, dass der 36-Jährige den Aufbau einer Cannabiszucht-Anlage bei Wismar finanziert hat und am Gewinn beteiligt war. Den Vorwurf des bandenmäßigen Drogenhandels, der mit deutlich höheren Strafen geahndet wird, ließ das Gericht fallen. Der Angeklagte sitzt seit Juli in Untersuchungshaft. Er bestritt im Prozess eine aktive Beteiligung an den Drogengeschäften und hat nach eigenen Angaben mit der Rockerszene gebrochen. Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe gefordert, der Staatsanwalt auf drei Jahre und vier Monate Gefängnis plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nach Überzeugung des Gerichts hat der gebürtige Lübecker einem mutmaßlichen Mittäter Anfang vorigen Jahres 30 000 Euro für den Kauf eines abgelegenen Hauses und den Aufbau einer Zuchtanlage im dortigen Obergeschoss zur Verfügung gestellt. Monate später jedoch sei es zu einem Zerwürfnis zwischen beiden Männern gekommen. Danach sei der 36-Jährige mit rund 20 000 Euro ausbezahlt worden und habe sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Zuvor - und zwar im Oktober 2013 - hatte es laut Gericht mindestens eine Ernte von zwölf Kilogramm Marihuana gegeben, aus der für den Angeklagten 24 000 Euro Gewinn abfielen.

Das Gericht stützte sich bei der Urteilsfindung vor allem auf Zeugenaussagen und auf Gespräche zwischen Tatverdächtigen, die Ermittler abhörten und aufzeichneten. Der Vorwurf des bandenmäßigen Drogenhandels wurde nach Angaben des Vorsitzenden Richters in der Verhandlung nicht zweifelfrei nachgewiesen. Der 36-Jährige stand zur Tatzeit unter Bewährung. Jetzt muss er damit rechnen, dass zu der neuen Haftstrafe noch eine frühere Strafe des Landgerichts Berlin von einem Jahr und zwei Monaten dazu kommt.

Der Prozess habe gezeigt, dass die „Schwarze Schar“ und deren Anführer eng mit dem Drogenmilieu verbunden waren. „Die Kammer weiß, dass sie hier nur die absolute Spitze des Eisbergs erwischt hat“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Angaben des Angeklagten zur Tat wertete das Gericht als Teilgeständnis. Reinen Tisch habe er nicht gemacht, sagte der Richter. Der Ex-Club-Chef hatte am ersten Tag seines Prozesses jegliche Beteiligung am Drogenhandel abgestritten. In einer von ihm selbst verlesenen Erklärung räumte er allerdings das Darlehen über 30 000 Euro für den Hauskauf ein. Er habe zudem gewusst, dass dort eine professionelle Cannabiszucht betrieben werden sollte.

Zu Prozessende distanzierte sich der 36-Jährige, der eigenen Angaben zufolge vor Jahren wegen seiner damaligen Freundin aus Lübeck nach Mecklenburg gezogen war, von seinem kriminellen Vorleben. Er habe zwanzig Jahre lang einen falschen Weg eingeschlagen und bereue seine Taten. Das Verbot der „Schwarzen Schar“ sehe er als Chance für einen Neubeginn.

Bereits seit September verhandelt die Strafkammer in gleicher Sache gegen vier ehemalige Club-Mitglieder, von denen zwei mit Drogen im Auto erwischt worden waren. Zu den Angeklagten gehört auch der mutmaßliche Betreiber der Cannabisaufzucht-Anlage. Die Urteile sollen Ende Dezember gesprochen werden. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte den „Schwarze Schar MC Wismar“ und dessen Teilorganisation „Schwarze Jäger MC Wismar“ im Januar 2014 verboten. Den beiden Vereinigungen wurde vorgeworfen, in diverse Fälle von Gewaltkriminalität verwickelt gewesen zu sein.

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