Urteil : Haft für falsche Weihnachtsmänner

Der Angeklagte Rene P. (r)  im Landgericht Schwerin  auf der Anklagebank
Der Angeklagte Rene P. (r) im Landgericht Schwerin auf der Anklagebank

Landgericht Schwerin verurteilt zwei Männer wegen erpresserischen Menschenraubes zu elf und zehn Jahren Gefängnis.

svz.de von
18. März 2014, 22:00 Uhr

Sie waren Kumpels. „Best buddies“, wie Richter Otmar Fandel gestern sagte. Im Knast schmiedeten sie einst gemeinsam Zukunftspläne. Die handelten von spektakulären Überfällen und großer Beute. Die Überfälle führten sie aus, Beute machten sie kaum und Freunde sind sie nicht mehr. Gestern verurteilte das Landgericht Schwerin die beiden Männer zu langjährigen Haftstrafen. Denny P., 26 Jahre alt, zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und René P., 30 Jahre alt, zu zehn Jahren und zwei Monaten Haft.

Sie waren die falschen Weihnachtsmänner, die zwei Tage vor Heiligabend 2009 eine Familie in Schwerin- Friedrichsthal in ihre Gewalt brachten. Gehüllt in Weihnachtsmannkostüme, das Gesicht verdeckt mit Sturmmasken und bewaffnet mit Schreckschusspistolen – so hatten sie zunächst die Frau in deren Haus überwältigt, geschlagen und gefesselt. Als der elfjährige Sohn aus dem Kino zurückkehrte, geriet auch er in ihre Fänge. Wie dann der Familienvater, der einen Baumarkt leitet. Auf den Tresor in der Filiale haben es die Täter eigentlich abgesehen. Mit abenteuerlichen Vorstellungen von großer Beute, von der Denny P. offenbar träumte, seit er dort Praktikant war. Doch dann ging alles schief. Am Ende hatten sie kaum mehr als 1000 Euro vom Privatkonto der Familie erbeutet, den Inhalt der Spardose des Jungen eingerechnet. Und in das Leben der Familie auf brutale Weise eingegriffen. Die drei konnten sich lange Zeit nicht mehr sicher fühlen in den eigenen vier Wänden und haben bis heute mit den psychischen Folgen des Überfalls zu kämpfen. Auch das haben die Richter bei der Strafe berücksichtigt.

Erpresserischer Menschenraub, schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung – es war gleich eine Vielzahl von Verbrechen, derer sie sich an jenem Tag schuldig machten. Das Ehepaar verfolgt die Urteilsverkündung ganz still in der hinteren Reihe des voll besetzten Gerichtssaals. „Die Familie will, dass es endlich vorbei ist“, erklärte ihre Anwältin, Christine Habetha. Das ist es nun tatsächlich – zumindest, was die juristische Aufarbeitung betrifft. René P. und auch Denny P., der seine Tatbeteiligung bis zuletzt bestritt, nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an. Auch der Staatsanwalt akzeptierte die Entscheidung. Der Richterspruch ist rechtskräftig.

René P.’s einstige Lebensgefährtin und Mutter seines Kindes atmete gestern auf. Sie war wegen Beihilfe angeklagt und wurde freigesprochen, weil die Beweise nicht ausreichten.

Die beiden Männer hören der fast zweistündigen Urteilsbegründung mit äußerlicher Gelassenheit zu. Denny P. – wie an allen Prozesstagen – mit Anzug, Krawatte und dunkler Sonnenbrille. Cool wie einst Don Vito Corleone im Mafia-Streifen „Der Pate“. Doch so abgebrüht, wie er sich gibt, ist er wohl nicht. Er haut gern auf den Putz, hatte sinngemäß ein psychiatrischer Gutachter festgestellt. Verfüge auch über eine „verfestigte rechtsradikale Grundhaltung“ , aber er sei nach verbüßter Haft nicht mehr gefährlich. Diese Einschätzung bewahrt Denny P. vor Sicherungsverwahrung. Zu der ist René P. bereits verurteilt. Das heißt, er kommt vermutlich auch nach Ablauf der regulären Strafe nicht frei. In die hat das Gericht – genau wie bei Denny P. – auch die Verurteilung für einen Banküberfall einbezogen, den beide 2010 in Leezen begingen. Danach wurden sie gefasst, belasteten sich gegenseitig und waren fortan keine Freunde mehr.

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