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Dichten für den Klimaschutz : Hätte ich kein Schnitzel gegessen…

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Energieministerium Mecklenburg-Vorpommerns ruft zum zweiten Mal zu ungewöhnlichen Wettbewerb auf.

svz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Dichten für den Klimaschutz – das klingt, mit Verlaub, ziemlich gewöhnungsbedürftig. Ist es aber offenkundig nicht, das Energieministerium jedenfalls ruft schon zum zweiten Mal seinen jährlichen Klimaschutzwettbewerb als Dichterwettstreit – oder neudeutsch Poetry Slam – aus.

Im vergangenen Jahr, als das Ministerium erstmals Klimaschutz und Klimawandel auf diese ungewöhnliche Weise beleuchten ließ, war es in der Tat noch ein Wagnis, bei dem die Beteiligung nicht absehbar war. Letztlich gab es 23 Bewerbungen, von denen es acht bis ins Finale schafften. Die Bandbreite der Beiträge reichte von der Reflexion des eigenen Verhaltens über den Appell zum Handeln bis hin zur Kritik an der kurzsichtigen Umweltpolitik. Mal poetisch, mal zornig, oft aber auch mit einem Augenzwinkern griffen die überwiegend jungen Leute das ernste Thema auf.

Von Max Golenz, einem der Preisträger des vergangenen Jahres, stammen zum Beispiel diese Zeilen:

„Hätte ich neulich kein Schnitzel gegessen, dann wäre das in Bützow alles nicht passiert. Und hättest du vor etlichen Jahren kein Schnitzel gegessen, dann wäre Katrina einfach nur ein schöner Frauenname. Und würden wir morgen einfach alle mal kein blödes Schnitzel essen, wir müssten in 50 Jahren nicht einen anderen Planeten suchen, auf dem es vielleicht gar keine Schnitzel gibt – außer, es ist ein Schnitzelplanet…“

Auch Diego Hagen, ein weiterer Preisträger aus dem Jahr 2015, bezieht sich in seinen Zeilen auf den Tornado in Bützow – auch wenn er sein Werk „Zauberer von Oz“ genannt hat:

„Klimaschutz – gibt’s da nicht was von Ratiopharm? Oder ne App? Ach, papperlapepp. Das ist doch alles Unsinn. Den Klimawandel gibt’s vielleicht irgendwo auf der Welt, ja, aber doch nicht hier bei uns.

Wir sind Märchenfiguren aus dem Zauberer von Oz. Vogelscheuchen ohne Verstand, herzlose Blechköpfe und feige Löwen. Vorsicht, Dorothy, Tornadowarnung in Kansas. Was, Tornadowarnung in Bützow? So ein Quatsch…“

„Wir wollen nicht belehren. Wir wollen vielmehr zum Nachdenken anregen“, begründet Energieminister Christian Pegel (SPD) die Entscheidung für das ungewöhnliche Format. Zur Bewältigung der globalen Herausforderung des Klimawandels sei lokales Handeln notwendig. „Mit dem Wettbewerb wollen wir daher möglichst viele Menschen erreichen. Das eigene Handeln – gerade auch im Kleinen – kann helfen, Großes zu bewegen“, so Pegel.

In diesem Jahr ist der Wettbewerb unter dem Motto „KraftWorte – Poesie für Klimaschutz“ sogar auf zwei Kategorien ausgeweitet worden: Gesprochenes Wort und Gesang. Für den Vorentscheid in Greifswald am 27. Mai können noch bis morgen Bewerbungen eingereicht werden, für den zweiten Vorentscheid am 17. Juni in Wismar endet die Bewerbungsfrist am 6. Juni. Das Finale findet dann am 9. Juli auf dem Mecklenburg-Vorpommern-Tag in Güstrow statt. Jeder Bewerber kann sich mit einem im Vortrag maximal deutschsprachigen Text zu einem oder auch zu beiden Vorausscheiden im Energieministerium anmelden (ausschließlich per Mail unter
klimaslam@em.mv-regierung.de). Dort rechnet man in diesem Jahr offenbar mit einer noch größeren Beteiligung als im letzten: Für die ersten 60 Teilnehmer wird in der Ausschreibung eine Fahrtkostenübernahme zum Vorentscheid in Höhe von bis zu maximal 50 Euro in Aussicht gestellt.

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