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Ein Monat vor Lehrbeginn : Hälfte aller Stellen noch frei

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Trotz vieler Aktionen wie kürzlich der Tag der Ausbildungschance. Firmen warten mit 5700 - von über 10 000 gemeldeten - Plätzen weiterhin auf geeignete Bewerber, so die Zahlen der Arbeitsagentur Nord.

Schwerin/Neubrandenburg | Mehr als die Hälfte aller Lehrstellen im Land ist ein Monat vor Ausbildungsbeginn immer noch nicht besetzt. Trotz vieler Aktionen wie kürzlich der Tag der Ausbildungschance. Firmen warten mit 5700 - von über 10 000 gemeldeten - Plätzen weiterhin auf geeignete Bewerber, so die Zahlen der Arbeitsagentur Nord. Das sind 11,4 Prozent mehr, als im Vorjahr.

Ganz oben auf der Warteliste: Koch und Köchin mit 470 freien Stellen. Dicht gefolgt von Restaurantfachkraft mit 389 und Kaufmann/-frau im Einzelhandel mit 360 Ausbildungsplätzen. Das Hotelfachgewerbe sucht noch 337 Lehrlinge, Unternehmen im Bereich Verkauf 247.

Selbst in beliebten Berufen wie Kfz-Mechatroniker bei den Männern und Medizinische Fachangestellte bei den Frauen sei noch Bedarf, sagt Horst Schmitt, Sprecher der Arbeitsagentur Nord.

Hauptgrund dieser Misere sei die demographische Entwicklung, die "unerbitterlich" zuschlage. 9600 Schüler schließen in diesem Jahr die Schule ab , 3590 suchen noch einen Platz - weniger als der Stellenmarkt bräuchte. 2008 seien es noch 20 800 Absolventen gewesen. Hinzu käme, dass Bewerber mitunter Schwächen in schulischen Leistungen und sozialen Kompetenzen mitbringen. "Davon sollten sich die Betriebe aber nicht abschrecken lassen", sagt Schmitt. Die Arbeitsagentur übernehme die Nachhilfe während der Lehre und unterstützt auf sozialpädagogischer Ebene, so dass jedem Jugendlichen eine Chance gegeben werden könnte.

Der Markt sei weiter in Bewegung bis Ende des Jahres, betont der Agentursprecher. Und auch die Kammern im Land versuchen nach wie vor, potenzielle Auszubildende und Unternehmer zusammen zu bringen. Ellen Grull von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg rät allen Jugendlichen, die noch keinen Vertrag in der Tasche haben, "mit den Ausbildungsberatern in Kontakt zu bleiben. Es gibt immer noch Chancen."

Dass aber auch die Betriebe um die Gunst geeigneter junger Arbeitskräfte buhlen müssen, haben viele Chefs bereits erkannt. Und das nicht nur durch mehr Lohn. "Gerade die Hoteliers und Gastronomen sind sehr aktiv", sagt Ellen Grull. "Sie gehen in die Schulen, halten Vorträge und werben für Schülerpraktika und Ferienarbeit." Dabei schaue man auch zunehmend über den Tellerrand hinaus. "So gelingt es uns mittlerweile durchaus, Auszubildende aus anderen Bundesländern oder Polen für uns zu gewinnen."

Besonders das Handwerk muss neben dem demographischen Wandel auch gegen sein eher schlechtes Image kämpfen. "Viele wollen lieber bequeme Berufe mit bester Bezahlung", stellt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin, Edgar Hummelsheim, fest. Das Handwerk aber verbinde auch Tradition und Moderne und biete mit dem Meister und der Selbstständigkeit gute Karrierechancen im Heimatland.

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erstellt am 29.Jun.2011 | 06:44 Uhr

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