Teterow : Hähnchenfabrik gestoppt

Gegen Mastanlagen gibt es häufig Proteste.
Gegen Mastanlagen gibt es häufig Proteste.

Gericht hebt Genehmigung für neue Mastanlage bei Teterow auf.

svz.de von
21. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Das Verwaltungsgericht Schwerin hat den Bau einer Hähnchenmastanlage für 200 000 Tiere in Wattmannshagen (Landkreis Rostock) gestoppt. Die Richter gaben einer Klage der Umweltorganisation BUND gegen das Vorhaben statt und hoben einer Mitteilung vom Donnerstag zufolge die schon erteilte Baugenehmigung auf (Az.: 7 A 92/16). Gegen das Urteil kann am Oberverwaltungsgericht Greifswald Berufung eingelegt werden, sagte ein Gerichtssprecher.

Im Ergebnis der mündlichen Verhandlung sei festgestellt worden, dass die Genehmigung gegen die Betreiberpflicht verstoße, „Anlagen so zu errichten und zu betreiben, dass schädliche Umwelteinwirkungen in Form von unzumutbaren Geruchsbelastungen ausgeschlossen sind“, hieß es zur Begründung. Die der Genehmigung durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg zugrunde gelegte Geruchsimmissionsprognose habe zwar nicht alle Emissionsquellen hinreichend berücksichtigt, nach Ansicht der Richter aber belegt, dass Anwohner nicht hinnehmbaren Geruchsbelästigungen ausgesetzt sein würden. Gutachten zufolge könne zudem nicht ausgeschlossen werden, dass das Naturschutzgebiet „Nebeltal“ durch den Betrieb der großen Mastanlage beeinträchtigt wird.

Um den Bau des Megastalls in der Nähe von Wohnhäusern und einem Altenpflegeheim wird seit 2011 gestritten. In dem Dorf bei Teterow sollten pro Jahr 1,5 Millionen Broiler gemästet werden. 2013 hatte ein gerichtliches Eilverfahren den Baubeginn verhindert. Nach einer nachgeholten Umweltverträglichkeitsprüfung war der Bau genehmigt worden. Der BUND aber reichte erneut Klage ein.„Der Fall der Broilermastanlage Wattmannshagen zeigt, dass Grenzen der Belastung erreicht werden und ernsthafte Schäden nicht mehr ausgeschlossen werden können“, sagte BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. Die Entscheidung des Gerichtes sei deshalb eine gute Nachricht für den Schutz der unverzichtbaren Naturgüter Luft, Boden und Artenvielfalt.

Laut Cwielag hat der BUND gemeinsam mit Bürgerinitiativen und dem Tierschutzbund gegen fünf Planungen von Massentierhaltungsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern Rechtsmittel eingelegt. Die Mastanlage Wattmannshagen sei eine von mehr als 40 industriellen Tierhaltungsanlagen, die im Nordosten errichtet werden sollten. Rund 400 „Intensiv-Geflügelanlagen“ gebe es bereits mit bis zu 900 000 Tieren in einer Anlage.

Laut BUND standen in der Gerichtsverhandlung in Schwerin erhebliche Konflikte mit dem Tierschutz ebenfalls zur Debatte. Bei der genehmigten Besatzdichte von 39 Kilogramm je Quadratmeter werde die Ausübung spezifischer Grundbedürfnisse der Masthühner erheblich eingeschränkt, hieß es.

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