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In Bützower JVA erlernen Insassen Löschtechnik : Häftlinge werden Feuerwehrmänner

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Die JVA Bützow ist die erste Haftanstalt Deutschlands, die über ein eigenes Löschfahrzeug verfügt. Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) übergab das Löschgruppenfahrzeug (Baujahr 1968) der Einrichtung am Sonnabend.

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erstellt am 27.Nov.2011 | 05:22 Uhr

Bützow | Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bützow ist die erste Haftanstalt Deutschlands, die über ein eigenes Löschfahrzeug verfügt. Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) übergab das Löschgruppenfahrzeug - ein Mercedes-Benz L 408, Baujahr 1968 - der Einrichtung am Sonnabend. Die Haftanstalt und ihr Freundeskreis hatten das Fahrzeug aus dem Bestand der Freiwilligen Feuerwehr Bützow erworben. Gleichzeitig bildete sich eine Gruppe von acht Gefangenen, die unter der Leitung der Vollzugsbeamten Ralf Ackerhans und Roger Triebs, selbst Mitglieder von freiwilligen Feuerwehren, die Grundkenntnisse der Löschtechnik erwerben und eine truppmannsnahe Ausbildung absolvieren werden. "Es ist ein Freizeitangebot der JVA. Im Ernstfall kommt die Gruppe aber nicht zum Einsatz, sondern es werden Feuerwehren von außen alarmiert", stellt Ackerhans, Vollzugs-Abteilungsleiterassistent und stellvertretender Wehrführer der FFw Moisall, klar.

Kuder würdigte das Projekt der JVA, das einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung der Gefangenen leiste. "Die Insassen lernen, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und Weisungen zu befolgen. Vielleicht bleibt der eine oder andere dabei und engagiert sich nach seiner Haftzeit ehrenamtlich in einer Feuerwehr", sagte die Ministerin. Bützows Feuerwehrchef Holger Gadinger räumt ein, dass man von der Idee der JVA im ersten Moment überrascht gewesen sei. "Wie soll das umgesetzt werden, haben wir uns gefragt", erinnert er sich. Aber bald habe sich die Wehr mit dem Projekt angefreundet und überlegt, wie man Unterstützung leisten könne. "Wir haben ein voll einsatzbereites Fahrzeug, das bisher von unserer Jugendwehr genutzt wurde, zur Verfügung gestellt", sagt Gadinger. Der Transporter verfüge über Schläuche, Strahlrohre, eine Tragkraftspritze und über eine Vorbaupumpe. "Nur die Leitern haben wir aus verständlichen Gründen abmontiert", erklärt der Wehrleiter schmunzelnd.

In der JVA, die über eine Kapazität von 533 Plätzen verfügt und derzeit mit knapp 500 Häftlingen belegt ist, habe man das Vorhaben in einer Informationsveranstaltung vorgestellt, erläutert JVA-Sprecher Jens Kötz. 30 bis 40 Insassen hätten Interesse bekundet, von denen sich schließlich sieben, acht für die Feuerwehrgruppe gemeldet hätten. "Wir haben alle genau überprüft, ein Brandstifter ist nicht dabei", bestätigt Kötz.

Die Gefangenen verfolgten die Übergabe des Fahrzeugs in ihren neuen Feuerwehrmonturen. "Ich habe mich gemeldet, um Abwechslung in die Freizeit zu bringen. Sonst hockt man nur auf der Bude und sieht fern", sagt Holger Z. (Name geändert), der für einen schweren Raubüberfall zu 15 Jahren verurteilt wurde. Die sitzt der 42-Jährige eigentlich in der JVA Waldeck ab, absolviert in Bützow aber gerade eine Ausbildung zum Bäcker. Bevor er mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, habe er zehn Jahre im Ehrenamt beim DRK gearbeitet, erzählt er.

Sein Nachbar Christian L. (25, Name geändert), zu sechseinhalb Jahren wegen versuchten Mordes verurteilt und um seinen Schulabschluss nachzuholen ebenfalls von Waldeck nach Bützow verlegt, gehörte bereits einer freiwilligen Feuerwehr an. "In der Gruppe möchte ich mich fit halten und nach meiner Zeit hier wieder in einer Wehr mitmachen", sagt er.

Gespannt sind alle, was sie in der Ausbildung erwarten wird. "Und ehrlich, ich freue mich darauf", sagt Holger Z., auch wenn er weiß, dass er auf Jahre hinaus nie mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz fahren wird.

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