Die größten Benimm-Irrtümer : Gutes Benehmen ist Glückssache

Jens Büttner
Jens Büttner

Darf man pusten, wenn die Suppe zu heiß ist? Spricht man die Arztgattin mit „Frau Dr.“ an? Die größten Benimm-Irrtümer

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12. November 2015, 12:00 Uhr

Gutes Benehmen ist heute ja sowas von überholt. Ein Eindruck, der schnell entstehen kann, wenn erlaubt ist, was gefällt. Zwar hat sich in der Tat im Laufe der Zeit so einiges geändert in der Art und Weise, wie wir tagtäglich miteinander umgehen, und vieles ist lockerer geworden. Das bedeutet ja aber noch lange nicht, dass gute Manieren heute überholt wären. Ganz im Gegenteil hat die Kultiviertheit gerade in Zeiten der Globalisierung im Austausch mit Menschen anderer Länder ihren ganz besonderen Stellenwert.

Gute Manieren sind keinesfalls ein purer Luxus, auf den man auch gut verzichten kann. Sie erleichtern vielmehr unser tägliches Miteinander – zumindest dann, wenn man es nicht übertreibt. Sobald das Ganze zu bloßer Affektiertheit oder erstarrten Ritualen verkommt, hat es ja auch wieder keinen Sinn. Wo da genau die Grenzen liegen, wird natürlich von Kultur zu Kultur und auch von Mensch zu Mensch anders bewertet.

Wenn die Suppe zu heiß ist, wird gepustet?

In einem guten Restaurant wartet so manches Stil-Fettnäpfchen. Wenn die Speisen oder Getränke zu heiß sind, wird halt gepustet oder zumindest doch ordentlich mit dem Löffel umgerührt. Das hilft zwar, gehört sich aber nicht. Auf Speisen und Getränke wird nicht gepustet und auch nicht wie wild umgerührt, schon gar nicht geräuschvoll. Was aber tun, wenn das Gericht zu heiß serviert wird und man es so nicht essen kann, ohne sich die Zunge zu verbrennen? Warten heißt das Zauberwort, einfach nur warten. Ach ja: Schlürfen hilft zwar auch, ist aber natürlich ebenfalls keine gute Idee. 

Wenn es kalt ist, lässt man die Handschuhe bei der Begrüßung an?

Wem zur Begrüßung die Hand gereicht wird, der darf die Handschuhe ruhig anlassen, sofern es draußen kalt genug ist? Nein, natürlich nicht. Die persönliche Begrüßung per Handschlag drückt eine Wertschätzung aus, ansonsten könnte man auch einfach im Vorbeigehen locker den Arm zum „Hallo!“ heben. Zu dieser Wertschätzung gehört aber auch, sich die Handschuhe auszuziehen, sei es auch noch so bitter kalt. Die einzige Ausnahme sind die festlichen langen Abendhandschuhe der Damen auf einem Ball. 

Wenn jemand niest, wünsche ich ihm „Gesundheit!“?

Die meisten Stilratgeber raten heute davon ab, „Gesundheit!“ zu wünschen, sobald jemand in unserer näheren Umgebung niest. Bei einem Vortrag oder beruflichen Meeting verbietet es sich ohnehin, denn jede Unterbrechung stört hier nur. Ursprünglich stammt der Brauch wohl noch aus Zeiten, in denen die Lungenpest gewütet hat, vermuten manche Historiker. „Gesundheit!“ wünschte man sich demnach dann auch lieber selber („Gott schenke mir Gesundheit!“) und zur Vorsicht bekreuzigte man sich auch noch dazu, sicher ist sicher. Dem Niesenden galt der Gesundheitswunsch also in keinem Falle, denn der war in Pestzeiten ja ohnehin dem Tode geweiht. Derjenige, der niesen muss, entschuldigt sich anschließend oft dafür mit „Ich entschuldige mich!“ Aber auch das ist so nicht richtig, wie der nächste Punkt zeigt. 

Zur Entschuldigung sagt man „Ich entschuldige mich!“?

Ob man nun versehentlich ein Getränk verschüttet hat oder auch nur plötzlich niesen musste: Wem im Beisein anderer Menschen etwas Unangenehmes widerfährt, sagt gerne mal „Ich entschuldige mich!“ Das ist zwar gut gemeint, aber falsch. Entschuldigen kann man sich nämlich nicht selber. Das können nur andere für einen tun. Richtig muss es also heißen: „Ich bitte um Entschuldigung!“ oder auch „Verzeihen Sie bitte!“

Wie redet man die Frau eines Arztes richtig an? Frau Prof. Dr. Adelung?

Wie redet man  die Ehefrau eines Arztes  richtig an? Natürlich mit „Frau Doktor“. Natürlich nicht, denn sie hat ja gar keinen akademischen Grad, sondern ihr Mann. Ebenso verhält es sich übrigens auch mit der „Frau Hauptmann“, die man ebenfalls nicht so nennt, sofern sie sich diesen Offiziersgrad nicht selbst beim Militär erarbeitet hat. Sollte sie allerdings die Offizierslaufbahn eingeschlagen und den entsprechenden Dienstgrad erworben haben, sagt man nicht etwa „Frau Hauptfrau“, sondern „Frau Hauptmann“, denn die Dienstgrade werden für die weiblichen Soldaten in der Bundeswehr nicht umbenannt. Und wie sieht es aus, wenn jemand mehrere akademische Titel trägt? Diese werden jedenfalls nicht alle schön der Reihe nach aufgezählt, so nach dem Motto: „Herr Professor Doktor Doktor Adelung“. Ganz im Gegenteil wird jeweils nur der höchste akademische Grad genannt. Richtig ist in diesem Fall also: „Herr Professor Adelung“. Übrigens: In einer schriftlichen Anrede werden die akademischen Grade schon rein aus Höflichkeitsgründen nicht etwa abgekürzt, sondern immer ausgeschrieben. Der „Herr Professor Adelung“ wird also nicht etwa zum „Herrn Prof. Adelung“ oder gar zum „H. Prof. Adelung“.

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