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Mecklenburg-Vorpommern

18. Oktober 2017 | 02:26 Uhr

Gute Geschäfte am Glühweinstand

vom

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erstellt am 07.Dez.2012 | 06:55 Uhr

Schwerin | Es ist ein Millionengeschäft: Bratwurst, Glühwein, Süßigkeiten, Mützen, Karusselbetrieb, Kunsthandwerk, Tombola - die Angebote der mehr als 100 Weihnachtsmärkte in MV lassen die Kassen klingeln. Knapp zwei Wochen nach Öffnung der ersten Märkte stellt sich Zufriedenheit ein. "Stabile Besucherzahlen", heißt es bei der Weihnachtsmarkt GmbH in Schwerin. Bisher habe es "keine Umsatzeinbußen" gegeben, erklärte Marktchef Arno Teegen. Die Weihnachtsmärkte in MV erwarten in diesem Jahr rund 2,5 Millionen Besucher.

Die müssen in diesem Jahr etwas dickere Portmonees mitbringen - vor allem in Schwerin und Rostock: Einige Händler haben die Preise angehoben, ergab ein Marktvergleich. So kostet in Schwerin aber auch in Rostock eine Bratwurst inzwischen drei Euro - vor einem Jahr waren es 2,50 Euro. Zum Vergleich: Der Einkaufspreis liegt Branchenangaben zufolge bei 50 bis 90 Cent. Auch für Schokoladenbananen und Champion-Pfannen muss mehr ausgegeben werden. An den meisten Verkaufsständen halten sich die Händler mit Preiserhöhungen aber zurück: "Die Leute haben zu wenig Geld, da kann man die Preise nicht teurer machen", erklärt Sebastian Wickfelder, Grillstandbetreiber aus Wittenberge. Kons tant die Preise für Glühwein: Im Schnitt 2,50 Euro.

Deutliche Preisunterschiede gibt es hingegen am Kinderkarussell: Während Schausteller Wolfgang Harndt aus Parchim seit mehr als zehn Jahren für eine Fahrt unverändert 1,50 Euro berechnet - auch in Neubrandenburg kostet die Fahrt höchstens zwei Euro - werden in Schwerin und Rostock zwischen drei und bis zu fünf Euro fällig. Da würden teilweise "horrende Preise verlangt", kritisiert Uta Nehls von der Verbraucherzentrale MV. Auf den Märkten werde häufig die vorweihnachtliche Stimmung der Verbraucher ausgenutzt, um höhere Preise durchzudrücken. Vor allem auf den großen Märkten des Landes: So werden der Umfrage zufolge in Schwerin und Rostock die landesweit höchsten Preise verlangt. Verbraucher sollten ihre Marktmacht ausüben und bei überhöhten Preisen vom Kauf Abstand nehmen, rät Verbraucherschützerin Nehls. Die Besucher hätten die Auswahl, verteidigt Schwerins Marktchef Teegen das Preisniveau. Die Händler stünden im Wettbewerb zu anderen Standbetreibern müssten selbst auf Veränderung reagieren.

Händler machen indes den Kostendruck für steigende Preise verantwortlich: So seien die Schweinefleischpreise gestiegen, auch die Löhne für die Beschäftigten, erklärt Hans-Christian Ockens, Landes innungsmeister des Fleischerhandwerks. Auch die Kosten von Därmen und Gewürzen hätten sich "extrem" erhöht, sagt Martina Schreiner vom Deutschen Fleischerverband. "Die Pfefferpreise sind explodiert." Da seien höhere Verkaufspreise gerechtfertigt, meint Ockens.

Das Geschäft lohnt: Schätzungsweise etwa zehn Millionen Euro werden auf den Weihnachtsmärkten in MV umgesetzt - bundesweit drei und fünf Milliarden Euro. Klarer Vorteil am Glühweinstand: Der macht Schätzungen zufolge bis zu 50 000 Euro Umsatz in der Saison. Das Riesengeschäft sei auf den Märkten dennoch nicht zu machen, weiß Timo Beig vom Einzelhandelsverband MV. Viele Standbetreiber gingen ein hohes Risiko ein.

Nach Glühwein und Bratwurst sorgen die Verbraucher indes auch im Einzelhandel für zusätzliche Geschäfte. "Weihnachtsmärkte wirken wie ein Magnet und ziehen Leute in die Stadt", meint Handelschef Beig. Das Festgeschäft laufe dort gut, wo gleichzeitig ein Weihnachtsmarkt für Abwechslung sorge. Der Einzelhandel in MV macht 19 Prozent seines Jahresumsatzes von sieben Milliarden Euro in den beiden letzten acht Monaten vor dem Fest. Zudem ließen Tagesbesucher ihr Geld auch bei Hoteliers und Gastronomen, sagt Martina Müller, Chefin der Stadtmarketinggesellschaft in Schwerin. Weihnachtsmärkte seien nicht nur Kommerz. Sie seien ein "Aushängeschild für die Städte", erklärt Beig. Märchenbuden, Krippenausstellung, weihnachtliche Beleuchtung: Alles koste Geld und müsse von den Marktorganisatoren erwirtschaft werden, so Marketingchefin Müller: "Wer das weihnachtliche Ambiente haben will, muss dafür auch aufkommen."

Weihnachtsstimmung bei Kunden und Standbetreibern, Frust am Verkaufstresen: Bei den Verkäufern will oft keine Vorfreude aufs Fest aufkommen. Bundesweit finden etwa 190 000 Menschen auf den Weihnachtsmärkten Beschäftigung, schätzt der Verband der Deutschen Schausteller und Marktkaufleute. Berichten zufolge sind Arbeitszeiten von mehr als zehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, bei Kälte und Schnee keine Seltenheit. Häufig würden Angestellte mit Dumpinglöhnen bezahlt, meint Conny Töpfer von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Fünf Euro und darunter - das ist sittenwidrig ohne Ende." Das haben auch Fahnder des Hauptzollamtes festgestellt. Verdachtsunabhängige Kontrollen hätten ergeben, dass auf Weihnachtsmärkten sowohl Schwarzarbeiter eingesetzt würden, in anderen Fällen nur Dumpinglöhne gezahlt würden, sagte ein Sprecher. Es sei nicht unüblich, dass Leistungsempfänger ohne Wissen der Arbeitsverwaltung am Verkaufsstand stehen.

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