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Bauern in MV fahren Gerste in Rekordzeit ein : Gute Ernte, aber Lebensmittel teurer

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Volle Getreidebunker auf dem Erntefeld: Trotz etlicher Schäden nach dem langen Winter zu Jahresbeginn können die Bauern in MV in diesem Jahr mit einer guten Ernte rechnen. Die Bauern brauchen gute Erträge dringend.

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erstellt am 24.Jul.2013 | 07:43 Uhr

Schwerin | Volle Getreidebunker auf dem Erntefeld: Trotz etlicher Schäden nach dem langen Winter zu Jahresbeginn können die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr mit einer guten Ernte rechnen. Nach dem Start vor gut zwei Wochen hätten die Landwirte bei optimalen Erntewetter inzwischen fast 80 Prozent der Wintergerste auf 118 000 Hektar im Land eingefahren - in Rekordzeit und mit sehr guten Erträgen, sagte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gestern in Lützow nahe Schwerin. Vor zwei Jahren noch habe es zur Erntezeit Wasserschlachten auf den Feldern gegeben. Ende der Woche werde voraussichtlich die Gerstenernte abgeschlossen, bevor von 263 000 Hektar der Winterraps vom feld geholt werden und 30 000 Hektar Weizen und 90 000 Hektar Roggen geerntet werden muss.

Mit Erträgen von 55 bis mehr als 90 Dezitonnen je Hektar hätten die Bauern gut zehn Prozent mehr Wintergerste gedroschen als im Jahr zuvor. Tietböhl: "Das kann sich sehen lassen." Die Vegetation habe die im Frühjahr aufgetretenen Winterschäden beispielsweise durch Schneeschimmel ausgleichen können. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen". Die Bauern bräuchten gute Erträge, um die Verluste aus den Vorjahren ausgleichen zu können. Allerdings habe die gute Ernte inzwischen zu sinkenden Getreidepreisen geführt. Für Wintergerste gebe es nur noch etwa 16 Euro je Dezitonne, im vergangenen Jahr waren es noch 20 Euro gewesen. Auch für Raps und Weizen erhielten die Bauern derzeit bis zu 30 Prozent weniger.

Mit sinkenden Nahrungsmittelpreisen können die Verbraucher dennoch nicht rechnen: Die Winterschäden hatten der Agrarwirtschaft im Frühjahr als Grund für die Ankündigung von steigenden Lebensmittelpreisen gedient. Dabei werde es trotz der guten Erträge wohl bleiben, meinte Tietböhl. "Auch wenn die Getreidepreise inzwischen sinken, sind die Energie- und Düngerkosten weiter gestiegen."

Perfektes Erntewetter für Getreide, aber Stresszeiten für Mais und Co: Inzwischen mache die wochenlange Trockenheit dem auf 135 000 Hektar angebauten Mais, aber auch den Zuckerrübern und den Kartoffeln zu schaffen. Die Maisblätter kringeln sich schon, meinte Tietböhl. "Wir brauchen dringend Regen."

Die Gewinne aus der Ernte können die Bauern gut gebrauchen: Mit der Neuordnung der EU-Agrarförderung drohen den Landwirten in MV Millionenausfälle. Nach den bisherigen Vorschlägen sollen die Direkthilfen für die Landwirte im Nordosten voraussichtlich ab 2015 um 83 Millionen Euro gekürzt werden - ein Fünftel der bisher überwiesenen Betriebshilfen von insgesamt knapp 400 Millionen Euro jährlich, kritisierte Bauernpräsident Tietböhl: "Das ist nicht einfach so beiseite zu drücken." Damit würden jedem Beschäftigten in der Landwirtschaft etwa 4000 Euro im Jahr verloren gehen. Vor allem die vorgesehene Kappung der Beihilfen für Agrarbetriebe über einer Größe von 500 Hektar würden die großen Betrieb in den neuen Ländern im besonderen Maße treffen. "Ein ungerechter Vorschlag", kritisiert Gerd Winkler, Vorstandschef der Marktfrucht e. G. in Lützow in Nordwestmecklenburg. Ob kleiner oder großer Betrieb - "der Aufwand ist nahezu gleich". Seine 16 Mitglieder zählende Genossenschaft bewirtschafte zwar 2800 Hektar, sei aber auch nichts anderes als ein Familienbetrieb - 175 Hektar je Genossenschaftsmitglied. "Wir haben uns nur zusammengeschlossen", sagte Winkler und warnte vor gesonderten Belastungen für große Betriebe. "Wenn Brüssel den Hahn jetzt zudreht, wird es mit der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bald bergab gehen", befürchtet Jörg Haase, Chef des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg.

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