Gutachten: Peenemünde hat Welterbe-Potenzial

<fettakgl>Das</fettakgl> <strong>Kraftwerk</strong> der einstigen Heeres-versuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom<foto>dpa</foto>
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Das Kraftwerk der einstigen Heeres-versuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedomdpa

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29. Juni 2012, 09:53 Uhr

Peenemünde | Die frühere NS-Raketenversuchsanstalt Peenemünde hat nach Auffassung der TU Cottbus Potenzial für die Aufnahme in die Liste der Welterbestätten. Die Experten der Hochschule kommen - nachdem sie zwei Jahre die Denkmallandschaft Peenemünde dokumentiert haben - in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass sich das Bundesland und Deutschland mit einer Welterbenominierung in bahnbrechender Weise mit der komplexen Geschichte Deutschlands im "Dritten Reich" auseinandersetzen würden.

Ihr Abschlussbericht liegt dem Kultusministerium bereits seit Ende März vor, wurde bisher aber nicht veröffentlicht. Mitte Juni 2012 meldete das Land stattdessen das Schweriner Schloss und das Doberaner Münster als Vorschläge Mecklenburg-Vorpommerns an die Kultusministerkonferenz und schloss damit Peenemünde als potenziellen Kandidaten aus. Hintergrund: Jedes Bundesland darf nur zwei Kandidaten für die "Tentativliste" benennen, aus der der Bund dann in den kommenden 10 bis 15 Jahren die Kandidaten für das internationale Verfahren auswählt. Das Zeitfenster für Peenemünde wäre für diesen Zeitraum geschlossen.

Das Kultusministerium verteidigte die Entscheidung. Eine Bewerbung Peenemündes für die Aufnahme in die Welterbeliste sei verfrüht. Die Profilierung werde noch viele Jahre in Anspruch nehmen. "Auch einen guten Schüler sollte man nicht zu früh zum Abitur anmelden", sagte Staatssekretär Sebastian Schröder. Das Land ist seit 2010 mit 51 Prozent Hauptgesellschafter des Historisch-Technischen Museums Peenemünde. Eine Welterbediskussion würde ablenken von den wichtigen Aufgaben, die für Peenemünde anstünden. Museumskonzeption und Ausstellung müssten überarbeitet werden.

Dem widerspricht der Lehrstuhlinhaber Denkmalpflege und Mitverfasser des Berichts, Leo Schmidt. "Niemand erwartet, dass ein potenzieller Kandidat bei der Antragsstellung perfekt sein muss." Peenemünde sei in einzigartiger Weise dazu geeignet, die Lücke von militärischen und technischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts in der Liste zu füllen. Peenemünde als Welterbe würde zu einer echten Auseinandersetzung mit Tätern und Mitläufern zwingen - mehr noch als es die Errichtung von Opfer-Gedenkstätten könne.

Die Usedomer Bürgerinitiative gegen den Deichrückbau vermutet hinter dem Welterbe-Nein des Landes einen ganz anderen Grund. Ein Welterbe-Antrag - so sieht sie es - wäre bei einem Genehmigungsverfahren für den vom Land geplanten Rückbau des denkmalgeschützten Deiches nur störend. Seit zwei Jahren will das Umweltministerium gegen den mehrheitlichen Willen der Bewohner den zur NS-Anlage gehörenden Deich öffnen und damit einen Großteil des Inselnordens zu einem potenziellen Überflutungsgebiet machen. Von der Ausgleichsmaßnahme für mögliche Industrieansiedlungen in Lubmin wäre auch die Denkmallandschaft Peenemünde betroffen.

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