Wiedersehen in Deutschland : “Gut, dass sich jeder ans Gesetz hält“

Kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei einer Zeitung in Afghanistan: Musa Rafizada (l.) und Said Mohammad Alemi.
Kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei einer Zeitung in Afghanistan: Musa Rafizada (l.) und Said Mohammad Alemi.

„Prignitzer“-Praktikant Musa Rafizada trifft früheren Kollegen Said Mohammad Alemi.

svz.de von
09. September 2018, 05:00 Uhr

„Es ist gut, dass sich jeder ans Gesetz hält. Aber komisch ist, dass auch nachts an der roten Ampel gehalten werden muss, wenn keiner in der Nähe ist“, erzählt Said Mohammad Alemi, als er nach Dingen gefragt wird, die ihn an Europa wundern.

Alemi lebt in Afghanistan, arbeitet aber seit zehn Monaten in der afghanischen Botschaft in Den Haag. Nun sitzt der 42-Jährige auf dem Sofa in der Wohnung unseres Praktikanten Musa Rafizada. Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei der afghanischen Zeitung Rah-e-Nejat, was so viel wie „Weg der Befreiung“ bedeutet. „Said war mein Chef“, erzählt Musa Rafizada lächelnd. Die Zeitung in Kabul gibt es nicht mehr. Sie wurde vor vier Jahren geschlossen. Seitdem haben sich Rafizada und Alemi nicht mehr gesehen, hatten nur Kontakt über das Smartphone. Entsprechend groß ist die Freude, als sie sich gegenüber stehen.

Übersetzung für den "Prignitzer" ins Deutsche

Said Mohammad Alemi hat auch seine Frau Tahera und den 13-jährigen Sohn Hamed mit nach Wittenberge gebracht. Für die Gäste steht ein Imbiss bereit, schnell kommt ein Gespräch zustande. Musa Rafizada übersetzt für den „Prignitzer“ von Persisch ins Deutsche, manchmal klappt es auch mit Englisch. „In Afghanistan ist man ständig in Gefahr. Die Sicherheit ist das Hauptproblem“, berichtet Alemi, der nach seiner Zeit als Journalist im Außenministerium arbeitete. Gut sei, dass nun auch junge Frauen studieren könnten. Die Frauen könnten sich generell freier bewegen als unter der Regie der Taliban. Der Drogenhandel bzw. der Anbau von Opium sei noch immer ein Problem, berichtet Alemi. Die Lage Afghanistans in Mittelasien begünstige, dass das Land als Transitraum für illegale Geschäfte attraktiv sei. „Drogen sind ein einfacher Weg, Geld zu verdienen.“

Eine Fluchtgeschichte: Deutschland, Niederlande, Afghanistan

In den Niederlanden fühle sich die Familie schon wohl. Wahrscheinlich wird Alemi drei Jahre dort bleiben, bevor er wieder nach Afghanistan geht. „Mein Sohn hat gleich Niederländisch gelernt und wird bald die Schule besuchen“, erzählt Said Mohammad Alemi.

„Ich freue mich sehr, dass wir uns wiedersehen“, sagt Musa Rafizada, der sich noch gut an eine Geschichte erinnert. „Said schickte mich einmal nach Hause, weil ich mit Kollegen heimlich im Büro geraucht hatte. Das war verboten.“ Beide lachen herzlich über diese Begebenheit. Nur für einen Tag ist Said Alemi mit seiner Familie in Wittenberge. Wann sie sich wiedersehen können, wissen die beiden Freunde nicht.

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