Premiere „Peter Grimes“ : Gummistiefel auf der Opernbühne

Operndirektor Toni Burkhardt, Chefdramaturg Peter Larsen und Generalmusikdirektor Daniel Huppert vom Staatstheater (v.l.) sind begeistert von Brittens Oper „Peter Grimes“.
Operndirektor Toni Burkhardt, Chefdramaturg Peter Larsen und Generalmusikdirektor Daniel Huppert vom Staatstheater (v.l.) sind begeistert von Brittens Oper „Peter Grimes“.

Das Mecklenburgische Staatstheater bringt mit „Peter Grimes“ ein Meisterwerk von Benjamin Britten auf die Bühne

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05. April 2017, 12:00 Uhr

Am Freitag wird die nächste Opernpremiere im Großen Haus des Staatstheaters in Schwerin über die Bühne gehen. „Peter Grimes“ heißt die Oper des britischen Komponisten Benjamin Britten. Sie spielt in einem kleinen Fischerstädtchen, in einem Milieu, in dem Britten selbst aufgewachsen ist. Sein Elternhaus stand unmittelbar an der Küste, von Kind an hat er die Klänge von Wind und Wellen in sich aufgenommen, die Arbeit der Fischer beobachtet. Das blieb fest verwurzelt in ihm.

Was fesselt das Regieteam an diesem Werk? Der Dirigent GMD Daniel Huppert setzt sich zum ersten Mal in seiner Laufbahn mit dieser Oper auseinander. Er hält sie für ein erstaunliches Meisterwerk des 20. Jahrhunderts, das der britischen Oper in unserer Zeit eine neue Identität verschafft. „Die Musik ist sehr farbenreich. Die raffinierte Instrumentierung lotet extreme Möglichkeiten aus“, schwärmt er. „Die Partitur enthält alles, was die Zeit bot. Doch in Verbindung mit der Handlung wird klangliche Schärfe ebenso verständlich wie andererseits Zartheit.“ „Beim Sehen empfindet man das Harte, Raue, Gewalttätige als völlig stimmig“, bestätigt Operndirektor Toni Burkhardt, der Regisseur. „Und was für die Figur des Peter so wichtig ist: auch das Träumerische, Filigrane, das Weiche und Verletzliche.“ Er ist sichtlich durchglüht von der Arbeit an diesem Werk. „Für mich ist es ein Gesamtkunstwerk. Britten hat das, was szenisch passiert, zugleich so genial in Musik gesetzt, das ist einfach brillant.“

Chefdramaturg Dr. Peter Larsen ist der Nachdenkliche des enthusiastischen Trios. „Bemerkenswert ist auch“, meint er, „dass Britten in einer Zeit, wo alles in der Musik seriell berechnet oder ausgewürfelt wird, diese Wege nicht mitgeht. Er lässt sich nicht bevormunden von einer bestimmten Richtung, sondern greift nach den Klängen, die er für sein Vorhaben braucht.“

Warum bringt man so ein Stück auf die Bühne? „Es hält für alle große Herausforderungen bereit“, sagt Huppert, „der Opernchor hat eine sehr anspruchsvolle Partie, die Solisten werden gefordert, das Orchester: Alle haben ihre große Aufgabe. Es gibt auch Musik direkt auf der Bühne, eine Szene in der Kirche mit der Bühnenorgel.“ „Da kann sich der Zuschauer auf einen starken Abend freuen. Auf eine packende Geschichte mit großer emotionaler Pracht.“ Regisseur Toni Burkhardt weiß das, er hat „Peter Grimes“ schon einmal inszeniert. „Und auf eine gute Portion britischen Humors“, legt der Dramaturg obendrauf, „der lockert den Abend immer wieder auf. Man trifft auch auf Dinge, die uns hier im Norden vertraut sind, wie bei schweren Stürmen öfter Teile der Küste abbrechen und ins Meer stürzen.“

Spricht uns auch die Handlung an? „Sicher“, so Larsen, „ein Einzelner, ein Sonderling, ein schwieriger Typ, gerät auf Grund seines Charakters ins soziale Abseits und wird von der Gemeinschaft des Fischerstädtchens bis in den Tod getrieben. Das alles ist eingebettet in das karge Leben der Fischer, alles schmeckt nach Seewasser.“ Auch das wird es auf der Bühne geben. „Eine Herausforderung für die Bühnentechnik. Das Meer wird die Bühne beherrschen“, freut sich Toni Burkhardt, „man muss Gummistiefel tragen.“

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