zur Navigation springen

Gütliche Einigung? Backhaus verzichtet auf Strafantrag

vom

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 11:48 Uhr

Trotz seiner Verletzungen am Knie und am Unterschenkel will Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vorerst keinen Strafantrag wegen Körperverletzung gegen Cabrio-Fahrer Bernd S. stellen. In einer Stellungnahme seines Anwalts Heiko H. W. Granzin, die gestern bei der Rostocker Polizei eintraf, heißt es: „Es soll zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf die Erstattung eines formellen Strafantrages noch verzichtet werden.“ Außerdem weist der Anwalt von Backhaus in dem Schreiben ausdrücklich darauf hin, dass „ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung des Beschuldigten (gemeint ist Bernd S., Anmerkung der Redaktion) nicht gegeben ist.“ Backhaus sei schließlich nicht in „öffentlicher Funktion“, sondern als Privatmann mit dem Fahrrad unterwegs gewesen.

Damit bleiben gegen den Cabrio-Fahrer noch die Vorwürfe der Fahrerflucht und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, die als Offizialdelikte von Amts wegen ohnehin geprüft werden.

Ist der Verzicht von Backhaus auf einen Strafantrag bereits die ausgestreckte Hand für eine außergerichtliche gütliche Einigung? Auch der Anwalt der Gegenseite, Peter-Michael Diestel, ist offenbar nicht abgeneigt, den Streit im beiderseitigen Einvernehmen zu beenden. Gestern sagte der letzte DDR-Innenminister: „Die Sache kann auch unter Männern aus der Welt geschafft werden. Dazu müsste der Minister einsehen, dass er sich falsch verhalten hat, und sich einfach entschuldigen.“ Für eine Einigung müssten aber wahrscheinlich beide Seiten aufeinander zugehen.
Diestel und sein Mandant hatten dagegen schweres Geschütz gegen Backhaus aufgefahren und bei der Rostocker Staatsanwaltschaft Strafanzeige und Strafantrag wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Nötigung, falscher Verdächtigung, Vortäuschen einer Straftat und wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gestellt.

Till Backhaus und Bernd S. waren am Sonntag auf einer einspurigen Straße bei Rostock aneinandergeraten, als der Minister mit Familie auf dem Fahrrad unterwegs war. Beide Seiten haben eine völlig unterschiedliche Darstellung der Ereignisse. Der Cabrio-Fahrer behauptet, er sei beim Streit um die Frage, wer Platz zu machen habe, von Backhaus mit der Faust geschlagen worden. Der Minister sagt, das sei eine Lüge. Er sei vom Autofahrer angefahren worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen