Der Nordosten ist bei den Kosten die Ausnahme in Deutschland : Günstige Arbeit in MV

In Mecklenburg-Vorpommern sind die Arbeitskosten deutlich niedriger als im Bundesschnitt. Ein Indiz sind die Bruttolöhne: Im Bundesdurchschnitt betrugen sie 19,33 Euro. MV lag mit 14,78 Euro am Ende der Ländertabelle.

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26. März 2013, 06:23 Uhr

Wiesbaden/Schwerin | Die Arbeitskosten in Deutschland steigen stärker als in der EU. 2012 war Arbeit hierzulande ein Drittel teurer als im Durchschnitt der 27 Mitgliedsstaaten, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Eine Arbeitsstunde kostete durchschnittlich 31,00 Euro, im EU-Durchschnitt 23,50 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Arbeitskosten deutlich niedriger als im Bundesschnitt. Ein Indiz sind die Bruttolöhne: Im Bundesdurchschnitt betrugen sie 19,33 Euro. MV lag mit 14,78 Euro am Ende der Ländertabelle.

Hochlohnland Deutschland

Andere Staaten in Europa holen bei den Arbeitskosten kräftig auf, für deutsche Unternehmen wird das Personal teurer. Die Wirtschaft warnte vor einem weiteren Anstieg. Schwindet Deutschlands Vorsprung in Europa? Hintergründe von Rasmus Buchsteiner.

Was kostet eine Arbeitsstunde die Unternehmen in Deutschland?

Im Schnitt kostete eine geleistete Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber im vergangenen Jahr 31 Euro brutto. Bei 100 Euro Bruttoverdienst fallen zusätzlich 27 Euro an Lohnnebenkosten an, zum Beispiel für Krankenkassenbeiträge, Pflegeversicherung oder Rente. Besonders teuer war Industriearbeit mit 35,20 Euro je Stunde. Experten sehen in zunehmendem Fachkräftemangel einen Hauptgrund für steigende Arbeitskosten.

Hatten die Arbeitnehmer auch wirklich mehr Geld im Portemonnaie?

Deutschlands Markenzeichen war im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends eine sehr zurückhaltende Lohnpolitik, was nicht selten zu Reallohnverlusten führte. In den letzten Jahren gab es allerdings großzügigere Tarifabschlüsse. 2012 stiegen die Löhne real um 0,6 Punkte, im Vorjahr um 1,0.

Wie steht Deutschland im europäischen Vergleich da?

Deutschland bleibt ein Hochlohnland. Die Arbeitskosten hierzulande liegen ungefähr ein Drittel oberhalb des EU-Durchschnitts. In Schweden sind die durchschnittlichen Arbeitskosten mit 41,90 Euro am höchsten, in Bulgarien mit 3,70 Euro am niedrigsten.

Verliert Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit?

Der Abstand zu anderen EU-Staaten wird geringer. In Krisenstaaten wie Zypern, Italien und Spanien stiegen die Arbeitskosten unterdurchschnittlich, in Griechenland sanken sie um sieben Prozent. Allerdings: Die Arbeitskosten allein sind nicht ausschlaggebend für die Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend sind auch Produktivität und Forschungsaktivitäten. Laut eines neuen Rankings der EU-Kommission steht Deutschland bei der Innovationskraft auf Platz zwei in Europa.

Wie reagiert die Wirtschaft auf den Kosten-Anstieg?

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben mahnt, wenn der Standort Deutschland teurer werde, stünden nicht zuletzt Arbeitsplätze auf dem Spiel. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände verlangt Lohnmäßigung.

Was sagt die Wissenschaft?

Wirtschaftexperte Gustav A. Horn vom IMK hält den Anstieg der Arbeitskosten für einen Schritt zur „Normalisierung“. Die Kehrseite der langjährigen unterdurchschnittlichen Zuwächse sei schließlich „eine relativ schwache Entwicklung bei Löhnen und Binnennachfrage“ gewesen.

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