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Überhöhte Nitratwerte an jeder siebenten Messstelle : Gülle belastet Grundwasser in MV

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Gefahr im Wasser: In MV ist an jeder siebenten der 261 Grundwassermessstellen der zulässige Grenzwert von 50 Milligramm gesundheitsgefährlicher Nitrate je Liter überschritten worden.

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erstellt am 04.Aug.2013 | 09:46 Uhr

Schwerin | Gefahr im Wasser: In MV ist an jeder siebenten der 261 Grundwassermessstellen der zulässige Grenzwert von 50 Milligramm gesundheitsgefährlicher Nitrate je Liter überschritten worden. In fünf Prozent der Fälle sind sogar bis zu 100 Milligramm festgestellt worden, teilte das Landesumweltamt (LUNG) gestern mit. Das Risiko steigt: Dem Nitratbericht 2012 des Bundes zufolge ist an drei von fünf Messstellen des so genannten Belastungsnetzes auf Agrarflächen die Nitrat-Konzentration seit 2008 deutlich gestiegen.

Erhöhte Nitratwerte seien landesweit festgestellt worden, meist aber in Mecklenburg und besonders im Südwesten des Landes, erklärte LUNG-Chef Harald Stegmann. Grund dafür sind die intensive Düngung u. a. mit Gülle.

Die steigende Zahl der Bio gasanlagen und der damit verbundene Mais anbau verschärften die Lage, hatte der Präsident des Bundesumweltamtes, Jochen Flasbarth, erklärt. Ein Viertel des Grundwassers in Deutschland habe zu hohe Nitratwerte. Für den Menschen können hohe Nitratkonzentrationen schädlich sein. Bei Säuglingen kann es zu Atemnot kommen. Bei Erwachsenen wandeln sich Nitrite im Körper zu Nitrosaminen um, die als krebserregend gelten. In MV werden 85 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser entnommen. Vom Herbst an müssen die Bauern die Düngung einschränken, legte das Land fest.

MV setzt hingegen auf Aufklärung und Beratung. Die Landwirte dürften nur so viel düngen, wie die Pflanzen aufnehmen könnten, forderte Agrarminister Till Backhaus (SPD).

Grüne und Bund für Umwelt und Natur (BUND) in MV schlagen Alarm: Obwohl ein Konzept zur Reduktion diffuser Nährstoffeinträge vorliege, habe sich in der Praxis die Situation nicht entscheidend geändert, kritisierte die Landtagsabgeordnete Jutta Gerkan von den Grünen. In einigen Regionen würden die Grenzwerte um das bis zu 12-fache überschritten - Angaben des Landesamtes zufolge u. a. in Losten, Sommerstorf und Roggenstorf. "Es darf nicht sein, dass wir unsere Landwirte finanziell fördern, um deren Umweltverschmutzung mit weiterem Geld wieder heilen zu müssen." Gerkan als auch BUND-Landeschefin Corinna Cwielag forderten, die Landwirtschaft in Regionen mit Grundwasserspeichern auf Öko-Landbau umzustellen und Grünlandflächen zu erhalten. Dadurch ließen sich die Nitrat-Einträge reduzieren.

So habe z. B. der Wasserversorger in Leipzig durch den Aufbau eines Öko-Betriebes im Grundwassereinzugsgebiet den Nitratwert auf durchschnittlich 25 Milligramm senken können. Der Chef des Bundesumweltamtes Flasbarth forderte schärfere Regelungen für Dünge-Höchstgrenzen, in die die Garreste aus Biogasanlagen einbezogen werden müssten. Zudem müsse für Agrarbetriebe mit Grundwasserspeichern für die Trinkwasserversorgung eine Pflichtberatung zur gewässerschonenden Düngung eingeführt und der Betrieb von Biogasanlagen mit Mais und Gülle auch auf Landschaftsschnitt umgestellt werden.

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