Grufti? Bufdi? Ufo? - Üfa!

Elisa Düsel und Maximilian Kraushaar helfen einem Patienten dabei, sich aufzurichten. Foto: dpa
Elisa Düsel und Maximilian Kraushaar helfen einem Patienten dabei, sich aufzurichten. Foto: dpa

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23. Mai 2012, 09:40 Uhr

Greifswald | "Was sind Sie - ein Ufo?" Maximilian Kraushaar kann sich noch gut an den Patienten erinnern, der beim Blick auf sein Namensschild loslachte. "Ich habe ihm dann erklärt, dass da Üfa steht und dass das eine Art Bufdi ist - aber auch damit konnte er nichts anfangen. ,Grufti?’ fragte er daraufhin", erinnert sich der junge Mann aus Düsseldorf, der seit September am Greifswalder Universitätsklinikum seinen Freiwilligendienst leistet.

Tatsächlich ist es nicht leicht, sich im Abkürzungsgewirr der freiwilligen sozialen Dienste zurechtzufinden: Seit im vergangenen Jahr der Zivi, der Zivildienst, abgeschafft wurde, gibt es den Bufdi, den Bundesfreiwilligendienst. Unter seinem Dach unterbreitet die Greifswalder Uniklinik ein ganz besonderes Angebot - das Überbrückungsjahr für Abiturienten, kurz Üfa.

"Wir haben dieses Modell entwickelt, weil es mittlerweile in allen medizinischen Berufen schwierig ist, junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern", erläutert Petra Klein, die als Stellvertreterin des Pflegevorstands das Überbrückungsjahr an der Greifswalder Universitätsmedizin koordiniert. "Der Bewerberschwund macht auch um uns keinen Bogen, möglicherweise werden wir schon in diesem Herbst nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen können", erläutert sie. Auch die Interessenten für ein Human- oder Zahnmedizinstudium würden weniger - hier gebe es allerdings noch immer mehr Bewerber als Studienplätze. Viele Absolventen würden später jedoch nicht als Arzt arbeiten - auch, weil sie sich falsche Vorstellungen von dem Beruf gemacht hatten.

"Mit dem Üfa wollen wir Abiturienten die Möglichkeit geben, ihren Berufs- oder Studienwunsch in der klinischen Praxis zu prüfen", betont Petra Klein. Neun oder zwölf Monate dauert der Einsatz, den die jungen Leute überwiegend auf einer Stammstation leisten. Dazu kommen Hospitationen in der Forschung und Einsätze in einem weiteren Bereich ihrer Wahl - etwa im OP, in der Physiotherapie, dem Hospiz oder der Pathologie.

Für letztere hat sich Elisa Düsel entschieden. Die junge Frau aus Zwenzow bei Neustrelitz hat schon seit langem den Wunsch, beruflich "etwas mit Medizin, mit Menschen" zu machen. Was es konkret sein sollte, wusste sie aber trotz eines Praktikums in einer gynäkologischen Praxis auch als Abiturientin noch nicht. Vielleicht ein Medizinstudium. Vielleicht anschließend die Pathologie... Das Überbrückungsjahr in Greifswald , auf das Elisa Düsel durch eine Zeitungsanzeige aufmerksam wurde, sollte Klarheit bringen. In der Nephrologie lernte sie den Krankenhausalltag kennen, in der Pathologie dann einen Monat lang einen sehr speziellen Bereich im Klinikbetrieb. Jetzt weiß sie: "Das Pflegepersonal hat einen viel engeren Kontakt zu den Patienten als die Ärzte. Medizin zu studieren wäre deshalb nichts für mich, und die Pathologie, wo man überhaupt nichts mit Menschen zu tun hat, jedenfalls nicht mit lebenden, wäre es erst recht nicht."

Elisa Düsel hat sich darum für eine Ausbildung zur Krankenschwester - oder wie es heute heißt zur Gesundheits- und Krankenpflegerin - entschieden. Den Ausbildungsvertrag mit der Greifswalder Uniklinik hat sie bereits in der Tasche. "Ich glaube schon, dass es mir im Vorstellungsgespräch Pluspunkte gebracht hat, dass ich hier praktische Erfahrungen gesammelt habe", meint sie.

Auf ähnliche Pluspunkte hofft auch Maximilian Kraushaar. Er allerdings bleibt bei seinem Berufswunsch - und der Bewerbung um einen Medizinstudienplatz. "Das Üfa sollte die Probe aufs Exempel sein, ob der Arztberuf für mich der richtige ist."

Schon im letzten Sommer, gleich nach dem Abitur, hatte Maximilian Kraushaar sich an sechs Universitäten in ganz Deutschland um einen Medizinstudienplatz beworben, auch in Greifswald. Doch der Durchschnitt von 1,9 reichte nicht aus. Jetzt, im nächsten Anlauf, hofft er auf Zusatzpunkte, die ihm für die praktischen Erfahrungen aus dem Überbrückungsjahr gutgeschrieben werden.

Die Aufgaben, die ein Üfa zu erfüllen hat, haben allerdings kaum etwas mit denen eines Arztes zu tun. Auf der Intensivstation im Torax- und Gefäßzen trum, auf der der Düsseldorfer den Großteil seines Einsatzes absolviert, hilft er Patienten beim Waschen, Essen, schüttelt ihnen die Betten auf… Vor allem aber hört er zu - und erfährt so manches, was dem Fachpersonal auf der Station, das unter einem ganz anderen Zeitdruck steht, verborgen bleibt. Auch die erste Begegnung mit dem Tod - die für viele Studenten erst auf dem Seziertisch stattfindet - hatte Maximilian Kraushaar während seines Einsatzes. "Die Kolleginnen und Kollegen auf der Station haben mir sehr geholfen, damit fertig zu werden", erinnert er sich.

"Die Üfas wissen nach dem Jahr genau, worauf sie sich einlassen", hat Petra Klein beobachtet. "Auch ihre Motivation ist eine ganz andere - wer sich nach dem Üfa für eine Ausbildung oder ein Studium bewirbt, der will das unbedingt."

Im ersten Üfa-Jahrgang, zu dem Elisa Düsel und Maximilian Kraushaar gehören, musste die Uniklinik noch mächtig die Werbetrommel rühren, um alle Plätze voll zu bekommen. Für den nächsten Jahrgang, der im September beginnt, waren die 27 Plätze schon lange vor Ablauf der Bewerbungsfrist Ende April vergeben - mehr als 20 junge Frauen und Männer stehen auf der Warteliste und hoffen, dass der eine oder andere Platz doch noch frei wird, weil jemand sich zum Beispiel parallel auch um einen Studienplatz beworben hatte. Was die Initiatoren besonders freut: "Mehr als die Hälfte der Bewerber kommen diesmal aus Mecklenburg-Vorpommern", so Üfa-Koordinatorin Petra Klein.

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