Prozess Landgericht Schwerin : Grüner Daumen für Drogen

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31-Jähriger aus Malliß gibt vor Gericht illegalen Hanfanbau zu. Lange Haftstrafe droht

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29. Januar 2018, 21:00 Uhr

Für die Kameraden der Feuerwehr war es ein Schwelbrand wie jeder andere, den sie Ende Juli 2017 in einem Fachwerkhaus am Rande von Malliß südlich von Ludwigslust schnell und routiniert unter Kontrolle brachten. Allerdings entdeckten sie nebenbei ein Geheimnis, das der Eigentümer eigentlich noch etwas länger hüten wollte: Den Großteil des Erdgeschosses hatte er zu einem Cannabis-Gewächshaus ausgebaut. Noch bevor die Feuerwehrmänner – nachdem sie einige Erinnerungfotos geschossen hatten – abgerückt waren, kam die Kriminalpolizei und stellte knapp 900 Pflanzen, zahlreiche Messer sowie 1000 Euro Bargeld sicher und ließ den 31-jährigen Hauseigentümer in Untersuchungshaft bringen. Seit gestern muss er sich wegen illegalen Drogenhandels „unter Führung von Waffen“ vor dem Landgericht Schwerin verantworten.

Ruhig und freundlich gab er zu, für die Plantage sogar einige Wände durchbrochen zu haben, um Platz für die Pflanzen zu schaffen. Für gut 15 000 Euro kaufte er Tageslichtlampen, Dünger, eine Lüftungsanlage und weitere Utensilien, die zu einer professionellen Indoor-Plantage gehören. Bereitwillig gab er den Richtern Auskunft, wie er anfangs mit verschiedenen Cannabis-Sorten experimentierte, bevor er im großen Stil loslegte. „Ich hatte immer schon einen grünen Daumen“, berichtete er. Hinzu kam, dass er sich dank seiner Berufsausbildung mit Biologie und Technik gut auskennt. Sein Wissen reichte jedoch nicht, um die energiefressenden Lampen richtig an die Stromleitungen anzuschließen. Der verrräterische Schwelbrand, der von Nachbarn bemerkt wurde, entstand in der Elektroanlage.

Seit seiner Schulzeit in Hitzacker hat er gekifft. Nachdem er seinen Job in Kassel hinschmiss, zog er 2014 nach Malliß – angeblich, weil das Grundstück billig war. Um seinen eigenen Bedarf an Drogen und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sei er auf den Hanfanbau gekommen, als sein Erspartes und die Erbschaft von seiner Großmutter zur Neige ging. Die Staatsanwaltschaft vermutet indes, dass er das billige Häuschen gezielt aussuchte, um dort gewerbsmäßig Drogen anzubauen. Wie viel Marihuana er verkaufte, weiß die Staatsanwaltschaft allerdings nicht.

Die Polizei stellte 18 Messer, zwei Schreckschusswaffen und einen Baseballschläger sicher. Der Drogengärtner wies den Vorwurf von sich, er habe mit den Waffen seine Plantage gegen eventuelle Neider, Konkurrenten oder sonstige Angreifer verteidigen wollen. Er sammle Messer, und sein Schäferhund könne sowieso alle ungebetenen Gäste fernhalten. Falls die Richter ihm den „waffenlosen“ Drogenhandel nicht glauben, droht ihm eine empfindlich höhere Strafe ab fünf Jahren Gefängnis. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden.

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