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Asbestmüll : Grüne fordern unabhängiges Gutachten

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Der Asbestmüll von Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein soll in großen Plasticksäcken transportiert werden. Des Weiteren wird eine unabhängige Analyse gefordert.

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erstellt am 12.Dez.2011 | 07:01 Uhr

Schwerin | Der Asbestmüll von Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein soll in großen Plasticksäcken, sogenannten Big-Bags, transportiert werden. Das fordert die Grünen-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern. "Des Weiteren fordern wir eine unabhängige Analyse. Auch die gesundheitlichen Aspekte müssen geprüft werden", sagte gestern Jutta Gerkan, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Art und Weise des Transportes ist alles andere als geklärt, verdeutlichte die wirtschaftspolitische Sprecherin. "Der Asbestmüll soll auf Muldenkippern zum Ihlenberg verschickt werden. So etwas ist erstmalig in Deutschland, darf aber mit Asbest nicht passieren", so Gerkan.

Auch Arndt Müller, Referent für Umwelt beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist alles andere als zufrieden. Zusammen mit der Grünen-Landtagsfraktion und dem Aktionsbündnis gegen Asbesttransporte und Ablagerung auf den Deponien in Rondeshagen (Kreis Herzogtum Lauenburg) und Schönberg (Nordwestmecklenburg) wolle Müller gegen die Asbesttransporte aus Niedersachsen vorgehen. "Es gibt eine wesentlich günstigere Variante. Nämlich die Asbesthalde in Wunstorf-Luthe zu sanieren", sagte Arndt Müller in Schwerin. Das würde nicht nur die Risiken mindern, sondern auch die Kosten senken. Denn eine Sanierung vor Ort würde lediglich rund drei Millionen Euro kosten. Die Transporte nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern das dreifache. "Ein ganz großes Fragezeichen besteht immer noch bei der Art und Weise des Transportes und dessen Absicherung. Wir hören nahezu täglich von einem Lkw-Unfall", so Müller weiter. Die Big-Bags könnten bei einem Unfall platzen, dann liege das krebserregende Asbest auf den Straßen. "Hier ist eine Menge Dilettantismus unterwegs. Und das geht so nicht", sagte der BUND-Referent.

Rund 250 Kilometer entfernt liegt die Deponie Ihlenberg, auf die der Asbestmüll transportiert werden soll. Laut Tüv-Bericht geht es um 145 000 Tonnen Asbestmüll, die aus Niedersachsen nach Rondeshagen und Schönberg gebracht werde sollen. Dieser Zahl widerspricht Mineraloge Friedrich Jäkel. "Wer sich die Größe und Fläche der Halde in Wunstorf-Luthe anschaut, erkennt, dass diese Zahl nicht stimmen kann", sagte Jäkel. Er gehe von mehr als 300 000 Tonnen Asbestmüll aus. "Wir liegen dann nicht bei 7000 bis 8000 Lkw-Fahrten, sondern bei mindestens 15 000", so der Mineraloge weiter. Doch damit nicht genug. Friedrich Jäkel habe den Tüv-Bericht auf seine Plausibilität hin ebenfalls geprüft und kommt zu folgendem Ergebnis: "Der Tüv-Nord ist nur für die Probenahme akkreditiert, aber nicht für die Messungen und die Bewertung." Hinzu komme, dass der Mineraloge weitere gravierende Fehler festgestellt habe. Unter anderem dürfte die Luftfeuchtigkeit bei den Messungen nicht höher als 70 Prozent sein. "Bei allen sechs Messungen der Probetransporte war dies nicht der Fall. Die Luftfeuchtigkeit lag bei 90 Prozent oder mehr", verdeutlichte Jutta Gerkan. "Meine Meinung vom Tüv ist dadurch schwer erschüttert worden", so Gerkan weiter. Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg ist noch drastischer und spricht von Manipulationen bei den Messungen: "Das Tüv-Siegel ist hier nicht gegeben. Wir fordern nicht nur ein unabhängiges Rechtsgutachten, sondern auch einen Toxikologen hinzuziehen."

Am Freitag will die Grünen-Fraktion dem Landtag einen entsprechenden Antrag vorlegen.

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