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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 14:05 Uhr

Grüne Abrechnung

vom

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 06:57 Uhr

Berlin | Ein wenig hat es gedauert nach dem Absacken der Grünen bei der Wahl. Jetzt brechen mit Macht die alten Gräben auf. Auf einem Kleinen Parteitag mit rund 90 Delegierten und hunderten Gästen wird laut, was lang nur insgeheim besprochen wurde. Mitte oder links? 41 Redner und rund fünf Stunden voll mit besorgten, bewegten, aufgeregten und teils auch ein bisschen feindlichen Wortmeldungen bringen keine Klarheit.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann steigt im Hof der Tagungshalle im Berliner Wedding am Samstagvormittag aus seinem dunklen Wagen in die Berliner Sonne. Hat er eine Botschaft mitgebracht? "Ja." Welche? "Die verkünd’ ich ja nachher."

Was Kretschmann in petto hat, ist eine Generalabrechnung. Ziel: die langjährige Leitfigur der Grünen, Jürgen Trittin. Andere Realos haben seinen Auftritt vorbereitet mit Aufrufen, sich wieder freundlicher gegenüber der Mitte zu zeigen. Nun führt Kretschmann erst das Orakel von Delphi an, auf Altgriechisch und in Übersetzung: "Erkenne Dich selbst - Nichts im Übermaß." Dann sagt er Trittin ins Gesicht: "Man muss auch offen sein, sich einmal belehren zu lassen und nicht selber zu belehren. Deshalb, lieber Jürgen, darf das Hauptwort nicht mehr Angriff sein."

Doch auch andere reden frei von der Leber weg. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke hat gerade ihren Rückzug von Führungsämtern in der Partei angekündigt. Wenn der Tag der Abrechnung vorbei ist, werden nur sie und die scheidende Parteichefin Claudia Roth viel Applaus bekommen haben. Jetzt geht Lemke jene an, die alles neu machen wollen. "Dieser Diskurs verliert aus meiner Sicht Mitte und Maß." Die Grünen hätten nicht viel Zeit, sich zu fangen. Gemeint ist auch Parteichef Cem Özdemir. Die beiden konnten sich noch nie leiden. Jetzt gehört Özdemir zu denen, die den Spagat machen: Schuldeingeständnis und Aufruf zum Neuaufbruch - dabei aber auch eigene Ambitionen. Die Niederlage? "Je früher und je schonungsloser wir das akzeptieren und Konsequenzen daraus ziehen, desto besser für uns alle." Nach einer Gegenkandidatur auf dem Parteitag im Oktober sieht es nicht aus.

Jürgen Trittin übt die Rolle des Einsichtigen: "Ich bin auch ein bisschen dafür verantwortlich, nein, ich bin auch dafür verantwortlich, dass die eine Millionen Stimmen, die wir 2009 gewonnen haben, wieder weg sind." Von Überschwang während der guten Zeiten spricht er. Doch besonders links - gar zu links - sei das grüne Programm nicht gewesen. Aber als Trittin meint, Wirtschaftsverbände hätten zum Klassenkampf gegen die Grünen angesetzt, ruft Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer: "Wir sind schuld, nicht die anderen."

Und wie argumentiert nun Katrin Göring-Eckardt, die trotz ihrer Verantwortung als Spitzenkandidatin Fraktionschefin werden will? Sie grenzt sich fast so stark vom Gewesenen ab, als hätte sie damit nichts zu tun gehabt. "Ich bin ja der Meinung: Wir haben total übersteuert in unserem Wahlkampf." Zu viele Zahlen, zu viel Verbotsanmutung. Doch: "Wir können aus der Nische rauskommen, wir können aus dieser ewigen Konfrontationsrhetorik rauskommen."

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