zur Navigation springen

Wirtschaft MV : Gründer-Stimmung auf Tiefststand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zahl der Existenzgründungen in MV in zehn Jahren auf ein Drittel gesunken

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Sich mit einer Firma selbstständig zu machen – das ist momentan kein Thema in Deutschland. Die Wirtschaft läuft, Fachkräfte finden Arbeit und gehen nicht das Risiko einer eigenen Existenzgründung ein. „Die Zahl der Neugründungen hat einen Tiefstpunkt erreicht“, sagte der Ehrenvorsitzende des in Rostock ansässigen Bundes der Selbstständigen in MV, Jörg Drenkhahn. Nach Angaben des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung ist die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen in MV in den letzten zehn Jahren von gut 13 400 auf 4700 gesunken.

Drenkhahn schätzt, dass derzeit lediglich ein Prozent der Deutschen im erwerbsfähigen Alter neue Existenzen gründen. Die Selbstständigenquote liegt freilich höher. Nach Angaben des Statistischen Amtes waren zuletzt 9,4 Prozent der Erwerbstätigen ihr eigener Chef. Anders bei anderen Nationalitäten: „15 Prozent der Ausländer, die hier leben, machen sich selbstständig“, sagte Drenkhahn. Überwiegend seien es Osteuropäer wie Rumänen, Ukrainer und Russen, die im Dienstleistungsbereich oder im Handwerk Ein-Mann-Unternehmen gründen.

Das nachlassende Interesse an Neugründungen spürt auch die Handwerkskammer Schwerin. „Seit zwei Jahren ist das Beratungsgeschäft rückläufig“, sagte Unternehmensberater Wilfried Dobbertin. Es sei mit der besser werdenden Konjunktur gekippt. Früher seien 55 bis 60 Prozent der Beratungen mit Neugründern geführt worden, heute nur noch 35 bis 40 Prozent. Handwerksbetriebe in den Branchen Heizung, Sanitär, Elektro suchten Fachkräfte - da gebe es keine Motivation, sich selbstständig zu machen. Auch die politischen Rahmenbedingungen seien heute nicht mehr wie zu Zeiten der stark geförderten Ich-AGs vor mehr als zehn Jahren. 2011/12 stellte die Bundesarbeitsagentur den Gründungszuschuss vom Rechtsanspruch auf Ermessen um. In den Branchen, in denen Fachkräftenachfrage herrschte, wurden keine Gründungen mehr gefördert. Die Gründungszuschüsse durch die Bundesarbeitsagentur verringerten sich in MV von 2856 im Januar 2010 auf 655 im Januar 2016.

Rückgänge gab es bundesweit, aber so stark wie in MV waren sie nur im Osten. Eine Folge des Rückgangs: Für ältere Unternehmer ist es heute schwerer, einen Betriebsnachfolger zu finden. Das Wirtschaftsministerium unterstützt vor allem wissensbasierte und technologieorientierte Neugründungen.Das Sozialministerium fördert Existenzgründer mit Mikrodarlehen von bis zu 20 000 Euro sowie mit Bildungsschecks, für die kaufmännische Weiterbildung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen