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Frühjahrsputz : Großreinemachen in MV beginnt

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Der Frühling bringt es ans Licht: Plastiktüten, Kaffeebecher und sogar Altreifen verdrecken die Grünanlagen der Städte in MV. Der Müll soll jetzt weg.

svz.de von
erstellt am 13.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Städte leiden unter der Achtlosigkeit ihrer Bürger. Im vergangenen Jahr ließ allein Rostock rund 123 Tonnen illegal weggeworfene Abfälle von städtischen Flächen entfernen. Außerdem mussten zwei Tonnen Altreifen eingesammelt und entsorgt werden, wie eine Sprecherin der Verwaltung berichtete. In Schwerin sind es vor allem die Naherholungsflächen „Schwimmende Wiese“ nahe dem Schloss und der Zippendorfer Strand am Schweriner See, von denen Mitarbeiter der Stadt nach lauen Sommerabenden massenhaft Flaschen, Einmalgrills und andere Party-Überreste wegräumen.„Wir können nur immer wieder appellieren: Was man mitbringt, kann man auch wieder mit nach Hause nehmen“, sagte Axel Klabe vom städtischen Entsorgungsunternehmen SDS. Der Appell verhallt oft genug ungehört.„Untersuchungen haben gezeigt, dass es nicht einmal hilft, mehr Müllbehälter aufzustellen.“ Bundesweit suchen Kommunen nach Wegen, ihre Bürger zu mehr Umweltbewusstsein und Sauberkeit in der Stadt anzuhalten. Immer mehr bieten ihren Bürgern Service-Apps an, mit denen sie unliebsame Entdeckungen bequem und jederzeit an die Stadtverwaltungen melden können. Rostock versucht es mit einem Umwelt-Telefon und einem Bürgerportal im Internet. Im vergangenen Jahr gingen 169 telefonische Meldungen sowie 1919 Meldungen über das Netz ein, wie Stadtsprecherin Kerstin Kanaa berichtete. Außerdem kontrolliere die Umweltaufsicht.

Das „Klarschiff-Mobil“ mit Bundesfreiwilligen an Bord räume auf. In den kommenden Wochen bitten die Kommunen ihre Bürger um Mithilfe beim Einsammeln des Mülls, der sich über den Winter in den Grünanlagen und an Stränden angesammelt hat. Die Stadt Neubrandenburg ruft zum jährlichen Frühjahrsputz am 8. April gemeinsam mit den städtischen Wohnungsunternehmen Neuwoba und Neuwoges auf, wie ein Stadtsprecher sagte. Die Neubrandenburger Wanderfreunde ergänzen die Aktion, indem sie mit rund 30 Aktiven Wanderwege im Brodaer Holz, im Mühlenholz, im Malliner Bachtal und im Nemerower Holz reinigen wollen.

Rostock beteiligt sich nach Worten von Sprecherin Kanaa erstmals an der Kampagne „Let“s Clean Up Europe„ (Lasst uns Europa aufräumen). Acht Aktionen seien bislang geplant. Sie würden von den Stadtteilmanagern, Vereinen, Ortsbeiräten und Ortsämtern vorbereitet und von der Hansestadt Rostock und den Entsorgungsunternehmen Veolia Umweltservice Nord GmbH und Stadtentsorgung Rostock GmbH unterstützt.

Mancherorts wird aus dem Frühjahrsputz ein Fest. In Schwerin gibt die Stadt vom 20. März an 3000 rote Müllsäcke an freiwillige Helfer aus. Offiziell beginnt das Großreinemachen in der Landeshauptstadt eine Woche später. Zum Abschluss soll eine große “Schrubberparty„ für alle am 1. April steigen. Sie werden bis dahin nach Schätzung der Stadtverwaltung wieder um die 20 Tonnen Müll aufgeklaubt haben. Im vergangenen Jahr beteiligten sich mehr als 5400 Schweriner an der Aktion, wie eine Stadtsprecherin sagte. Schwerin verbindet den Frühjahrsputz auch mit einem Fotowettbewerb - den Knipsern der drei schönsten Motive mit dem roten Sack winken Geldpreise.

Während die großen Städte des Landes von einem gleichbleibenden Müllproblem sprechen, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Eindruck, dass die Abfälle in der Natur mehr werden. “Die BUND-Gruppen klagen über eine zunehmende Vermüllung von Biotopen und ganzen Landschaften„, sagte Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. An Seeufern, Parkplätzen in Waldgebieten und an Stränden fänden sich bei Aufräumaktionen trotz aufgestellter Müllkübel säckeweise Kunststoff-Müll aus Verpackungen sowie defekte Campingausrüstungen, Reste von Surfboards und Sportbooten sowie Eisenschrott.

Kunststoffreste aus Verpackungen, von Trinkflaschen und Einwegbechern fänden sich in Schilfröhrichten. Cwielag wies auf die Auswirkungen achtlos weggeworfenen Abfalls auf die Umwelt hin: “Insbesondere Tüten und Bänder aus Kunststoff werden von Vögeln in Brutstätten eingebaut und stellen eine Gefahr für die Jungtiere dar.„ Kunststoffreste würden von Wind und Sonne zu Mikroplastik zerrieben, von Organismen aufgenommen und in der Nahrungskette angereichert.

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