Geschichtswettbewerb : Großmutters Tagebuch

Ausgezeichnet: Jolanda Simowa, Helene Radloff und Jolanda Wiechmann (v.l.n.r)
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Ausgezeichnet: Jolanda Simowa, Helene Radloff und Jolanda Wiechmann (v.l.n.r)

Rostocker Schülerinnen im Landtag für Geschichtsprojekt über Asylanten und Vertriebene ausgezeichnet

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15. September 2015, 21:00 Uhr

Im September 2014 begann ihr Projekt für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten – gestern wurden Helene Radloff, Jolanda Simowa, Jolanda Wiechmann und Lea Zimdahl im Plenarsaal des Landtages für ihre Arbeit ausgezeichnet.

Unter dem Motto „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“ beschäftigten sich die jetzigen Elftklässlerinnen des Innerstädtischen Gymnasiums Rostock mit der Historie von Flüchtlingen und Vertriebenen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Grundlage ihrer Forschungen: die Geschichte der damals 23 Jahre alten Christel Roßmann. 1945 floh sie aus dem deutschsprachigen Osteuropa in Richtung Westen, teilte ihr persönliches Schicksal mit rund 14 Millionen anderen. Über die Erlebnisse ihrer Flucht und Integration in der neuen Heimat Graal-Müritz verfasste sie ein Tagebuch. Das Besondere: Roßmann war die Großmutter Helene Radloffs, einer der Schülerinnen, die sich mit dem Thema beschäftigten. „Es ist etwas Tolles, in der eigenen Familienhistorie forschen zu können“, sagt sie. „Als sie die Geschichten früher erzählt hat, war ich einfach noch zu klein, um alles richtig verstehen zu können.“ Die Schülerinnen trafen sich einmal die Woche während des normalen Unterrichts, das Thema habe die Gruppe aber so in den Bann gezogen, dass sie auch nachmittags oder an freien Tagen arbeiteten: „Es war sehr intensiv“, berichtet Helene Radloff. „Wir haben uns mit den Verschriftlichungen kritisch auseinandergesetzt, viele Gespräche geführt und versucht, die Geschichte meiner Großmutter in den historischen Kontext einzuordnen.“ Dass ihre im Februar abgegebene Arbeit nun aktueller denn je ist, hat die Gruppe darin bestätigt, sich für den Wettbewerb angemeldet zu haben. Zwar sei die damalige Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen nur schwer mit heute zu vergleichen, wie Radloff feststellt, „vor allem aus rechtlicher Sicht.“ Die Auseinandersetzung mit dem Thema habe ihnen aber deutlich gemacht, dass kein Flüchtling zu viel sei, „egal, wo er herkomme“, sagt Jolanda Wiechmann.

Neben der Gruppe aus Rostock wurden elf weitere Projekte aus Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet, darunter sechs Förderpreise. Insgesamt hatten sich 131 Jugendliche mit 34 Beiträgen im Land beworben. Bundesweit nahmen mehr als 5000 junge Menschen am Wettbewerb teil, der durch den Bundespräsidenten und die Körber-Stiftung organisiert wird. „Es ist eine tolle Entwicklung“, sagt Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs „Bildung“ der Stiftung. „Unsere Teilnehmer hat das Thema bewegt. Sie wenden sich damit gegen Vorurteile und Ausgrenzung.“

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