P+S-Werft : Großfähren auf Diät

Vor fünf Jahren gab Scandlines zwei Großfähren  in Stralsund in Auftrag. Beide Schiffe wurden zu schwer. Die Werft ging pleite. Nun werden die Fähren in Dänemark abgespeckt.
Vor fünf Jahren gab Scandlines zwei Großfähren in Stralsund in Auftrag. Beide Schiffe wurden zu schwer. Die Werft ging pleite. Nun werden die Fähren in Dänemark abgespeckt.

Die noch vor einem halben Jahr im in der Stralsunder P+S-Werft liegende Großfähre „Berlin“ ist auf der Fayard-Werft zu einem Rohbau geschrumpft.

svz.de von
17. November 2014, 21:36 Uhr

Der Lack ist ab, der Stahl liegt frei. Das Deck 7 ist um zehn Meter kürzer. Decks 8 und 9, Brücke und Schornstein fehlen. Einer der fünf Dieselmotoren wurde entfernt. Die noch vor einem halben Jahr im strahlenden Weiß am Kai der Stralsunder P+S-Werft liegende Großfähre „Berlin“ für die Reederei Scandlines ist auf der Fayard-Werft im dänischen Munkebo bei Odense wieder zu einem Rohbau geschrumpft.

Auch auf dem Schwesterschiff „Copenhagen“ sieht es nicht besser aus. „Wir haben auf jeder Fähre rund 2000 Tonnen Material entfernt“, sagt Werftenmanager Ivan Larsen. Nach der Schrumpfkur sollen die Fähren um je 700 Tonnen leichter sein.

Die beiden 169 Meter langen Ostseefähren für Scandlines sollten ein Prestigeobjekt der P+S-Werft werden und dort den Wandel zum Spezialschiffbau einleiten. An dem ambitionierten Projekt hat sich die Stralsunder Werft letztendlich verhoben. Gewichtsprobleme an den Fähren läuteten im August 2012 die spektakuläre P+S-Pleite ein. Scandlines stornierte den Vertrag, kaufte zu Beginn 2014 dann die Fähren für 31,6 Millionen Euro – ein Sechstel des ursprünglichen Kaufpreises – aus der Insolvenzmasse.

Befragt nach der Arbeit der Stralsunder Werftarbeiter hält sich der dänische Schiffbauer Ivan Larsen zurück. „Ich weiß nur, dass die Schiffe zu schwer waren.“ Zu einem Umbau der beiden Großfähren gab es laut Scandlines keine vernünftige Alternative. Ein Neubau hätte bedeutet, dass die Reederei noch mindestens bis 2016 mit den veralteten Schiffen „Kronprins Frederik“ und „Prins Joachim“ hätte fahren müssen, sagte Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Deren Betrieb wird wegen der ab Januar 2015 auf Nord- und Ostsee geltenden Emissionsverordnung ohnehin teurer.

Die neuen Fähren ohne Abspeckprogramm auf der Route einzusetzen, kam für Scandlines ebenfalls nicht infrage. „Wir hätten die Beladung um 150 PKW reduzieren oder pro Jahr 90 Abfahrten stornieren müssen“, sagt Ustrup Svendsen.

Kritiker behaupten, die dänische Reederei habe die Schwäche der insolventen deutschen Werft nach der Pleite ausgenutzt, um einen Schnäppchenpreis durchzusetzen, der weit unter dem eigentlichen Wert der Schiffe lag. Gläubigerausschuss und Insolvenzverwaltung ließen im Kaufvertrag eine sogenannte Mehrerwerbsklausel verankern. Danach muss Scandlines mindestens 100 Millionen Euro in den Umbau investieren. Sollte Scandlines weniger zahlen, muss die Differenz an die Sicherungsgläubiger fließen. Wie Ustrup Svendsen sagt, werde die Reederei Scandlines nach dem Umbau mindestens die ursprünglich veranschlagten 184 Millionen ausgegeben haben. „Möglicherweise sogar mehr.“

Scandlines will die dann auf einen umweltfreundlichen Hybrid-Antrieb umgerüsteten Fähren ab 2015 auf der Linie Rostock-Gedser einsetzen – im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen mit einem Deck weniger und einer um 200 Personen geringeren Passagierkapazität. Sie liegt dann bei 1300. Ob die Reederei noch das lukrative Sommergeschäft mitnehmen kann, ist ungewiss.

Rund 1,4 Millionen Passagiere verkehren allein pro Jahr auf der Linie Rostock-Gedser. Wachstumschancen sieht Scandlines vor allem im boomenden LKW-Verkehr zwischen Skandinavien und Osteuropa. Mit den neuen Großfähren soll die 105-minütige Überfahrt zu einem Erlebnis werden, mit Buffet-Restaurant, Lounges und Shoppingmeile. Und von einem will sich Scandlines nicht trennen: Die Fähren sollen auch nach dem Umbau in Dänemark die Namen „Berlin“ und „Copenhagen“ tragen.


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