Theater Schwerin : Großes Hollywood auf Platt

Ein seltsames Paar: Harald (Sasha Bornemann) und Maud (Elfi Schrodt )
Ein seltsames Paar: Harald (Sasha Bornemann) und Maud (Elfi Schrodt )

Komödie nach Hollywood-Film: „Harald un Maud“ bei der Fritz-Reuter-Bühne

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25. März 2018, 20:00 Uhr

Un wedder mal is de Fritz-Reuter-Bühn oewer denn Groten Diek swemmt un hett uträkend in Hollywood een nieget Stück funn’n: „Harald un Maud“.

Das Stück basiert auf dem Erfolgsfilm „Harold and Maude“ von 1971. Dem Streifen über das ungewöhnliche Zueinanderfinden eines seelisch labilen jungen Mannes und einer höchst unkonventionellen alten Dame blieben zwar die Oscar-Weihen versagt; er trug den beiden Hauptdarstellern Ruth Gordon und Bud Cort aber immerhin eine Golden-Globe-Nominierung ein.

Nun hatte sich Manfred Brümmer des oftmals recht schwarzhumorigen Stoffes von Colin Higgins angenommen, ein plattdeutsches Theaterstück daraus gemacht und sich bemüht, Handlung und Figuren aus der Späthippie-Zeit für ein heutiges Publikum ein gewisses Maß an Zeitlosigkeit zu geben. Ein Unterfangen, das größtenteils gelang. Allerdings schwebte immer ein wenig von leicht angestaubter naiver Blumenkinder-Romantik beharrlich durch den Bühnenraum, vielleicht auch als ein notwendiges Ingredienz für Adelheid Müthers Inszenierung. Die hatte am Sonnabend Premiere im Großen Haus des Staatstheaters.

Die Regisseurin widmet nicht nur den beiden Hauptpersonen Maud (Elfie Schrodt) und Harald (Sasha Bornemann) ihre Aufmerksamkeit und führt sie behutsam und ohne Peinlichkeit durch den Parcours dieser ganz besonderen – da mit gesellschaftlichen Tabus gespickten – Beziehung. Auch den Figuren des Umfeldes der Protagonisten gilt ihre Sorgfalt. Da handeln Personen, zwar satirisch überzeichnet, fast Karikaturen, aber eben nicht nur.

Adelheid Müthers siebenköpfige Darsteller-Riege agiert in einem bezaubernden, sich ständig magisch wandelnden Bühnenbild mit Sternenhimmel und Wald von Kathrin Kegler. Die Kostüme sind von Marie-Theres Cramer. Die Darsteller-Riege – da ist vor allem natürlich Elfie Schrodt als Maud. Die Schauspielerin hat schon sehr oft bewiesen, dass sie den Grenzbereich zwischen Komik und Tragik souverän zu beherrschen vermag. Und sie tut es hier wieder, ist agil, fit wie ein Turnschuh, zärtlich, schlagfertig, mit allerhand Romantik, kindlicher Neugier...

Es war ein Abend für Elfie Schrodt. Sie und Sasha Bornemann als Harald verkörpern die beiden „einzigen fühlenden Seelen“ in diesem Stück. Jener Harald, der seine Umwelt mit allerhand makaberen und morbiden „Scherzen“, als da sind theatralisch inszenierte Selbstmordversuche und Bombenexplosionen, provoziert und schockt, entpuppt sich ganz einfach nur als ein armes beziehungsunfähiges Würstchen, zumal diese Scherze nur noch beim neuen Dienstmädchen und ahnungslosen Besuchern die beabsichtigteWirkung zeigen. Der Weg aus dieser infantilen Existenz hin zu einem fühlenden, ja sogar liebenden jungen Mann spielt der Reuter-Bühnen-Debütant auf beeindruckende Weise.

Kerstin Westphal hatte als Haralds Mutter in ihrer Fahrigkeit, ihrem Kontrollwahn und ihrer Gleichgültigkeit für die Eskapaden ihres Sohnes meistens die Lacher auf ihrer Seite. Andreas Auer, begegnet uns gleich zwiefach als Seelenklempner und als Seelenhirte – beide gleichermaßen überfordert. Besonders köstlich, wenn Auer als Pastor dem Harald die körperliche Liebe auseinanderklamüstern will und dann die Flucht ergreift.

Die Staatsmacht verkörpert Andreas Lembke als Kommissar Bernhard, ein harter Hund, bei dem nicht genau zu sagen ist, ob er für einen ganz winzigen Moment nicht auch dem Charme von Maud erlegen ist. Ein Premierenabend mit einem Schock am Anfang und ganz viel Beifall und Bravo-Rufen am Ende.
 

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