Zuckerfabrik Anklam : Großes Fischsterben ungeklärt

Tote Fischer im September 2015 in der Peene
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Tote Fischer im September 2015 in der Peene

Noch immer Ermittlungen gegen Zuckerwerk Anklam

Wegen einer Panne laufen mehrere zehntausend Liter Ethanol aus einem Werk der Zuckerfabrik Anklam in die Peene. Die Folge dieses Unfalls am 31. August 2015 ist ein massenhaftes Fischsterben. Am Ende haben Helfer rund 4,4 Tonnen tote Fische aus dem Fluss geborgen. Ein Jahr danach dauern die Ermittlungen gegen die Verursacher noch immer an. Kürzlich seien weitere Vernehmungen angeordnet worden, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ein Jahr nach dem Unfall. Ermittelt werde weiter gegen Mitarbeiter der Zuckerfabrik wegen Gewässerverunreinigung.

Das Unternehmen selbst hat bereits um Entschuldigung gebeten. „Es ist unser oberstes Interesse, dass so etwas nicht noch einmal passiert“, sagte gestern Geschäftsführer Matthias Sauer. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wolle er keine Angaben zur Unfallursache machen. Ähnlich ist die Lage bei den Behörden. Zwar heißt es vom Landkreis Vorpommern-Greifswald und dem Landwirtschaftsministerium übereinstimmend, dass inzwischen zwei Gutachten zu den Auswirkungen des Unfalls vorlägen. Doch über deren Inhalt äußern sich die Behörden wegen der noch laufenden Ermittlungen nicht.

Auch darüber ärgert sich Antje Enke: „Wir sind der Meinung, dass die Behörden nicht transparent genug arbeiten“, sagt die Anklamerin. Sie betreibt mit ihrem Mann am Anklamer Hafen eine Kanustation und eine Bootswerft und hatte als eine der Ersten die toten Fische im Fluss bemerkt. „Wir haben ein Jahr später immer noch den Eindruck, dass die Behörden mauern.“ Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hat die Zuckerfabrik stets gegen Klagen der Anwohner in Schutz genommen. Er sagt aber auch: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir ein Jahr nach dem Vorfall Klarheit haben.“ Der Unfall habe dem Ökosystem des Flusses schweren Schaden zugefügt und dürfe sich niemals wiederholen. Gleichwohl habe die Zuckerfabrik seitdem einiges unternommen, um Vertrauen zurückzugewinnen. Darauf verweist auch Fabrikchef Sauer: „Wir haben ein Beschwerdemanagement für Bürger eingerichtet und einen Umwelt-Beirat geschaffen, in dem auch Anwohner und lokale Experten vertreten sind.“ Entscheidend sei aber, dass das Ethanolwerk seit dem 4. September störungsfrei laufe: „Wir beproben bis heute jeden Tag den Graben, über den das Ethanol damals in den Fluss gelaufen ist – als reine Vorsichtsmaßnahme.“ Ein Bündnis aus Anwohnern, bei denen auch Antje Enke wohnt, gibt sich damit allerdings nicht zufrieden: „Wir behalten den Fluss ebenfalls im Auge und nehmen täglich Proben, die wir einfrieren“, sagt sie. Zudem messen sie regelmäßig den Sauerstoffgehalt und veröffentlichen die Daten im Internet.

Bereits vor dem Unfall im Jahr 2015 war bekannt geworden, dass gegen Mitarbeiter der Fabrik zwei weitere Strafverfahren liefen: Dabei ging es um Gewässerverunreinigung und illegale Abfallentsorgung. Diese sind laut Staatsanwaltschaft Neubrandenburg inzwischen gegen die Zahlung von Geldauflagen in Höhe von 500 und 2000 Euro eingestellt worden.

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